Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden

Donnerstag, 13. Juli 2017, Ausgabe Nr. 28

Donnerstag, 13. Juli 2017, Ausgabe Nr. 28

Verkehr

Nabelschau der Gigaliner und Güterwagen

Von Ralf Roman Rossberg | 18. Mai 2017 | Ausgabe 20

Die Transportbranche präsentierte auf ihrer Leitmesse „transport logistic“ zahlreiche Innovationen – zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

BU T u L
Foto: Foto (2): Christian Hartlmaier/Messe München

Der Iveco Z Truck ist ein Konzeptfahrzeug für den Gütertransport der Zukunft: Herzstücke sind ein Erdgasantrieb und die ausgefeilte Aerodynamik.

Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München, brachte es auf den Punkt: „Die transport logistic (tl) ist ein Spiegel der gesamten Branche und ihrer Vielfalt“. Optisch stand zwar nach wie vor die Hardware der Transporttechnik im Vordergrund, die Mehrzahl der Innovationen steckte jedoch in der weniger anschaulichen Logistik. Sie stellt die Zusatzleistungen bereit, die die Transportabläufe optimieren. Die Vielzahl von Eisenbahnfahrzeugen auf dem Freigelände verleitete zwar dazu, die tl als Messe des Schienengüterverkehrs wahrzunehmen. Doch der Schein trügt: Von den 2160 Ausstellern aus 62 Ländern kamen nur etwa 10 % aus dem Bahnbereich.

Schienengüterverkehr: Ein Blickfang der Messe ist eine elektrische Lokomotive für alle vier europäischen Stromsysteme und neuerdings einem zusätzlichem Dieselmotor. Hersteller Bombardier übergab sie auf der tl an den Logistikdienstleister Rhenus. Sie wird Güterzüge zwischen Belgien, Niederlanden und Deutschland, in der Grenzregion zur Schweiz sowie zwischen den Benelux-Staaten und Südosteuropa ziehen.

Auch bei den für ausgereift gehaltenen Güterwagen gibt es immer wieder Innovationen – so den ersten Kesselwagen für Chemieerzeugnisse aus Aluminium. Der inzwischen vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassene Waggon ist rund 6 t leichter als die bisherigen aus Stahl, entsprechend höher ist die Nutzlast. „Keine Korrosion im Tank, positive Umweltbilanz“, nennt Olaf Feldbinder, Geschäftsführer von den Spezialfahrzeugwerken Feldbinder, weitere Vorteile. Kein vergleichbares Modell am Markt gibt es für den von DB Cargo gezeigten „Shimmns-ttu“-Wagen zum Transport von gewickelten Metallbändern. Neu daran ist das „Öffnen und die Ladungssicherung von nur einer Seite und von Rampen aus, damit leichtere Bedienung und höhere Arbeitssicherheit“, erläutert Markus Turowski, DB Cargo.

Obwohl Logistik heute in nahezu sämtlichen Bereichen die entscheidende Rolle spielt, bieten keineswegs alle Bahnen Logistikdienstleistungen. Auch hier unterstreicht die DB mit Schenker und DB Cargo seine führende Rolle in Europa. Für die digitale Kommunikation mit den Kunden entsteht die neue IT-Plattform myRailportal.

Mit Logistik haben auch Auf- und Ausbau der sibirischen Landbrücke nach China zu tun. Kurz vor der tl war der erste Containerzug von dort nach 18 Tagen Fahrt in London eingetroffen. Den zeitgerechten Transport von Autoteilen aus Deutschland und Tschechien zu den Werken im russischen Kaluga und in Nischni Nowgorod steuert ein von der DB entwickeltes IT-System.

Straßenverkehr: Gerade gestartet ist bereits die Kollaborationsplattform Drive4Schenker der DB Schenker: „Rund 30 000 Transportpartner in 20 Ländern können jetzt erkennen, wo es an ihrer Strecke noch zusätzliche Ladung gibt und freie Kapazitäten sofort buchen“, so Schenker-CEO Jochen Thewes. Ein weiteres heißes Thema bildeten die Gigaliner, die vom Bundesverkehrsminister nach einem fünfjährigen Feldversuch im Dezember vorigen Jahres zugelassen worden waren. Umwelt- und Verkehrsverbände haben allerdings dagegen geklagt. Auf der Logistikmesse waren die 25,25 m langen „Gigaliner“ in Augenschein zu nehmen, die in einigen Ländern sogar noch länger sein dürfen. Marktführer Krone hält sie für unaufhaltsam. Umstritten sind sie wegen befürchteter Gefahren im Straßenverkehr, aber auch wegen des Produktivitätsgewinns für den Lkw-Verkehr, mit dem die Wettbewerbsfähigkeit der Bahnen weiter geschwächt würde.

Luftverkehr: Flugzeuge hatte die tl zwar nicht zu bieten, dafür mit der Air Cargo Europe eine eigene Messe in der Messe. Auf rund 200 Ständen von Fluggesellschaften aus aller Welt, den großen europäischen Flughäfen und der Luftfahrtindustrie, stand die Luftfracht mit ihrer anspruchsvollen Logistik im Mittelpunkt. Ein eigenes Konferenzprogramm galt auch hier in erster Linie der Digitalisierung und deren Herausforderungen.

Schiffsverkehr: Die Hochsee- wie die Binnenschifffahrt präsentierten sich ebenfalls auf der tl. Trimodale Containerverkehre mit Umschlag zwischen Wasser, Straße und Schiene bieten wirtschaftliche und ökologische Vorteile. Diskussionsthema war nicht zuletzt der in Deutschland an die Grenzen der Leistungsfähigkeit stoßende Hafenhinterlandverkehr auf der Schiene. Um die Nord-Süd-Achse über Hannover-Fulda zu entlasten, soll durch Ausbau bestehender Strecken ein „Ostkorridor“ durch Mitteldeutschland über Magdeburg-Halle-Leipzig-Reichenbach-Hof nach Regensburg entstehen. Die Deutsche Bahn informierte darüber, dass jetzt zunächst die seit 1945 nur eingleisigen Abschnitte zwischen Uelzen und Stendal wieder zweigleisig ausgebaut werden.pek

stellenangebote

mehr