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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Cebit 2017

Schnelle Netze sichern Zukunft des Mittelstands

Von Regine Bönsch | 23. März 2017 | Ausgabe 12

Der Breitbandgipfel auf der Cebit stand im Zeichen neuer Netzinvestitionen in Höhe von 100 Mrd. €.

cebit BU
Foto: R. Bönsch

Milliarden für Gigabit-Deutschland: Dicke Kabelverzweiger auch für ländliche Regionen, so präsentierte das Verkehrsministerium den geplanten Breitbandausbau auf der Cebit.

Hannes Schwaderer geht leer aus und auch Oliver Tuszik hat es nicht. Die Rede ist vom Breitbandanschluss. Während das Präsidiumsmitglied des Branchenverbands Bitkom in einem kleinen Münchner Vorort noch immer auf Geschwindigkeiten von 50 Mbit/s und mehr wartet, kämpft der Präsident der D21-Initiative täglich zu Hause mit 2 Mbit/s. Das soll sich ändern – in Privathaushalten, aber vor allem auch beim Mittelstand –, attestierten Experten in Hannover auf dem Frühjahrsgipfel der Deutschen Breitbandinitiative.

„Der Mittelstand erwirtschaft hierzulande 50 % des Bruttosozialprodukts und beschäftigt mehr als die Hälfte aller Angestellten und Arbeiter“, sagte Schwaderer. Mehr noch: Unter diesen Unternehmen befänden sich viele sogenannte Hidden Champions, unbekannte Weltmarktführer, die auf Vernetzung angewiesen sind. Denn, so formulierte es Bitkom-Vertreter Tuszik: „Ohne Breitband keine Digitalisierung. Das ist wie Schifffahrt ohne Wasser.“

Nur mit Anbindung an Glasfasernetze könnten die Mittelständler weiter innovativ sein. Die einst von der Bundesregierung beschlossene flächendeckende Versorgung der Bundesrepublik mit 50 Mbit/s bis 2018 reiche in diesem Zusammenhang nicht aus.

Grund genug für die in der „Netzallianz Digitales Deutschland“ zusammengeschlossenen Telekommunikationsfirmen und Verbände, gemeinsam mit dem Bundesminister für digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, eine „Zukunftsoffensive Gigabit-Deutschland“ zu beschließen, was vor zwei Wochen geschah. An dem gut 30-seitigen Plan sind vor allem die Investitionszusagen neu und die Förderkulisse mit Steuergeldern. Die Unternehmen wollen mit Unterstützung des Bundes bis 2023 insgesamt 100 Mrd. € in den Netzausbau investieren, um bis zum Jahr 2025 Gigabit-fähige Netze zu realisieren.

Schon jetzt stellt Dobrindts Ministerium jährlich rund 4 Mrd. € bereit, um unterversorgte Regionen zu erschließen. Von 2018 an sollen sie dann ans „superschnelle Breitband“ angeschlossen werden können. Ab 2018 sollen die staatlichen Fördermittel für die digitale Infrastruktur dann noch 10 % der Nettoinvestitionen und damit rund 3 Mrd. € betragen. Den großen Batzen tragen mit 80 Mrd. € die Unternehmen, doch auch Kommunen und Länder müssen Gelder bereitstellen. Die Breitbandexperten in Hannover waren davon nicht allzu beeindruckt.

Die Ausbaugeschwindigkeit sei noch zu gering, erklärte Wilhelm Dresselhaus, Sprecher der Geschäftsführung von Nokia. Schließlich weiß er, wie auch seine Kollegen von Ericsson und Huawei, dass der Aufbau von 5G-Netzen ein solides Kernnetz voraussetzt. Jeder Mobilfunkstandort muss über Glasfaser angeschlossen werden. Das heiße, so Dresselhaus, „wir brauchen Flächendeckung“. Überall dort, wo Autos autonom fahren sollen, muss das Netz gut ausgebaut sein. „Die ersten autonomen Fahrzeuge werden Mähdrescher und Traktoren sein.“

Aber erkennen Bauern oder eben die klassischen Mittelständler ihren Breitbandbedarf? Größere Unternehmen seien sich der Anforderungen an die Digitalisierung bewusst, kleinere nicht, so die Erfahrung von Netzausstattern und -betreibern. Der Bund hat aus diesem Grund einen Bus losgeschickt, der von IHK zu IHK tingelt und u. a. durch Best-Practice-Beispiele sensibilisiert. Im Januar wurde ein Zusatzprogramm aufgelegt, um Gewerbegebiete mit Glasfaser zu erschließen.

Denn auch wenn auf der Cebit in diesem Jahr niederbandige Netze fürs Internet der Dinge, kurz NB-IoT (s. VDI nachrichten Nr. 10/17), für Furore sorgten, so wissen doch alle, dass sie nur eine Vorstufe zu dem sind, was 5G bis spätestens 2025 den Industrien offeriert. Doch Jürgen Hernichel, Chef des Anbieters 1&1 Versatel, betonte: „Wir können nicht auf 5G warten. Wir müssen jetzt die Netze ausbauen.“

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