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Dienstag, 12. Dezember 2017

Parkettnotizen

Preise auf dem Rückzug

Von Stefan Wolff | 6. April 2017 | Ausgabe 14

Seit Jahren ziehen die Inflationsprediger durchs Land und warnen vor exorbitanten Teuerungsraten. Doch vor allem die fallenden Ölpreise machten den Prognosen einen Strich durch die Rechnung.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Vor einem Monat schien das Comeback der Inflation aber abgemacht. Es herrschte Großalarm, als die Teuerungsrate in Deutschland im Februar auf 2,2 % stieg und die der Eurozone auf 2,0 % kletterte. Damit hatten beide Raten die von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebte Zielmarke überschritten. Die liegt bei knapp unter 2 %.

Die Erwartungen reichten für die Märzdaten von einem weiteren Anziehen der Inflation bis hin zu einem leichten Rückgang des Anstiegs. Es kam dann doch noch deutlicher als erwartet. Im März sind die Verbraucherpreise noch langsamer gestiegen, als die Schätzungen es hergaben. Die Inflationsrate lag bei nur 1,6 %, im Euroraum bei 1,5 %. Wie konnte das passieren?

Dass Experten mit ihren Schätzungen daneben liegen, kommt vor, keine Frage. Gerade die Meinungsforscher haben sich zuletzt in Sachen Bexit, Trump und Saarland-Wahl nicht eben mit Ruhm bekleckert.

Ein Kalendereffekt fuhr dieses Mal den Prognosen der Analysten in die Parade: Das Osterfest liegt dieses Jahr im April. Das heißt vor allem, dass es im März keine Osterreisen gab, so wie das im vorigen Jahr der Fall war. Da in den Ferien alles teurer wird, was mit Reisen zu tun hat (von den Flügen, über die Hotels bis hin zum Benzin), sind die Reisepreise gegenüber März 2016 kräftig gesunken.

Es gab noch andere Gründe dafür, dass die Preise deutlich langsamer gestiegen sind als erwartet worden war. Am offensichtlichsten ist der Ölpreis, der im Jahresvergleich nicht mehr so stark gestiegen ist wie in den Monaten zuvor. Zuletzt sind die Preise sogar zurückgegangen.

Auch Dienstleistungen haben sich sehr viel langsamer verteuert. Taxifahrten, der Friseurbesuch der Reparaturservice und viele andere Dinge sind zwar etwas teurer als vor Jahresfrist. Es gab aber keine Preissprünge.

Überraschend ist dann wiederum der Blick auf Obst und Gemüse. Der Frosteinbruch in Südeuropa ist vorbei, die Missernte überwunden. Damit kehren die Preise für Obst und Gemüse wieder auf Normalmaß zurück, vor einigen Monaten schossen sie noch durch die Decke.

Unterm Strich hat also der Osterhase der EZB ein überraschendes Geschenk bereitet. Der Druck auf die Zinswächter dürfte nun deutlich nachlassen. Wenn die Inflation nicht kommt, muss sie auch nicht mit steigenden Zinsen bekämpft werden. Für die Euroländer ist das eine gute Nachricht. Viele von ihnen würden steigende Zinsen nicht aushalten. Für die EZB, deren eigentliche Aufgabe ja stabile Preise sind, führen zu stark anziehende Preise zu einer Zerreißprobe.

Vielleicht ist die Erleichterung aber auch nur von kurzer Dauer. Denn das Osterfest kommt bestimmt und mit ihm steigende Reisepreise.

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