Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Montag, 11. Dezember 2017

Automation

Netzwerker bringen sich in Position

Von Sabine Mühlenkamp | 20. April 2017 | Ausgabe 16

Wer Anlagendaten geschickt nutzt, kann Effizienzgewinne einfahren. Davon sind zahlreiche Aussteller auf der Hannover Messe überzeugt. Die Anwendungsbereiche können sehr unterschiedlich sein.

HM-Aut-BU
Foto: Deutsche Messe AG

Digitales Abbild der Produktion: Der Datenstrom aus Maschinen und Anlagen rückt in den Fokus der Prozessoptimierer.

Veränderungen in der Produktion stets im Blick zu haben und Anpassungen in komplizierten Prozessen vorher simulieren zu können, ist der Traum vieler Fabrikmanager. Dank vernetzter Produkte, integrierter Sensorik und digitaler Abbilder kommen sie diesem Ziel immer näher. Auf der Hannover Messe vom 24. bis 29. April werden dazu die neuesten Lösungen vorgestellt.

Fakten zur Hannover Messe

Siemens treibt die Digitalisierung beispielsweise sowohl intern als auch extern voran. „Klares Ziel ist, die Produkte schneller an den Markt zu bringen. Dafür muss man Flexibilität und Varianz beherrschen“, so Jan Mrosik, CEO der Siemens Division Digital Factory. Deshalb bringen die Automatisierungsspezialisten kontinuierlich die virtuelle Welt mit realen Produkten und Prozessen zusammen – immer mit dem Ziel, die Produktion sicherer zu gestalten und die Qualität zu erhöhen.

Auf der Hannover Messe zeigt Siemens mit Beispielen für die unterschiedlichsten Branchen, wie dies in der Praxis funktioniert. Das reicht vom additiven Fertigungsverfahren für künstliche Kniegelenke, über die elektrotechnische Planung eines Schaltschranks bis zur flexiblen Milchverarbeitung.

Basis hierfür ist das Internet der Dinge. Siemens hat dazu das Cloud-basierte, offene Betriebssystem Mindsphere entwickelt, das kontinuierlich um neue Schnittstellen und Apps erweitert wird. Gleichzeitig wurden Mitte März neue Partnerschaften angekündigt, etwa mit den Internetspezialisten Bluevision und Amazon Webservices. Erklärtes Ziel ist es, dass Unternehmen in einer komplett virtuellen Umgebung auf Basis eines „digitalen Zwillings“ Produkte, Produktionsprozesse und Anlagen simulieren, testen und optimieren können. Das soll für alle Branchen jeweils entlang des gesamten Lebenszyklus erfolgen – also vom Engineering über den Betrieb, bis hin zum Recycling.

Ein Beispiel: Durch Simulation werden bereits in der Produktionsplanung Bewegungsabläufe in Bezug auf die Montage und Ergonomie optimiert. Die Anordnung der Arbeitsplätze kann dabei noch vor dem Aufbau einer Anlage angepasst werden. Auch Elektrik und Elektronik können mit der Lösung inzwischen im Vorfeld simuliert werden. Bisher beschränkte sich das beim Produktdesign vor allem auf mechanische Bauteile. Damit ist nun laut Siemens erstmals Design und Simulation von Mechanik, Elektronik, Software und Produktumgebung möglich.

Sensorspezialist Ifm aus Essen möchte Industrieunternehmen dazu befähigen, mehr aus ihren Prozessdaten zu machen. „Höchstens 5 % der Sensordaten aus einer Maschine werden bisher genutzt“, verdeutlicht Myriam Jahn, Geschäftsführerin der Ifm-Tochter TiSC AG. Wie sich das ändern kann, ist für sie klar: „Die Cloud ist für den Maschinenbau und die Automatisierungstechnik das richtige Thema, weil sie die Datenverarbeitung und -visualisierung effizient macht.“ Auf dem Messestand der Essener Unternehmensgruppe sollen dazu Lösungen vorgestellt werden.

