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Dienstag, 12. Dezember 2017

Energiespeicherung

Schwierige Rechtslage

Von Hans-Christoph Neidlein | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Die Branche bringt mit einem eigenen Leitfaden endlich Transparenz in die Angaben für Energieeffizienz bei Solarstromspeichern

w - Energy Storage BU
Foto: Solarwatt

Hausspeichersysteme für Solarstrom: Ein neuer Prüfleitladen soll erstmals standardisierte Messverfahren für deren Wirkungsgrad, Regelungsgenauigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit festlegen.

Rund 52 000 Hausbatteriespeicher auf Basis von Lithium-Ionen-Technik waren Ende 2016 in Deutschland nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft (BWS-Solar) installiert. Viele davon im Kombipack mit einer Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach. Allein 2016 seien „gut 20 000“ hinzugekommen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre rechnet die Branche mit einer Verdoppelung der installierten Basis auf 100 000 Stück.

Was trotz des beginnenden Booms fehlt: Bisher machen viele Hersteller keine standardisierten und überprüfbaren Angaben zu deren Wirkungsgrad, zur Regelungsgenauigkeit und zur Reaktionsgeschwindigkeit. Ein neuer Prüfleitfaden – den der Bundesverband Energiespeicher (BVES) und der BSW-Solar am Dienstag dieser Woche auf der Branchenmesse Energy Storage Europe 2017 in Düsseldorf vorstellten – soll hierfür erstmals standardisierte Messverfahren festlegen. Beteiligt sind Prüfinstitute wie der TÜV Rheinland und das Karlsruher Institut für Technologie, Hochschulen wie die RWTH Aachen und die TU München sowie mehrere Hersteller.

Der Leitfaden bringt Transparenz in den Markt: „Wir wollen damit auch Installateuren und Verbrauchern bessere Auswahlkriterien für Heimbatteriespeicher in die Hand geben und ein Signal für die Branche setzen“, sagte Martin Rothert, Leiter des Produktmanagements bei SMA, schon Ende Februar auf einem Fachgespräch der Clearingstelle EEG in Berlin. Sechs bis sieben Hersteller hätten bereits angekündigt, künftig freiwillig die Vorgaben anzuwenden und entsprechende Produktangaben zu veröffentlichen. So soll der Effizienzleitfaden erstmals die Erhaltungsladung von Lithiumspeichern vergleichbar machen. Diese liegt laut Rothert derzeit bei bis zu 5 % der zwischengespeicherten Energie. Durch Optimierung ließe sich dieser Wert auf 1 % bis 2 % senken.

Deutlich wurde bei dem Fachgespräch, wie stark die geltende Gesetzgebung Batteriestromspeicher ausbremst und wie wichtig eine eigenständige rechtliche Regulierung für einen sinnvollen Einsatz stationärer und mobiler Speicher ist. Denn die rechtliche Gleichsetzung von Speichern mit „Letztverbrauchern“ – also Stromendverbrauchern – schafft zahlreiche Auslegungsprobleme. Letztverbraucher zahlen nämlich die EEG-Umlage, Netzentgelte und Steuern. Nur verbraucht ein Batteriespeicher den Strom nicht, ein Stromerzeuger ist er aber auch nicht.

Rechtsbasis für Energiespeicher unzureichend: Vollends kompliziert wird es, wenn künftig immer mehr Batteriespeicher von Elektroautos in den Strommarkt integriert werden sollen. „Wir haben momentan eine sehr schwierige und kaum handhabbare Rechtslage“, sagte Stefan Söchtig von der Kanzlei HFK Rechtsanwälte in Berlin. Einerseits unterlägen Speicher und auch Ladesäulen als Letztverbraucher laut EEG der Umlagepflicht. Andererseits seien Elektromobile nicht Teil des Energieversorgungsnetzes und die Netzentgelte finanzierten laut Energiewirtschaftsgesetz nicht den Aufbau der Elektromobilität.

Falls Elektroautos mal zu Hause, mal beim Arbeitgeber oder von unterwegs beladen werden und wieder ins Netz einspeisen, wird die Rechtslage noch unübersichtlicher. Jedenfalls will das Bundeswirtschaftsministerium hierzu nun eine Taskforce einrichten; Verbandsvertreter forderten den Gesetzgeber bei dem Fachgespräch auf, in der kommenden Legislaturperiode ein eigenständiges Speicherrecht zu schaffen.

Defizite bei der rechtlichen Regulierung von Speichern und deren großes Potenzial zur Senkung des Ausbaubedarfs der regionalen Stromnetze zeigt auch die neue Netzflexstudie der Deutschen Energie-Agentur (Dena) auf. Um bis zu 60 % können demnach die Netzausbaukosten auf Verteilnetzebene durch die flexible Nutzung von Speichern gesenkt werden.

Kritische Netzsituationen treten laut den untersuchten Fällen treten nur sehr selten auf, im Durchschnitt nur in 1,8 % bis 3,5 % der Zeit eines Jahres. „Bereits durch wenige temporäre Anpassungen der Betriebsweise von Speichern und anderer Flexibilitätstechnologien kann so der Netzausbaubedarf auf Verteilebene vermieden werden“, sagte Dena-Chef Andreas Kuhlmann anlässlich der Studienvorstellung.

Der Ball liegt jetzt maßgeblich beim Gesetzgeber. Denn das bisherige Umlagen- und Netzentgeltsystem sowie die starke Orientierung der Finanzierung der Verteilnetze an kapitalintensiven Investitionen für neue Leitungen stehen einem flexiblen Einsatz von Speichern entgegen. Nötig sind zum Beispiel eine Dynamisierung der Netzentgelte und Umlagen sowie „die Schaffung eines rechtlichen Rahmens, der standardisierte Flexibilitätsprodukte und deren Nutzung definiert“, so die Studie.

„Wir müssen Verteilnetzbetreibern ermöglichen, Anlagenbetreibern Flexibilität zu vergüten, wenn diese beispielsweise Kapazitäten ihrer Speicher für die Netzoptimierung freigeben“, unterstreicht Wolfgang Zander, Geschäftsführer des Beratungsbüros BET. Im Gegenzug müssten die Netzbetreiber rechtlich die Möglichkeit haben, auf die Speicher der Anlagenbetreiber zuzugreifen, um diese im Bedarfsfall steuern zu können. Nötig seien verstärkte finanzielle Anreize für die regionalen Netzbetreiber zur digitalen Aufrüstung der Verteilnetze mit Sensorik, um zielgerichtet Speicherleistung einbinden zu können.

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