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Donnerstag, 13. Juli 2017, Ausgabe Nr. 28

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Energie

Neue Ideen für die Nutzung von Ökostrom

Von Hans-Christoph Neidlein | 20. April 2017 | Ausgabe 16

Innovationsausschreibungen sollen die Netz- und Systemdienlichkeit erneuerbarer Energien und neue Vermarktungsmodelle fördern.

w - HMI Innovation BU
Foto: Deutsche Messe

Wohin mit zu viel erzeugter Elektrizität aus Sonne und Wind? Ideen dazu präsentiert die Integrated Energy Plaza auf der Hannover Messe. Die Studie zeigt, wie die Ideen bezahlbar wären.

Fluktuierende Erzeugungsspitzen von Solar- und Windstrom belasten die Netze. Das Mantra einer verbesserten Systemintegration und Netzdienlichkeit beherrscht deshalb schon seit Längerem die energiepolitische Diskussion. Mit Innovationsausschreibungen möchte das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dies fördern.

Erneuerbare-Energien-Gesetz und Innovation

Zentraler Ansatz ist, eine Integration erneuerbarer Energien ins Stromsystem zu erreichen. Nach dem Prinzip „Nutzen statt Abregeln“ sollen neue Geschäftsmodelle ermöglicht werden: Bisher werden Ökostromanlagen vom Netz genommen, wenn es den erzeugten Strom nicht aufnehmen kann. Nach dem EEG werden die verworfenen Strommengen dennoch vergütet.

Vorschläge, wie ein Design solcher Ausschreibungen aussehen könnte, macht eine Studie des englischen Beratungsunternehmen E4Tech, die die Auftraggeber, die Deutsche Messe und der BEE (Bundesverband Erneuerbare Energie), in Berlin vorstellten. Kernelemente sind laut Studienautor Malte Jansen eine Ausbalancierung von Technik und Vermarktung, um kosteneffiziente Lösungen zu erreichen.

„Auf der Hannover Messe werden wir die Ergebnisse der Studie der interessierten Öffentlichkeit präsentieren“, sagte Benjamin Low, Global Director Energy der Hannover Messe. Mit dem Ausstellungsbereich Integrated Energy Plaza zeige man dort, „wie wichtig es für das Energiesystem der Zukunft ist, Stromerzeuger und -verbraucher intelligent und flexibel zu vernetzen, um so die Wertschöpfung rund um die erneuerbaren Energien anzuheben.“

In den Ausschreibungsrunden werden zwei Parameter vorgegeben: die Systemdienlichkeitsschwelle und ein Mindestanteil an erneuerbarer Energie, der über das Jahr möglichst gleichmäßig verteilt ins Stromnetz eingespeist werden muss. An die Ausschreibungsteilnehmer, die für sich selbst eine vorteilhafte Kombination aus technischer und marktbasierter Innovation finden müssen, wird die Anforderung gestellt, das Stromnetz nicht unverhältnismäßig hoch auszulasten. Dafür erhalten sie eine Basisvergütung, die in der Ausschreibung ermittelt wird.

In Form jährlicher Nachweise müssen Anlagenbetreiber mithilfe der tatsächlichen Einspeisung in das Netz zeigen, dass sich ihre Anlagen dauerhaft systemdienlich verhalten. Die Bewertung erfolge anhand einer geordneten, normierten Jahresdauerlinie für die Höhe der Einspeisung, so Jansen. Verhalten sich die Anlagen nicht systemdienlich, wird die Basisvergütung entsprechend gekürzt.

Im Gegensatz zur derzeitigen Systematik des EEG wird also nicht jede Kilowattstunde Ökostrom gleich vergütet. Darauf zielt auch der Vorschlag ab, dass die erfolgreichen Bieter einen Anteil an Jahresstunden nominieren können, in denen sie auf die Vergütung verzichten und sich alternative Vermarktungsmöglichkeiten suchen. Dies soll bis zu 20 % der Jahresstunden möglich sein und wird jährlich neu bestimmt. Im Gegenzug wird die Vergütung in den nicht nominierten Stunden erhöht.

Eine Grundbedingung dafür ist, dass die Anlagen in den nicht vergüteten Stunden nicht einfach abgeschaltet werden dürfen, sondern eine alternative Vermarktung nachgewiesen werden muss.

„Es geht uns auch darum, neue Geschäftsmodelle anzureizen“, betont Jansen. Hierzu müsse das derzeit geltende Doppelvermarktungsverbot von EEG-Strom fallen. Zudem sollten Abgaben und Umlagen auf diesen Strom entfallen oder reduziert werden, wenn er auf derselben Netzebene erzeugt und verbraucht wird. Ob der nicht vergütete Strom für Systemdienstleistungen in Power-to-X-Anwendungen oder anderweitig vermarktet werde, soll dem Betreiber überlassen sein.

Ob die Vorschläge der Studie aufgegriffen und umgesetzt werden, liegt nun am Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Laut dem BEE-Experten Carsten Pfeiffer war dies schon bis zur Sommerpause geplant, wurde aber auf die neue Legislaturperiode verschoben. Weil die Innovationsausschreibungen auf eine EU-Vorgabe zurückgehen, ist Pfeiffer jedoch optimistisch, dass sie, wie im EEG vorgesehen, spätestens bis zum 1. Mai 2018 das erste Mal durchgeführt werden.

Pfeiffer baut darauf, dass die Vorschläge für eine verbesserte Systemintegration in die geplanten technologieoffenen Ausschreibungen für Solar- und Windkraftanlagen einfließen. An deren Design arbeitet derzeit das BMWi. Sie sollen mit einem Volumen von 400 MW/Jahr von 2018 bis 2020 stattfinden.

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