Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Heimvernetzung

Smart Home spricht mit dem Elektroauto

Von Manfred Schulze | 9. November 2017 | Ausgabe 45

EEBus bietet eine kostenlose Standardlösung für die Kommunikation von Stromverbrauchern und -speichern.

x-eebus bu
Foto: Oliver Killig/EEBus Initiative e. V.

EEBus auf Rädern: Frank Blessing, SMA Solar Technology AG, Peter Kellendonk, 1. Vorsitzender der EEBus Initiative, und Gunnar Bärwaldt, Volkswagen AG, (v. li.) beim Plugfest in der Gläsernen Manufaktur in Dresden.

Die intelligente Vernetzung von Geräten ist ein Teil der Lösung für die Energiewende: wenn das Elektroauto mit dem Hausanschluss kommuniziert, zu welchen Stunden ausreichend und billiger Strom für das Nachladen zur Verfügung steht. Oder die Wärmepumpe kurzzeitig ihre Leistung reduziert, weil die Herdplatte ein paar Kilowatt zieht und damit eine Lastspitze vermieden werden kann.

Möglich ist das nur, wenn die Geräte einen einheitlichen Standard für die Datenkommunikation nutzen. Eine große Herausforderung, denn dazu müssten sich die Hersteller in aller Welt einigen, die sich schon bei den Steckern für Ladekabel der Autos nicht auf eine einheitliche Norm verständigen konnten. „Wir haben für diesen Anspruch dennoch seit vielen Jahren gekämpft und sind auch recht zuversichtlich, dass wir mit EEBus eine bereits weithin akzeptierte und auch funktionsfähige Standardsprache geschaffen haben“, sagte Peter Kellendonk, Chef der EEBus Initiative e. V., vor Kurzem in Dresden.

Der von mehreren Dutzend Großkonzernen getragene Verein, der die Softwarelösungen generell kostenfrei anbietet, hatte ein sogenanntes Plugfest in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen organisiert. Spezialisten aus allen Bereichen tauschten sich nicht nur über ungelöste Probleme der Datenkommunikation aus, sie schrieben auch gleich neue Codes und Programmerweiterungen. Ein solches Netzwerktreffen gilt als letzte Stufe eines neuen EEBus-Standards, der nun auch für die Einbindung von Elektrofahrzeugen gelten soll. „Sie sehen in den Arbeitsräumen: Die Maschinen sind verkabelt, die Menschen sind vernetzt – es ist alles im Fluss“, scherzte Kellendonk.

Nutzen können den Standard alle Plattformen und Hersteller. Zunächst war EEBus vor allem auf die sogenannte Weiße Ware ausgerichtet, also Waschmaschinen, Kühlgeräte und Herde. Später kamen die deutschen Marktführer für Heiztechnik hinzu – und nun sind auch seit einiger Zeit die Automobilkonzerne mit an Bord.

Die jetzt verfügbare Spezifikation für Elektrofahrzeuge kann bei der Steuerung den eigenerzeugten Strom – etwa von der Solaranlage oder dem Batteriesystem – bevorzugt nutzen, die lokale Netzsituation berücksichtigen und zudem den relativ hohen Ladestrom für die Autobatterie dämpfen, wenn zeitweilig weitere größere Verbraucher anspringen. „Das muss alles so erfolgen, dass die Kunden nicht eingreifen müssen, denn keiner will nachts um drei über ein Dutzend Apps prüfen, ob das Strommanagement im Haus wie gewünscht funktioniert“, sagt Kellendonk.

Dass ausgerechnet Elektroautos, deren Einfluss auf die Stabilität von lokalen Netzen durch die Ein- und Ausspeicherfähigkeit der Batterien von der Energiewirtschaft als potenziell hoch eingeschätzt wird, so spät in der Initiative gekommen sind, will EEBus natürlich öffentlich nicht so gern thematisieren. Dass es jetzt so weit sei, komme durchaus noch zur rechten Zeit, heißt es offiziell, wobei hinter vorgehaltener Hand aber auch Kritik geäußert wird. Die klassische Autoindustrie, und hier vor allem die deutsche, habe diese Thematik lange Zeit als nicht wesentlich angesehen.

Nun aber, das versichern alle Akteure, sei dieser gordische Knoten durchschlagen. Der Volkswagen-Konzern entwickelt intelligente Ladeeinrichtungen, die via EEBus mit der übrigen Haustechnik kommunizieren. Beim Plugfest wurden diese im Zusammenspiel mit Energiemanagern und Haustechnikgeräten erprobt. „Zu einem nachhaltigen Elektromobilitätskonzept gehört auch die Einbindung des E-Autos in das Energiemanagement von Gebäuden und Smart Homes“, sagte Gunnar Bärwaldt, Konzern-Entwicklungskoordinator Laden bei Volkswagen.

Allerdings will der Kunde auch die Hoheit über seine Daten behalten und verlangt zumindest eine Kontrolle über das, was nach außen gelangt. Sensible Daten wie die Routenplanung für den nächsten Tag, die natürlich den Ladezyklus beeinflusst, sollten nach Ansicht von EEBus nicht dem Messstellenbetreiber geliefert werden, sondern verbleiben besser im Haus oder noch besser im Fahrzeug. „Wir bewerten die dezentrale Intelligenz, bei der die verschiedenen Maschinen miteinander kommunizieren, für sicherer als eine zentrale Steuerung im Haus – oder gar über den Netzbetreiber“, meint Kellendonk.

Ganz ohne eine Plattform, die die Kommunikation der Geräte organisiert, geht es dennoch nicht. Eine solche Lösung stellte SMA Solar in Dresden vor. „Wir binden mit den EEBus-Spezifikationen über die Sektoren Strom, Wärme und Elektromobilität hinweg alle Energieerzeuger, Verbraucher und Speicher in das System ein und sorgen vollautomatisch und ohne Komfortverlust dafür, dass Energie effizient genutzt wird. So können Haushalte und Unternehmen erheblich Stromkosten sparen“, erklärt Frank Blessing, Senior Business Development Manager Energy Services bei der SMA Solar Technology AG.

Bis auf Japan und China, wo es derzeit eigene Standards gibt, sei deshalb die Norm von EEBus schon global implementiert, die Entwicklung laufe ebenfalls nicht mehr nur auf nationaler Ebene.

Allerdings gibt es auch noch Bereiche, die derzeit nicht erfasst werden, die aber ebenfalls für mehr Effizienz vor allem in lokalen und regionalen Netzen genutzt werden könnten. So hat EEBus für die Smart Grids und Smart Meter bisher die Standards nicht entwickelt. Doch auch das soll sich bald ändern. Mitte Oktober wurde eine Allianz aus EEBus und den Initiativen von Energy@home sowie Esmig (European Smart Energy Solution Providers) geschmiedet, die diese Lücke schließen soll.

stellenangebote

mehr