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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Kommentar

Sicherheitsrisiko

Von Regine Bönsch | 29. Juni 2017 | Ausgabe 26

Heute schon gefreut? Nur zu, freuen Sie sich! Schließlich wurde heute Nacht Ihr Rechner nicht verseucht, Ihr Smartphone hat den gestrigen Tag unbeschadet überstanden, noch hat niemand Ihre Whatsapp-Messages mitgelesen. Die Freude wird Ihnen ziemlich schnell vergehen.

Regine Bönsch,Ressortleiterin, sieht im Staatstrojaner ein gefährliches Einfallstor für Cyberkriminelle.

Nicht nur, weil Cyberangriffe geldgieriger Hacker an der Tagesordnung sind. Auch Regierungen haben es verstärkt auf unsere höchsteigenen Kommunikationsmittel und -dienste abgesehen. Die „bösen“ Russen, die „befreundeten“ Amerikaner und demnächst auch unsere Regierung.

So segnete der Bundestag am letztem Donnerstag den sogenannten Staatstrojaner ab. Behörden wird damit erlaubt, direkt am Gerät mitzulauschen.

Rechtfertigte bis vor Kurzem nur der Terrorverdacht die Installation eines Bundestrojaners, so sieht das neue Gesetz weit mehr potenzielle Anwendungsfälle vor: Mord, Totschlag, Steuerdelikte, Computerbetrug, Hehlerei oder Verleitung zur missbräuchlichen Asylantragstellung – all das kommt infrage.

Was Rechtswissenschaftlern und Datenschützern ein Graus ist, alarmiert auch die IT-Industrie. Der Staatstrojaner konterkariere die Bemühungen der Wirtschaft, Messaging- und andere Kommunikationsdienste sicherer zu machen, warnt beispielsweise der Branchenverband Bitkom.

Denn hier geht es um weit mehr als nur darum, eine Whatsapp-Nachricht zu entschlüsseln. Beim Lauschen direkt am Gerät, der Ausweitung der sogenannten Quellenüberwachung, müssen technologische Sicherheitslücken und Schwachstellen genutzt oder bewusst geschaffen werden. Ob die Sicherheitsbehörden dafür künftig im Darknet shoppen gehen?

Fest steht: Lücken dieser Art sind ein Einfallstor für organisierte Cyberkriminelle – Wanna Cry lässt grüßen. Wer sich wie die Innenminister von Land und Bund vom Staatstrojaner ein Mehr an Sicherheit erhofft, irrt gewaltig. Hacker wie Behörden können alles auf den Geräten lesen – Altes wie Neues. Jenseits von der dramatischen Missachtung bürgerlicher Rechte, jenseits vom verfassungsrechtlich bedenklichen Durchpeitschen der Quellenüberwachung sind die neuesten Gesetze also ein echtes Sicherheitsrisiko – für Daten ebenso wie für die Demokratie.

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