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Dienstag, 12. Dezember 2017

Gastbeitrag

„Schnelle Information erhöht die Flexibilität“

Von Raimund Klinkner | 13. Juli 2017 | Ausgabe 28

Obwohl sich das Konzept des Lean Managements zur Optimierung von Wertschöpfungsprozessen in den letzten Jahrzehnten bereits branchenübergreifend durchgesetzt hat, ist es aktueller als je zu vor. Fokussiert wurde zunächst die Verschlankung von Produktionsprozessen durch das Vermeiden und Eliminieren nichtwertschöpfender Tätigkeiten entlang der Material- und Informationsflüsse.

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Foto: Marcus Krüger (Hamburg)

Informationstechnologie ist für Raimund Klinkner der Schlüssel zu flexiblen Lean-Management-Konzepten.

 Die fünf Lean-Prinzipien, die als Leitlinien zur Überprüfung eines bestehenden Systems verstanden werden, dominieren seither das Managementdenken: Kundenorientierung, Wertstromanalyse, Flussorganisation, Pullsteuerung und Perfektion.

Mit dem Begriff „Industrie 4.0“ wurde das vorherrschende Verständnis in den vergangenen Jahren hinterfragt, verworfen wurde es bisher nicht – aus gutem Grund. Die Kundenorientierung muss auch im heutigen Zeitalter der Digitalisierung Basis und Ausgangspunkt sämtlicher Aktivitäten sein. Die Individualfertigung entsprechend des Kundenwunsches wird unter der Prämisse der Wirtschaftlichkeit massentauglich und ist Kernziel jedes Unternehmens. Hierfür ist es aufgrund der Digitalisierung und der Überschneidung von virtueller und realer Welt weiterhin nötig, den Wertstrom zu identifizieren und zu analysieren.

Der Informationsfluss wird jedoch im Zuge der Vernetzung neue, direkte Wege zwischen intelligenten Akteuren ermöglichen. Zentral gesteuerte, starre Informationssysteme werden im Verlauf der digitalen Transformation durch hochflexible Netzwerke aus autonom agierenden Einheiten ersetzt, die es ermöglichen, Produktionssysteme auf Basis von Echtzeitinformationen an das komplexe und volatile Marktumfeld anzupassen. Neben einer Dezentralisierung der Steuerungskompetenzen wird sich im Zuge der Digitalisierung auch eine ganzheitliche Transformation der Steuerungssystematik von Push zu Pull abzeichnen.

Auch der Anspruch an die Perfektion verändert sich. Nachdem das Lean Management darauf zielte, die Mitarbeiter zu befähigen, permanent den Status quo zu hinterfragen, wird es in Zukunft Aufgabe der intelligenten Maschine sein, Verbesserungen und Anpassungen an veränderliche Umweltbedingungen vorzunehmen – die schlanke Produktion wird so zum selbstlernenden System.

Der Mensch wird in der Rolle des Prozessgestalters und als Entscheider bei Problemfällen durch Informationssysteme in seinen Fähigkeiten weiter gestärkt und zunehmend zum Koordinator und Dirigenten der Fabrik, während die IT Routinetätigkeiten übernimmt.

Selbstlernende Routine auf dem Weg zur Perfektion ist eine Fähigkeit, die im Qualitätsmanagement von großer Bedeutung ist. So gehen qualitätssichernde Prozesse mit dem wertschöpfenden Fertigungsablauf Hand in Hand. Automatisierte Prüfungen erlauben bei wiederkehrenden Tätigkeiten statistische Analysen und Verbesserungsempfehlungen in Echtzeit, zu denen der Mensch nur mit großer Erfahrung und noch größerem Zeitaufwand in der Lage ist.

Die Geschwindigkeits- und Informationsvorteile überzeugen jeden Maschinenbauer. Vielleicht müssen wir die Informationsgeschwindigkeit deshalb als weiteres Lean-Prinzip definieren. Das wäre eine logische Weiterentwicklung des traditionellen Lean-Gedankens.

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