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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Übernahme

„Mittelständlern fehlt oft der Ansprechpartner“

Von Christoph Böckmann | 10. August 2017 | Ausgabe 32

Warum Mittelständler M&A über das Internet betreiben sollten, erklären die Gründer der Plattform Carl Finance.

BU_Interview Mittelstandsfinanzierung
Foto: Carl Finance

35 Mittelständler bieten aktuell ihr Unternehmen auf der Plattform Carl Finance der Gründer Kurosch Habibi (links) und Pascal Stichler zum Verkauf an.

VDI Nachrichten: Auf Ihrer Plattform können Firmenchefs ihre kleinen und mittleren Unternehmen zum Verkauf anbieten. Warum ist das Internet der richtige Ort dafür?

Habibi: Mein Mitgründer und ich kommen aus einer sehr ländlichen Region in der Pfalz. Da gibt es viele sehr gute mittelständische Unternehmen. Die kennen ihre Kunden, ihre Zulieferer und ihre direkten Wettbewerber. Wenn es aber um einen Verkauf oder die Nachfolgeregelung geht, dann fehlt ihnen oft ein Ansprechpartner, der weiterhelfen kann. Meist haben neben den großen Konzernen selbst Start-ups einen besseren Zugang zu Kapital. Wir haben hier eine Marktlücke gesehen.

Die Gründer

Jetzt gibt es aber schon einige Plattformen im Netz, auf denen Firmen sich zum Verkauf anbieten können. Was machen Sie anders?

Habibi: Die bestehenden Seiten funktionieren meist nach dem Prinzip von Kleinanzeigen. Der Unternehmer stellt eine Verkaufsanzeige online, die jeder ungehindert sehen kann. Für Kleinstunternehmen, wie einen Kiosk, funktioniert das. Mittelständler ab 1 Mio. € bis 2 Mio. € Umsatz wollen sich aber ungern so öffentlich zum Verkauf anbieten. Im M&A-Geschäft spielt Vertraulichkeit eine sehr große Rolle. Deshalb haben wir einen geschlossen Marktplatz gebaut und bieten eine Vielzahl an Unterstützungsleistungen diesbezüglich an.

Was heißt das?

Stichler: Wir verifizieren, dass es sich um seriöse Personen und Unternehmen handelt, bevor wir sie auf die Plattform lassen. Außerdem kann der Verkäufer eine Blacklist erstellen. Er bestimmt also, wer sein Angebot sehen soll und wer nicht. Besonders die Unternehmen in Nischen wollen häufig vermeiden, dass Wettbewerber von den eigenen Verkaufsabsichten Wind bekommen. Sie können also festlegen, dass sie zum Beispiel nur Angebote von anderen Mittelständlern und nicht von Finanzinvestoren bekommen möchten. Zudem können wir für Unternehmer den kompletten Verkaufsprozess orchestrieren. Das heißt, wir stellen vom passenden Berater über ein umfangreiches Käufernetzwerk alles zur Verfügung.

Welche Voraussetzung muss ein Unternehmen erfüllen, damit es sich auf Ihrem Portal zum Verkauf anbieten kann?

Habibi: Generell können sich Unternehmen ab einem Umsatz von 1 Mio. € bei uns melden. Durch diese Grenze wollen wir sicherstellen, dass gewisse Strukturen im Unternehmen vorhanden sind, die eine Nachfolge ermöglichen. Zum Beispiel, dass das Geschäftsmodell nicht komplett am Gesellschafter hängt, sondern das Unternehmen auch nach der Übergabe noch funktionsfähig bleibt.

Im Oktober letzten Jahres brachten Sie Ihre Betaversion an den Start. Ab Januar ging es dann richtig los. Wie wird Ihre Plattform vom Markt angenommen?

Stichler: Wir haben eine sehr gute Resonanz erfahren und viele Anmeldungen sowie ein kontinuierliches Wachstum bei den Nutzerzahlen. Aktuell stehen etwa 35 Unternehmen mit einem Volumen von über 200 Mio. € auf der Verkaufsseite. Auf der Käuferseite haben wir mehrere hundert Unternehmen, bunt gemischt von KMU über Konzerne, Family Offices, Beteiligungsgesellschaften, Privat-Equity-Fonds und ausländische Investoren. Insgesamt verwalten sie etwa 45 Mrd. € an Vermögen.

Sehr vielfältig. Was macht die größte Gruppe auf der Käuferseite aus?

Habibi: Die größte Gruppe sind Mittelständler, die etwas dazukaufen möchten. An zweiter Stelle stehen Beteiligungsgesellschaften jeglicher Art, gefolgt von Management-Buy-in-Kandidaten. Das sind Privatpersonen, die ein mittelständisches Unternehmen übernehmen möchten. Viele erfolgreiche Ingenieure, die Spitzenpositionen bei großen Konzernen innehaben, reizt es, sich selbstständig zu machen. Oft möchten sie dann nicht neu gründen, sondern wollen ein laufendes Geschäft übernehmen.

Wie viele Deals haben Sie bisher abgewickelt?

Stichler: Bisher haben wir zwei Unternehmen erfolgreich verkauft. Das waren zwei voneinander unabhängige Unternehmen, die vom gleichen Verkäufer an den gleichen Käufer gingen. Der Verkäufer hatte einen M&A-Berater an der Seite, der zuvor eine Vielzahl potenzieller Käufer angeschrieben hatte. Darauf kam nicht die gewünschte Resonanz. Dann stellte der M&A-Berater das Angebot auf unser Portal und alles ging ganz schnell.

Wie hoch waren die Verkaufspreise?

Stichler: Die bewegten sich im niedrigen Millionenbereich.

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