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Dienstag, 12. Dezember 2017

Parkettnotizen

Schatten über der Industrie

Von Stefan Wolff | 9. Februar 2017 | Ausgabe 06

Siemens bleibt Dividendenkönig. Über 3,60 € je Aktie können sich Anleger freuen.

Foto: Miguletz

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Gemessen am Tag der Ausschüttung liegt die Dividendenrendite bei 4,4 %. In zinslosen Zeiten ist das ein dickes Pfund und gleichzeitig ein vielversprechender Start in die Dividendensaison. Dax-Anleger dürften mehr als 30 Mrd. € ausgeschüttet bekommen.

Doch die Hauptversammlung bei Siemens lief nicht ungetrübt ab. Die geopolitischen Unsicherheiten belasten zumindest die Stimmung bei dem Münchner Ingenieurkonzern, was kein Wunder ist. Schließlich wiegen Brexit und die US-Wahl schwer.

Wie schwer, haben jüngst die aktuellen Zahlen aus dem Maschinenbau belegt. Im Dezember sind die Auslandsbestellungen um 22 % eingebrochen. Der Rückgang hat die gesamte Jahresbilanz verhagelt.

Ganz so schlecht will man es bei Siemens nicht sehen. Ganz im Gegenteil hat der Elektronikriese sogar die Prognosen fürs Gesamtjahr angehoben. Dabei dürfte Siemens nicht immun gegen die aktuellen Entwicklungen sein. Doch setzt das Unternehmen auf seine tiefen Wurzeln in den USA. Siemens beschäftigt dort 50 000 Mitarbeiter an 60 Standorten und setzt immerhin einen zweistelligen Milliardenbetrag um.

Jobs und Ausbildungsplätze sind die Hauptargumente, auf die sich auch andere Unternehmen berufen, wenn es um die Stellung in den USA geht und um die Frage, wem Strafzölle drohen und wem nicht. Schließlich hängen ganze Regionen von deutschen Firmen ab, die vor Ort produzieren.

Umgekehrt sind die USA ein Riesenmarkt. Der Wert der von deutschen Firmen in den USA produzierten Waren übertrifft den Wert der dorthin exportierten Waren bei weitem.

Beispiel Fresenius Medical Care: Der Bad Homburger Dialysespezialist macht satte 70 % seiner Geschäfte in den USA. Alle Waren und Dienstleistungen stammen aber auch von dort. Ob diese „Heimatverbundenheit“ den neuen US-Präsidenten Donald Trump beeindruckt sei mal dahingestellt. Sicher ist, dass es in einer globalisierten Welt keinen vernünftigen Grund gibt, in jedem Markt die gesamte Produktpalette auch herzustellen.

Die Pharmabranche – und das gilt auch für die US-Firmen – dürfte bei den riesigen Produktportfolios gar nicht in der Lage sein, alle Medikamente an einem Standort zu produzieren. Es ist zudem auch wenig sinnvoll.

Autohersteller könnten sicher alles an einem Ort zusammenführen. Sinnvoll ist es deshalb noch lange nicht. Autos sind eine Mischkalkulation. Eine reine Produktion im Hochlohnland USA würde die Fahrzeuge extrem verteuern.

Siemens-Chef Joe Kaeser hat jedenfalls Donald Trump zu mehr Weltoffenheit ermuntert. Er wird vielen seiner US-Kollegen aus dem Herzen gesprochen haben.ps

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