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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Finanzen

Schuldscheindarlehen boomen im Mittelstand

Von Dieter W. Heumann | 26. Januar 2017 | Ausgabe 04

Mit der traditionsreichen Form der Fremdfinanzierung ergänzen immer mehr Firmen den klassischen Unternehmenskredit.

Schuldscheindarlehen BU
Foto: PIA Stadt Frankfurt am Main/Tanja Schäfer

Die Bankentürme in Frankfurt symbolisieren die Macht der Finanzinstitute. Unternehmer, die auf Unabhängigkeit Wert legen, streuen deshalb die Risiken. Schuldscheine gewinnen dabei im Finanzierungsmix an Bedeutung.

Mehr als 80 % der Finanzverbindlichkeiten in Deutschland entfallen noch immer auf Bankkredite, so eine Analyse der Stuttgarter Capmarcon, eine auf Unternehmensfinanzierung spezialisierte Beratungsgesellschaft. Doch in Zeiten niedriger Zinsen wachsen Finanzierungsalternativen zum Teil wesentlich kräftiger.

Mächtig zugelegt hat in den vergangenen Jahren vor allem der Markt für Schuldscheindarlehen. Laut Capmarcon verzeichnete diese Finanzierungsvariante seit 2014 ein Plus von über 40 %. Bis Ende September vergangenen Jahres befanden sich Schuldscheine deutscher Unternehmen in Höhe von 82 Mrd. € im Umlauf. Am Ende des dritten Quartals 2016 lag das Jahres-Emissionsvolumen bei 21,2 Mrd. €. Das sind 2,5 Mrd. € mehr als im Gesamtjahr 2015 an Schuldscheinen begeben worden war.

Der Schuldschein, dessen Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, ist ein Instrument der langfristigen Fremdfinanzierung, Begeben wird er vom Emittenten, also dem Kreditnehmer. Das Papier dient den Investoren – meist (eine oder mehrere) Banken, Sparkassen, Pensionskassen und Versicherungen – als Urkunde über die Vergabe eines Kredites.

Vor allem bei Mittelständlern ab einem Jahresumsatz von 200 Mio. € stoßen Finanzierungen via Schuldschein auf Interesse. Die Darlehen gibt es typischerweise ab einem Kreditbedarf von 20 Mio. €.

Im Schnitt wurden 2014 etwa 120 Mio. € pro Schuldner aufgenommen. Möglich, aber selten, sind auch Kreditbeträge von 10 Mio. €.

Der Schuldschein steht mit seinen regulatorischen Anforderungen zwischen Bankkredit und Unternehmensanleihe. Anders als bei Unternehmensanleihen handelt es sich beim Schuldschein jedoch nicht um ein Wertpapier, das an der Börse gehandelt werden kann. Es gibt also weder Prospektpflicht, noch Prospekthaftung. Folglich ist der Platzierungsaufwand eines Schuldscheins wesentlich geringer als bei einer Unternehmensanleihe.

Als Vorteile eines Schuldscheindarlehens gelten:

ein vergleichsweise geringes Mindestemissionsvolumen,

das Unternehmen muss nicht kapitalmarktfähig sein,

geringe Kosten,

einfache Vertragsdokumentation,

kein externes Rating,

langfristige Finanzierungssicherheit.

Hinzu kommt die schnelle Verfügbarkeit des benötigten Fremdkapitals: Ein Schuldscheindarlehen kann innerhalb von zehn bis zwölf Wochen ausgezahlt werden.

Auch die zahlreichen Skandale und Insolvenzen bei Emittenten von Mittelstandsanleihen haben dazu geführt, dass die Schuldverschreibungen als Instrument der Mittelstandsfinanzierung große Beachtung finden.

Begünstigt wird der Schuldschein auch durch die Investorennachfrage: In Zeiten niedriger Zinsen sind die Anleger auf der Suche nach höheren Renditen und haben die Schuldscheine entdeckt, die derzeit rentierlicher sind als z. B. Bundesanleihen. Nach Einschätzung von Joachim Peter von J. F. Mittelstandspartner in Königstein lassen sich gerade bei standardisierten Krediten im deutschen Mittelstand die Risiken auf Basis von Markterfahrungen gut kalkulieren.

Doch es gibt auch Nachteile beim Schuldscheindarlehen. Sie sind nämlich – wie bereits erwähnt – bilaterale Kreditverträge: Anders als bei Konsortialkrediten mit festen Fälligkeitsterminen kann beim Schuldscheindarlehen jeder Kreditgeber sein Volumen einseitig kündigen.

Peter empfiehlt daher, „niemals den wesentlichen Teil der Unternehmensfinanzierung mittels Schuldscheindarlehen abzudecken“. Der Anteil des Schuldscheins an der Gesamtfinanzierung sollte bei höchstens 40 % der Gesamtfinanzierung liegen.

Zu beachten sind auch weitere Nachteile des Schuldscheindarlehens:

hohe Anforderungen an die Bonität,

meist keine vorzeitige Kündigung möglich,

Laufzeiten müssen unter Umständen angepasst werden.

Fazit: Das Schuldscheindarlehen erlaubt es mittelständischen Unternehmen, sich von Hausbanken unabhängiger zu machen. Es kann aber auch genutzt werden, um die Beziehung zu ihnen zu vertiefen. Möglicherweise eröffnen sich mit einem Schuldscheindarlehen bei den Hausbanken zudem neue Finanzierungsspielräume für Projekte.  ps

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