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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Luftfahrt

Sieben Jahre Verspätung

Von Peter Odrich | 23. März 2017 | Ausgabe 12

Japans erster Verkehrsjet lässt auf sich warten.

BU MRJ
Foto: imago/Kyodo News

Mitsubishi wartet noch auf die Zulassung des Jets durch die US-Luftfahrtbehörde.

Ende Januar hatte der Vertriebschef von Mitsubishi Aircraft, Hugo Fukuhara, einigen Fluggesellschaften eine peinliche Mitteilung zu machen: Die Auslieferung des Düsenflugzeugs MRJ – Mitsubishi Regional Jet – werde sich um zwei Jahre verzögern. Die wenigsten Kunden dürften geschockt gewesen sein, schließlich war Mitsubishi schon vorher fünf Jahre im Verzug gewesen. Die Musterzulassung wird nun für 2019 und die erste Auslieferung für 2020 erwartet – sieben Jahre später als anfangs angekündigt. Die amerikanischen und asiatischen Fluggesellschaften, die bislang 427 der zweistrahligen Jets bestellt haben, warten weiter.

In den USA absolvieren seit Oktober 2016 vier MRJ-Maschinen ein umfangreiches Testprogramm, eine fünfte soll in Kürze folgen. Dass gerade die USA für das Testprogramm gewählt wurden, hat den Grund, dass der MRJ-Jet auf die amerikanische Zulassung für den Weltmarkt angewiesen ist. Die europäische Zulassung täte es auch, aber in Europa sind bislang keine MRJ-Jets verkauft worden. Das amerikanische Zulassungsverfahren ist allerdings überaus kompliziert und hart und in Japan wird freimütig eingeräumt, dass man sich verschätzt habe.

Nun rächt sich, dass Mitsubishi viel zu wenig Ingenieure mit Erfahrung im Zivilflugzeugbau beschäftigt hat. Als das MRJ-Programm anlief, mussten zunächst Ingenieure angeworben werden. Die meisten kamen aus dem Militärflugzeugbau und hatten keine Erfahrung mit zivilen Zulassungsverfahren. Der Mangel an erfahrenen Ingenieuren ist noch heute ein Hindernis für Mitsubishi. Und so kann es nicht verwundern, dass die bisherigen Testergebnisse in den USA eine ganze Reihe von Designänderungen bedingen, die die Zulassung immer weiter verzögern. Teilweise müssen im Flugzeug Komponenten an anderen Stellen untergebracht werden, was nicht zuletzt erhebliche Veränderungen in den Kabelführungen nach sich gezogen hat.

Häufig geht es aber um ganz anderes: Die Zulassungsvorschriften umfassen etwa Regeln, die sich mit ungewöhnlichen Flugzuständen der Jets beschäftigen, die aber allesamt berücksichtigt werden müssen. Dazu gehört die Gefahr, dass Kondens- oder anderes Wasser vom Kabinenboden in die Avionics Bay – das sind die elektronischen Geräte an Bord – tropft. Gerade dies hat eine erhebliche Designänderung erzwungen.

Die Erfahrungen bei den Tests in den Vereinigten Staaten haben dazu geführt, dass der Dachkonzern von Mitsubishi Aircraft, Mitsubishi Heavy Industries, nun direkt in die technische Entwicklung des Jets eingreift. Das schließt nach Angaben aus Japan ein, dass sehr viel mehr ausländische – wohl vor allem US-amerikanische und auch europäische – Expertise eingekauft wird, um die Zulassung zu beschleunigen. Mitsubishi Heavy spricht dabei von einem „Fast track” zur Serienreife des Flugzeugs. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Testflotte vergrößert werden soll.

Der MRJ wird in zwei Versionen – mit 70 und mit 90 Sitzen angeboten. Die erstere kostet laut Liste 45,8 Mio. $ und die letztere 47,3 Mio. $. Im Verkauf hat sich bisher als vorteilhaft erwiesen, dass beide Versionen von jeweils zwei US-amerikanischen Triebwerken, dem Pratt & Whitney PW1200G – angetrieben werden. Auch im Flugzeug selbst ist sehr viel amerikanische Technik installiert – vor allem in der Bordelektronik. Das Problem für Mitsubishi ist aber, dass die Kosten ständig steigen. Seit 2016 wird die Serienfertigung vorbereitet. In Japan wird davon ausgegangen, dass der Export auf Dauer nur möglich sein wird, wenn die Regierung in Tokio einen Teil der Produktionskosten übernimmt – was aber als durchaus „wahrscheinlich” bezeichnet wird. Für die Regierung ist das MRJ-Programm insoweit blamabel, als Japan nun im Zivilflugzeugbau nahezu die gleiche zeitliche Verspätung aufweist wie der Konkurrent Comac C919 in China. Embraer aus Brasilien ist sehr viel schneller, obwohl auch dieses Unternehmen ganz auf die amerikanische Zulassung angewiesen ist.

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