Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Energiewirtschaft

Shell auf neuen Energiewegen

Von Katharina Otzen | 31. August 2017 | Ausgabe 35

Nach langer finanzieller Anspannung richtet der Mineralölkonzern Royal Dutch Shell sein Geschäft neu aus – weniger Öl und Gas, mehr Handel und Ökostrom.

w - New Shell BU
Foto: Ian Forsyth/Getty Images

Symbol des Umbaus: Shell verschrottet Förderplattformen seines traditionsreichen Nordsee-Ölfeldes Brent. Im Bild die Brent Delta, im Mai aufgedockt im Seehafen des englischen Hartlepool.

Europas Ölkonzerne kehren langsam, aber sicher zu alter Stärke zurück, darunter die britische Royal Dutch Shell. Nicht nur die Förderung von Öl und Gas („Upstream“) lief gut, auch mit Raffinerien und der Petrochemie („Downstream“) nahm der Konzern mit 4,7 Mrd. $ in den ersten sechs Monaten 2017 fast 40 % mehr ein als ein Jahr zuvor. Unter dem Strich bleibt ein Gewinn von 7,36 Mrd. $, rund 6,2 Mrd. €.

Dahinter steckt ein intensives Programm von CEO Ben van Beurden, mit einem harten Sparkurs und einer Neuausrichtung. Zu den finanziellen Kraftakten gehörte 2015 die Übernahme der britischen BG Group mit ihrem weltweit großen Gasgeschäft für 47 Mrd. £ (damals ca. 64 Mrd. €). Mit dem Verkauf älterer Engagements selbst in der Nordsee an den Ölförderer Chrysaor hat Shell zu Jahresanfang einen Teil des Kaufpreises schon wieder hereingeholt.

Unter dem Eindruck des Krisenjahres 2015 macht Shell damit weiter, das bisherige Portfolio durch Verkäufe zu straffen; derzeit steht das eigene Tankstellennetz mit 630 Stationen in Argentinien im Schaufenster. Mit massiver Rationalisierung, die 30 % der Belegschaft den Job kostete, hat Shell die Betriebskosten in nur zwei Jahren um 10 Mrd. $ (ca. 8,4 Mrd. €) reduziert.

Damit kann van Beurden bei weiter niedrigen Rohölpreisen bis 2020 jährlich zwischen 25 Mrd. $ (21 Mrd. €) und 30 Mrd. $ (25 Mrd. €) investieren. Neben Gas, vor allem Flüssigerdgas, kurz LNG (Liquefied Natural Gas), hat er den Strommarkt, erneuerbare Energien und die Petrochemie als Zukunftsfelder ausgemacht, auf denen er Shell „fit für die 2040er-Jahre“ machen will.

Bei Strom setzt van Beurden auf eine weitere „Elektrifizierung der Wirtschaft“, denn ohne sie ließen sich die Klimaziele kaum erreichen. Je schneller die Elektrifizierung voranschreite, desto eher könne aber die Zeit kommen, von der an der Mineralölverbrauch nicht mehr steige, sondern langsam falle, so der CEO. Dafür will er den Konzern rechtzeitig rüsten.

Nach ersten Gehversuchen in Deutschland, Italien und der Türkei geht Shell jetzt mit Nachdruck in den britischen Strommarkt. Jonathan McCloy, General Manager von Shell für Nordosteuropa, nennt als erstes Ziel die Belieferung von gewerblichen und industriellen Kunden mit Strom.

Den Anfang machen die 550 eigenen Tankstellen, Öl- und Gasterminals und Büroanlagen auf den Britischen Inseln. Shell besitzt zwar keine eigenen Kraftwerke, wohl aber eine eingespielte große Energiehandelsorganisation in London. Soweit es um Ökostrom geht, hält der Konzern bereits Abnahmeverträge mit Wind- und Solarfarmen. Schon jetzt liefert man Strom im britischen Markt an mehrere kleinere Energieversorger.

In Fernost ist Shell schon seit Langem bei Öl und Gas fest etabliert. Inzwischen ist der Handel und die Versorgung mit LNG hinzugekommen. Gerade das Gas- und LNG-Geschäft ist durch die Übernahme der BG Group stark gewachsen, vor allem in Singapur. Von dort aus will van Beurden eine starke Sparte für erneuerbare Energien aufbauen.

Diese Rolle gewinnt im LNG-Geschäft besonders an Bedeutung, weil Singapur über ein großes Import- und Exportterminal für LNG verfügt – im Gegensatz zu anderen Standorten, die als Gasregion entweder LNG exportieren oder als Verbraucher LNG importieren.

Versuche in der Vergangenheit waren nicht mit Erfolg gekrönt: Zuerst lief das Photovoltaikgeschäft nicht so wie erhofft, also hat Shell dies 2006 zugunsten von Wasserstoff – vor allem in den USA – aufgegeben. Auch das brachte nicht den erhofften Erfolg. Nun versucht van  Beurden durch Zukäufe neue Fundamente zu setzen.

Shell beteiligte sich Anfang August an der Sunseap Group in Singapur und ist damit künftig deren Partner bei Solarprojekten im asiatisch-pazifischen Raum. Sunseap hält bisher Solarkontrakte über 160 MW und eine Lizenz zur Belieferung von nichtgewerblichen Endverbrauchern in Singapur mit Strom. Die Gruppe ist an Solarprojekten in Malaysia, Indien, Vietnam, Thailand und auf den Philippinen beteiligt.

Völlig offen ist der Ausgang einer Übernahmeschlacht um die ebenfalls in Singapur beheimatete Equis Energy, einen Ökostromerzeuger, der Teil der von der australischen Macquarie Bank aufgebauten Equis-Gruppe ist. Der Übernahmepreis soll bei rund 5 Mrd. $ (4,2 Mrd. €) liegen. Shell hat hier starke Konkurrenz: die französische Energiegruppe Engie und die beiden japanischen Konzerne Orix und Softbank. Das Finanz- und Investmentkonglomerat Orix hat bereits viel in erneuerbare Energien investiert. Softbank, eigentlich ein Telekommunikationskonzern, hat sich mit der indischen Bharti Enterprises und Foxconn aus Taiwan zusammengetan, um Solarprojekte im Wert von 20 Mrd. $ (ca 17 Mrd. €) in Indien zu verwirklichen.

Equis Energy mit Solar-, Wind- und Wasserkraft in Asien kommt zuerst zum Verkauf. Sollte Shell leer ausgehen, gibt es einen Trost: Die Macquarie Bank hat noch mehr grüne Energie in Fernost zu verkaufen.

stellenangebote

mehr