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Dienstag, 12. Dezember 2017

Kommentar

Nebenwerte werden bevorzugt

Von Stefan Wolff | 23. Februar 2017 | Ausgabe 08

Als der Deutsche Aktienindex so magische Marken wie 5000 oder 6000 Punkte durchbrach, rollte die Börse gern mal eine große Torte aufs Parkett oder verteilte Marzipan-Dachse. Die Zeiten seliger Euphorie sind längst vorbei.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Dabei gäbe es gerade wieder jede Menge Gründe zu feiern, wenn auch eher im Verborgenen.

Der Nebenwerteindex M-Dax springt schon seit Wochen von einem Rekordhoch zum nächsten, und der S-Dax ist erst kürzlich über die Marke von 10 000 Punkten gestiegen. Der M-Dax beinhaltet die 50 größten Aktienunternehmen nach den 30 Dax-Werten und wird gern als „Mittelstandsindex” bezeichnet.

Das mag angesichts solcher Unternehmen wie Airbus oder Salzgitter eine starke Verniedlichung sein, doch in den hinteren Stuhlreihen stimmt die Bezeichnung schon.

Es tummeln sich viele hoch spezialisierte Firmen darunter, versteckte Champions, die zum Teil als Weltmarktführer kleine Nischen besetzen. Das sorgt für kontinuierlich sprudelnde Gewinne und macht die Unternehmen und damit den gesamten Index ziemlich krisenresistent.

Im S-Dax finden sich Aktien von 50 Unternehmen, die größenmäßig hinter den 30 Dax- und 50 M-Dax-Werten rangieren. Das „S” steht folgerichtig für „small”, also „klein”. Klein kann aus vielerlei Gründen fein sein. Zum einen profitieren die „Small Caps” davon, dass sie nicht so stark im Rampenlicht stehen. Zinsentscheidungen und Arbeitsmarktdaten hinterlassen im täglichen Geschäft kaum Spuren.

Außerdem spiegelt der S-Dax vor allem die heimische Wirtschaft wieder. Das gilt vor allem für die zahlreichen Immobilienunternehmen, die vom Häuserboom in Deutschland profitieren, aber auch für den Klinikbetreiber Rhön oder die Bausparkasse Wüstenrot. Es sind natürlich auch international aktive Firmen enthalten. Der Autovermieter Sixt oder der Sportartikelhersteller Puma sind hierfür prominente Beispiele.

Seit der Index aus der Taufe gehoben worden ist, ist er fast stetig gestiegen. Im Fünfjahresvergleich hat der S-Dax den großen Dax um ein Viertel Wertsteigerung übertroffen. Auch der M-Dax konnte fast immer in den vergangenen Jahren die 30 Top-Aktien schlagen, was allerdings ebenfalls an Sondereffekten liegt. So hingen der Atomausstieg und die holperig vollzogene Energiewende (verbunden mit heftigen Verlusten für RWE und Eon) wie ein Mühlstein am Dax. Auch die Finanzkrise hinterließ naturgemäß sehr viel tiefere Wunden.

Im M-Dax haben sich solche Ereignisse kaum niedergeschlagen. Allerdings sind auch die Unternehmen dort stark von der Lage der Weltkonjunktur abhängig. Sie beliefern mit ihren Produkten meist die ganze Welt. Der Brexit und der Hang zur wirtschaftlichen Abschottung geht also nicht ganz spurlos an ihnen vorbei.

Der starke Wertzuwachs ist natürlich auch bei Profis nicht unbemerkt geblieben. Zunehmend interessieren sich ausländische Großanleger für kleinere Unternehmen. Das wachsende Anlegerinteresse birgt jedoch Gefahren. Denn wenn es an den Finanzmärkten zur Sache geht, ziehen Investoren ihr Geld häufig zuerst aus kleineren Werten ab.

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