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Montag, 11. Dezember 2017

Autonomes Fahren

Selbstfahrend wird beliebter

Von Regine Bönsch | 14. September 2017 | Ausgabe 37

Langsam, aber sicher steigt die Akzeptanz für voll automatisierte Busse und Autos.

BU Studien autonom
Foto: ddp/intertopics/Lucy Young

Noch skeptisch: Potenzielle Nutzer fürchten unerwartete Reaktionen sowie Fehler in der technischen Ausstattung von voll autonomen Fahrzeugen. Sie zweifeln zudem an der Sicherheit.

Glaubt man den jüngsten Studien, dann ist das Interesse der Deutschen an selbstfahrenden Fahrzeugen groß. Mehr Komfort, weniger Staus und ein geringerer Energieverbrauch sind aus Verbrauchersicht nur einige Pluspunkte der hoch automatisierten Fahrzeuge. Schon heute kann sich fast jeder Zweite (47 %) vorstellen, künftig ein passendes Dienstleistungskonzept in Anspruch zu nehmen. Dazu zählen Robotertaxis und selbstfahrende Busse. Ein hoher Wert für eine Art der Dienstleistung, die noch nicht auf dem Markt ist.

Der Bedarf an eigenen Fahrzeugen wird also in der Zukunft sinken, wie die aktuelle Studie „Fahrerlos auf Kurs“ zeigt, die das internationale Marktforschungs- und Beratungsinstitut YouGov gemeinsam mit dem Center of Automotive Management (CAM) durchgeführt hat. Dazu wurden im Jahresverlauf 70 000 Deutsche repräsentativ befragt; hinzu kam im Juni eine bevölkerungsrepräsentative Befragung von 2000 Personen über 18 Jahre.

Dem Report zufolge sind bereits heute 23 % der Deutschen der Ansicht, dass künftig der Besitz eines eigenen Kfz nicht mehr notwendig sein werde. Auch unter Autobesitzern sind die Befragungswerte ähnlich hoch (22 %). „Die Technologie der selbstfahrenden Fahrzeuge in Verbindung mit neuen Mobilitätsdienstleistungen wird die Anzahl der benötigten Fahrzeuge für den Individualverkehr stark reduzieren“, erklärt Stefan Bratzel, Director des CAM. Positionieren sich Automobilhersteller mit eigenen selbstfahrenden Dienstleistungskonzepten, könnten sie diesem Absatzrückgang entgegenwirken.

Automobilhersteller sollten diese Entwicklung als Chance sehen, zukünftig nicht ausschließlich Fahrzeuge zu verkaufen, sondern das Gesamtpaket Mobilität als Dienstleistung, so Bratzel. „Autonome Fahrzeuge genießen in Kombination mit etablierten Dienstleistungskonzepten wie Bus und Taxi eine vergleichsweise hohe Akzeptanz“, ergänzt Markus Braun, Head of Business Unit Reports bei YouGov.

Im eigenen Fahrzeug das Steuer aus der Hand zu geben, das kann sich jeder Dritte (34 %) vorstellen – aber nur mit der Möglichkeit, als Fahrer weiterhin ins Geschehen eingreifen zu können. Die potenziellen Nutzer fahrerloser Fahrzeuge sind häufig männlich (57 %), unter 35 Jahre alt (31 %), leben in einer Beziehung (70 %), treiben viel Sport (67 %) – und sie sind keineswegs frei von Ängsten. Die meisten sorgen sich mit 55 % um Systemausfälle und Technikpannen, gefolgt von rechtlichen Unklarheiten bei Unfällen (51 %) oder Hackerangriffen (48 %). Das sind Hürden, die die Automobilbranche durch entsprechende Kommunikationsmaßnahmen noch aus dem Weg räumen muss.

Das Zutrauen in die Entwicklungskompetenz einzelner Hersteller fällt beim Thema autonome Autos bei Verbrauchern unterschiedlich aus. Der YouGov-Report zeigt, dass die Deutschen am meisten von der Daimler-Marke Mercedes-Benz (46 %), von BMW (41 %) und Audi (34 %) überzeugt sind.

Die vagen Zukunftsvisionen ihrer Mobilitätskonzepte sollten Automobilhersteller und Unternehmen für Verbraucher greifbar machen. „Auf diese Weise können eigene Dienstleistungskonzepte mit selbstfahrenden Fahrzeugen ein wichtiger Differenzierungsfaktor sein“, sagt Stefan Bratzel.

Um das Jahr 2020 werden verschiedene selbstfahrende Autos auf den Markt kommen, prognostiziert das IT-Research- und Beratungsunternehmen Gartner. Die volle Wirkung der autonomen Fahrzeuge auf Wirtschaft und Gesellschaft werde sich ab ungefähr 2025 zeigen. Das Vertrauen der Konsumenten und die soziale Akzeptanz sind wichtige Triebkräfte für die massenhafte Verbreitung selbstfahrender Autos. 

In Deutschland und den USA befragten die Marktforscher von Gartner 1519 Menschen in der Online-Umfrage „Consumer Trends in Automotive“. 55 % der Teilnehmer lehnen es ab, in einem komplett autonomen Auto mitzufahren. 71 % würden in Betracht ziehen, ein teilweise autonomes Fahrzeug zu nutzen. Bedenken wegen möglicher technischer Fehler und mangelnder Sicherheit sind die Hauptgründe, weshalb Verbraucher selbstfahrende Autos kritisch sehen. 

„Die häufigsten Bedenken in Bezug auf die Nutzung voll autonomer Fahrzeuge sind die Angst, dass selbstfahrende Autos in unerwarteten Situationen nicht wissen, was zu tun ist, die Möglichkeit von Fehlern in der technischen Ausstattung und im Gesamtsystem sowie Zweifel an der Sicherheit des Fahrzeugs und des Systems“, erklärt Mike Ramsey, Research Director bei Gartner.

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