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Freitag, 15. Dezember 2017

Kommentar

Raus aus dem deutschen Saft

Von Regine Bönsch | 20. April 2017 | Ausgabe 16

Digitalisierung ist ganz eng verbunden mit Globalisierung. Wer das lernen will, dem sei ein G20-Gipfel empfohlen – wie unlängst der Digitalgipfel in Düsseldorf.

Regine Bönsch, Ressortleiterin, hofft auf Taten der G20-Staaten.

Da berichtete Blanca Treviño, Chefin des mexikanischen Unternehmens Softtek, wie ihr Land sich dank Onlineprozessen sukzessive von den Fesseln seiner Rolle als US-amerikanerische Werkbank befreit. Da erzählte Mukhisa Kituyi, der Generalsekretär der UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Development), wie kenianische Frauen dank des Mobile-Payments am Zahlungsverkehr teilnehmen können. Regierungsvertreter wie Stakeholder – von der Industrie über UN-Vertreter bis hin zu Gewerkschaften haben erkannt: Was da auf uns zukommt, kennt keine Grenzen. In einer digitalisierten Welt ist es egal, ob du in Afrika oder in Europa sitzt. Also: Raus aus dem deutschen Saft!

Doch es gibt nur wenige positive Geschichten. Die Digitalisierung bringt jede Menge Gefahren mit sich. Der Gender-Gap beispielsweise: Heute haben über 250 Mio. Frauen weniger als Männer einen Zugang zu Computern. Wer nicht ausgebildet ist – ob alt oder jung –, hat keine Chancen. Die Karten in der Produktion und Dienstleistung werden neu gemischt. Während hierzulande kleine und mittelständische Unternehmen künftig ums Überleben ringen werden, drohen gigantische Plattformen – mehrheitlich aus den USA – wie Google, Amazon oder Facebook die Regie zu übernehmen.

Es braucht neue, vor allem internationale Regeln. Die Gruppe der G20, die für zwei Drittel der Weltbevölkerung und 90 % des weltweiten Bruttoinlandprodukts (BIP) steht, hat das erkannt und sich in einer Ministererklärung auf eine Roadmap mit elf Handlungsfeldern geeinigt. Darin stehen ambitionierte Ziele wie ein Internetanschluss für alle Menschen bis 2025. Aber es geht auch um Standards für die IT-Sicherheit, Onlineverbraucherschutz und Industrie 4.0. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries wirkte erleichtert: „Sogar die Amerikaner haben dem zugestimmt.“

Ein Hoffnungsschimmer in einer Welt, in der das Gespenst des Protektionismus umgeht? Ein kleiner. Doch angesichts der Atemlosigkeit, in der die Digitalisierung voranschreitet, müssen dem Papier schnell Taten folgen.

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