Um das Know-how der Maschinenbauunternehmen zu schützen, hat TiSC Angebote von Cloud-Anbietern genau hinterfragt. „Dass sich Unternehmen mit der Datenverarbeitung in der Cloud so schwer tun, liegt einerseits an der Datensicherheit. Aber es liegt noch viel mehr an der Datenhoheit“, weiß Jahn. Deshalb ist es ihr wichtig, bei mittelständischen Unternehmen Aufklärungsarbeit zu leisten.

Weil das Bundesdatenschutzgesetz zwar Persönlichkeitsrechte schütze, aber keine Maschinendaten, sei es möglich, Daten, die heute schnell mal in eine Cloud geschoben werden, weiterzuverkaufen. Jahn konkretisiert: „Bei US-amerikanischen Cloud-Anbietern gibt es sogar Unterverträge, bei denen Daten schon verkauft sind, bevor sie die überhaupt haben.“ Dass die Datencenter vor unerlaubten Zugriffen geschützt seien, helfe den Unternehmen wenig, wenn die Daten weiter gegeben würden – selbst wenn das anonymisiert geschehe. Zudem sieht sie Begehrlichkeiten, was Steuerungsdaten aus dem Maschinenbau angeht. Beispielsweise habe sich Google Robotikexperten eingekauft und Deep-Learning-Algorithmen entwickelt. „Deswegen sollte der Maschinenbau ein Interesse haben, seine Steuerungsdaten nicht öffentlich zu machen“, mahnt Jahn.

Die Entscheidung von TiSC-Chefin Jahn fiel daher auf die Cloud-Lösung von SAP aus Walldorf. „Mit US-Unternehmen konnten wir uns bezüglich des Datenbesitzes nicht einigen.“ 

Gelingen soll den Anwendern der Umstieg auf die Cloud-Technologie dank individuell zusammenstellbarer Softwaremodule in Form von Apps, die die Ifm-Tochter über die Cloud zur Verfügung stellen will. Im Gegensatz zu traditionellen IT-Infrastrukturen bringt das laut Jahn erhebliche Effizienzvorteile: „Es ergeben sich z. B. Einsparungen bei Softwarelizenzkosten von mindestens 10 % bis 20 %.“ Auch der Beratungs- und Implementierungsaufwand sei bei Cloud-Lösungen um bis zu 80 % geringer.

Für den richtigen Anschluss möchte Harting aus Espelkamp sorgen. Neben Neuheiten zu seiner 2016 mit dem Hermes Award der Deutschen Messe ausgezeichneten Vernetzungsbox Mica will das Unternehmen in Hannover besonders kompakte Steckverbinder vorstellen. Die Stecker sollen auch bei miniaturisierten Komponenten eine zuverlässige Signalübertragung über eine schnelle Ethernetverbindung sicherstellen. Damit will Harting künftig auch die kleinste Sensorik in den Fabrikanlagen in Cloud-Lösungen einbinden.

Bisher waren laut Harting alle Stecker zu groß, die für Industrieumgebungen nach IP65 und IP67 gegen Berührung und Wasser geschützt sein müssen. Das soll sich nun mit dem M8ty-Stecker mit M8-Gewinde ändern.

Auch bei der modularen Industriecomputerarchitektur Mica treibt Harting die Entwicklung voran. Der kompakt in einer kleinen Box integrierte Computer erlaubt die Vorverarbeitung von Daten direkt an Maschinen und eignet sich zum Nachrüsten bestehender Anlagen. Genau dort soll auch Mica Energy schnell ihre Vorteile ausspielen. Zur Hannover Messe wird die Lösung zur Erfassung von Energiedaten erstmals vorgestellt. Noch im Entwicklungsstadium befindet sich dagegen eine miniaturisierte Variante, die bereits in einem Konzeptfahrzeug eingebaut ist.

stellenangebote

mehr