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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Photovoltaik

Schutz vor flinken Fingern

Von Matilda Jordanova-Duda | 15. Juni 2017 | Ausgabe 24

Das kleine Viamon-Team hat große Ziele: Es will mit seinen Diebstahlschutzanlagen von Kaiserslautern aus die Welt erobern.

Viamon BU
Foto: Viamon

Oliver Strecke lehnt sich weit hinaus: Der Viamon-Chef will in den nächsten fünf Jahren den Umsatz verzehnfachen.

Bei Vollmond schlagen die Diebe zu, laden ruckzuck zwei Transporter voll, und weg sind sie. Diebstahl von Photovoltaikmodulen sei ein verbreitetes Problem, weiß Oliver Strecke. Gesamtschaden: geschätzte 15 Mio. € bis 20 Mio. € pro Jahr. „Solarparks sind meist weit abseits von Wohngebieten und es ist leicht, sich dort zu bedienen“, sagt der Wirtschaftsingenieur. Trotz Kameras, Stacheldraht, Radar und Erschütterungssensoren: Die Profis wüssten die Hindernisse zu überwinden und schnell wieder zu verschwinden.

Die Viamon GmbH

Der Diebstahlschutz, den das Start-up Viamon aus Kaiserslautern entwickelt hat, ist gut in der Anschlussdose der PV-Module und Wechselrichter versteckt. Eine kleine, wetterfest umhüllte Box beherbergt Sensoren, die Erschütterung und Winkeländerung registrieren. Das Alarmsignal wird an eine mit dem Kunden vereinbarte Leitstelle gefunkt. Diese informiert die Polizei oder das Sicherheitspersonal. Reaktionszeit laut Viamon: weniger als 2 min. Weitere 20 min bis 30 min vergehen, bis die Sicherheitskräfte vor Ort sind.

Das reiche oft, um die Diebe zu erwischen oder zumindest ihr Fahrzeug sicherzustellen und auf Spuren auszuwerten. Und wenn die Kriminellen schneller waren, kann man sie immer noch kriegen. Ein GPS-Tracker in der Box zeige auf 10 m genau die Position der gestohlenen Ware, erläutert Oliver Strecke. Man könne so verfolgen, wohin die Diebe fahren, weltweit und über Wochen. Dass sie Dinge weltweit wiederfinden kann, hat die Firma bereits unter Beweis gestellt.

Foto: Viamon

„Viamon MDS“, ein elektronischer Diebstahlschutz, mit Akkus, SIM-Karte und GPS-Modul.

Die Idee „eines James-Bond-Peilsenders“ hatte ein Versicherungsmakler, spezialisiert auf den Schutz großer PV-Anlagen. Das war 2009. Strecke betrieb damals ein Ingenieurbüro in Kaiserslautern. Er steckte einige Hunderttausend Euro eigenes Geld in die Entwicklung des smarten Diebstahlschutzes und gründete 2013 die Viamon GmbH. Das Ziel lautete, drei Jahre später zum ersten Mal Profit zu erwirtschaften. Als die Technologie in den Pilotprojekten funktionierte, stiegen auch der Hightech-Gründerfonds (HTGF), die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) und die Saarländische Wagnisfinanzierungsgesellschaft (SWG) mit Risikokapital ein. 2016 hatte das Start-up 1,2 Mio. € Umsatz – und ist nach eigenen Angaben profitabel.

„Bis jetzt haben wir 350 MW abgesichert“, so Strecke. Im Vergleich zu den 70 GW, die laut Bloomberg New Energy Finance im letzten Jahr weltweit installiert wurden, nicht allzu viel. Aber für einen Neuling auf dem Markt auch nicht schlecht. Bislang hat Viamon hauptsächlich Solarparks in Deutschland und England ausgestattet, doch das Geschäft verlagert sich immer mehr in den außereuropäischen Raum. Afrika, China, die USA, Südamerika oder Australien sieht der Geschäftsführer als Zukunftsmärkte.

