Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Autonomes Fahren

Mit K-City in die Autozukunft

Von Barbara Odrich | 29. Juni 2017 | Ausgabe 26

Korea baut an einer Stadt, die zum größten Testgelände der Welt für selbstfahrende Automobile werden soll.

Südkorea will sich weltweit im Wettrennen um autonome Fahrzeuge mit einem eigens dafür eingerichteten, 360 000 m² großen Testgelände an die Spitze setzen. Das entspricht einer Fläche von über 50 Fußballfeldern. Das 17-Mio.-$-Projekt, K-City, soll eine Kleinstadt mit typischer Verkehrsinfrastruktur wie Nahverkehrs- und Schnellstraßen, Ampeln und Busspuren nachahmen.

„Wir hoffen, dass K-City ein weltweites Drehkreuz für die autonome Fahrzeugtechnik und Kooperationsort zwischen lokalen sowie ausländischen Unternehmen und der akademischen Welt wird“, erklärt ein Sprecher der Korea Transport Safety Authority. K-City soll vom Korea Automobile Testing & Research Institute (Katri), Teil der Sicherheitsbehörde, betrieben werden.

Der Parcours wird nahe Hwasung, rund 60 km südlich der Hauptstadt Seoul, gebaut. Die großen Autobauer im Lande wie Hyundai Motor, Kia Motors, Renault Samsung Motors und GM Korea, aber auch IT-Firmen wie Naver, Kakao und SK Telecom sind in unmittelbarer Nähe angesiedelt. Auch junge Start-ups werden mit von der Partie sein.

In K-City sollen fünf Zonen entstehen. So soll ein Umfeld wie in einer Kleinstadt entstehen: mit eng bebauter Innenstadt, Bürogebäuden, Fabriken, Haupt- und Nebenstraßen, Busspuren, Kreiseln, Ampeln und Parkplätzen sowie Außenbezirken mit Schulzonen.

Katri will jeden Samstag einen „autonomous driving day“ ausrufen, um Forschungsarbeiten in Universitäten an selbstfahrenden Autos und kreative Ideen zu fördern. Dann können Forscher auch ohne eine offizielle Genehmigung autonome Fahrzeuge testen.

Es ist Teil der Regierungsinitiative, autonome Autos der Stufe 3 (hochautomatisiert) bis 2020 und der Stufe 4 (vollautomatisiert) bis 2030 auf öffentlichen Straßen des Landes einzuführen (s. Grafik). Das Verkehrsministerium in Seoul hat im jüngsten Haushalt 24,5 Mio. $ für eine auf autonome Autos zugeschnittene Infrastruktur bereitgestellt.

Lange Zeit lagen die Koreaner bei der Verwirklichung selbstfahrender Autos zurück. Jetzt haben sie den Ehrgeiz, schnell aufzuholen. Sahen ursprüngliche Pläne eine Eröffnung von K-City für 2019 vor, so geht der Parcours jetzt deutlich früher ins Rennen: Der Schnellstraßenbereich soll bereits in diesem Oktober in Betrieb gehen, das gesamte Testgelände spätestens Mitte 2018 eröffnen.

Größte Motivation für Korea ist es jedoch, die Japaner zu übertrumpfen. Diese haben angekündigt, zu den Olympischen Sommerspielen 2020 selbstfahrende Fahrzeuge der Stufe 3 auf öffentliche Straßen zu bringen. Koreas Ziel ist es, mit dieser Technologie bereits 2018 zu den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang aufzuwarten.

Bei der Stufe 3 handelt es sich bereits um hochautomatisiertes Fahren, bei dem der Fahrer das System nicht mehr ständig überwachen muss und das Fahrzeug Funktionen wie das Auslösen des Winkers, den Spurenwechsel und das Spurenhalten übernimmt. Sobald das System allerdings an seine Leistungsgrenze stößt, fordert es den Fahrer innerhalb einer Vorwarnzeit auf, die Kontrolle zu übernehmen.

Vorreiter ist die Hyundai Motor-Gruppe. Sie gehört zu den bislang sechs Unternehmen und Instituten – Unis ebenso wie Elektronikriesen – die eine der begehrten Zulassungen für das Testen autonomer Fahrzeuge besitzt. In Partnerschaft mit Cisco und anderen globalen IT-Unternehmen hat Hyundai 1,8 Mrd. $ für den Zeitraum von 2015 bis 2018 für Technologien für das autonome Fahren, z. B. eine Kommunikationsplattform, bereitgestellt.

Koreas größte Suchmaschine Naver will derweil das erste Internetunternehmen werden, das autonome Fahrzeuge testet. Die Testfahrten sollen über Naver Labs, einer auf künstliche Intelligenz spezialisierten Tochter, erfolgen.

Seo Seung-woo, Professor an der Seoul National University, der mit seinem Team seit Jahren an der Entwicklung selbstfahrender Taxis arbeitet, sieht das größte Problem derzeit in der mangelnden Koordination der engagierten Unternehmen. Seo weiß: „In der Öffentlichkeit herrscht große Nervosität, ja Angst vor einer fahrerlosen Zukunft.“

Das tut dem Aktivismus der Regierung keinen Abbruch. Mit dem Ziel, Zukunftsindustrien zu stärken, wurde jüngst eine Reihe von Gesetzen erlassen und im Rahmen des Korea Automobile Management Act beschlossen, dass überall im Land autonome Autos getestet werden dürfen. Korea ist damit eines der ersten Länder, in dem überall – also auch auf normalen Straßen – autonome Autos zugelassen sind.

stellenangebote

mehr