Nicht nur Sonnenenergie-Kraftwerke, auch solarbetriebene Funkmasten, Wetterstationen und Wasserpumpen in entlegenen Gegenden, etwa in den Schweizer Alpen oder in der namibischen Wüste, können so überwacht werden. Die Box zieht Strom aus der Solarzelle und ist nach Firmenangaben wartungsfrei, energieeffizient und mindestens so langlebig wie das Modul selbst.

Ein Produktionspartner übernimmt die Fertigung. Das Team aus zehn Software- und Hardwareentwicklern, Projektmanagern und Vertriebsfachleuten kümmert sich um die Technologie und um die Sicherheitsberatung der Kunden. Den Einbau in bestehenden Modulen übernimmt meistens der Partner AdlerSolar. Viamon arbeitet aber auch mit einigen Herstellern zusammen, damit künftig immer mehr Photovoltaik ab Werk die Sicherheitstechnologie enthält.

Zum Geschäftsmodell gehört ein Sicherheitskonzept für die komplette Anlage. „Schon vor der Gründung verbrachten wir viel Zeit auf Solarparks. Unsere Projektmanager sind richtige Experten für diese spezielle Art von Diebstahlschutz“, erzählt Strecke. „Es reicht in der Regel aus, nur 1 % der Solarmodule und 10 % bis 20 % der Wechselrichter auszustatten, wenn diese strategisch positioniert sind.“ Wie viel genau, hängt von der Größe und Lage des Solarparks und den Vorgaben der Versicherung ab.

Es müssen nur wenige Module gesichert werden, weil die Sensoren auch auf Erschütterungen der Nachbarflächen reagieren. Um nicht ständig Fehlalarme auszulösen, erkennt die Elektronik eine Winkeländerung. Ein typisches Diebstahlmuster wäre: Das Modul wird hochkant gestellt, um es wegzutragen, und dann flach in den Laderaum gelegt. Im Vergleich zu Kameras oder Trittschallmatten, die etwa auch auf Tiere, Spaziergänger und Rasenmäher reagierten, gebe es praktisch keine Fehlalarme mehr, so Strecke.

Zäune, Sirenen und Kameras können weiterhin genutzt werden, um den Dieben das verbotene Tun zu erschweren. Allerdings könnte der Zaun aus einfachem Maschendraht sein, die Kameras Attrappen, sagt Strecke: Das allein spare bei mehreren Hektar Kosten im fünfstelligen Bereich. Der Preis der intelligenten Anschlussdose liege bei ungefähr 1 Cent/W. Nach der Installation verursache nur die Datenübertragung Kosten: je nach Land und Frequenz der Meldungen unterschiedlich.

Oliver Strecke hat noch einige Ideen und sogar konkrete Projekte in der Pipeline. Da wäre zunächst einmal die Abschaltung der Module im Brandfall. Mit Viamons Technologie ginge das relativ einfach und kostengünstig per Funk: Derzeit sei man mit PV-Herstellern im Gespräch. Eine weitere Anwendung sei die Verfolgung wertvoller Transportgüter wie Pharmaka einschließlich Temperaturüberwachung jeder einzelnen Kiste. Und zu guter Letzt fragten Logistikunternehmen, die mit Tausenden Lkw in Afrika unterwegs seien, nach versteckten Ortungsmöglichkeiten. Ihre Fahrzeuge würden z. B. im Südsudan oft „entliehen“ und dann irgendwo stehen gelassen. Um sie dauerhaft orten zu können, brauche man ein GPS-Gerät, das unsichtbar im Wageninneren eingebaut ist.

Um diese Technologien voranzubringen, sich neue Zugänge zu PV-Herstellern und Versicherern zu verschaffen und mehr auf Entwicklung, statt auf Projektierung zu konzentrieren, sucht der Gründer nach weiteren Investoren. Sein Plan ist, in den nächsten fünf Jahren den Umsatz zu verzehnfachen. Die Mitarbeiterzahl könnte auf rund 50 anwachsen. Produziert wird weiterhin in Deutschland. 

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