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Donnerstag, 19. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 42

Donnerstag, 19. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 42

Automation

„Software wird wesentliches Differenzierungsmerkmal“

Von Martin Ciupek | 5. Oktober 2017 | Ausgabe 40

Wie sich Rockwell Automation im globalen Wettbewerb positionieren will, erklären CEO Blake Moret und Europachef Thomas Donato.

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Foto: KaiB 2017/Rockwell Automation

Kompetenzzentren vermitteln einen Eindruck vernetzter Produktionsprozesse an unterschiedlichen Standorten.

VDI nachrichten: Welchen größten globalen Trend sehen Sie in der Industrieautomation?

Moret: Der größte Einzeltrend ist für mich die Integration von Echtzeitsteuerungen und Informationstechnik. Auf der ganzen Welt finden Industrieunternehmen aus verschiedenen Branchen damit Möglichkeiten, Daten aus ihren Prozessen zu sammeln und daraus Informationen zu gewinnen, mit denen sie bessere Entscheidungen treffen können, mit denen sie die Produktivität verbessern.

Blake D. Moret

Was unterscheidet Ihren Ansatz von Digitalisierungsstrategien anderer Automatisierungsanbieter?

Thomas Donato

Moret: Ich denke, dass es wichtig ist zu verstehen, dass jeder Kunde an einem anderen Punkt steht. Wir haben Kunden die mit einem leeren Blatt Papier beginnen und vielleicht höchstens die nötigsten Grundlagen haben. Manche haben 20 Jahre alte Technologien, die ein Update benötigen. Auch die Treiber für Produktivität können dort von einer Anwendung zur nächsten sehr unterschiedlich sein. Dazu wird neben der Technologie auch das Wissen über die verschiedenen Domänen benötigt.

Wie gehen Sie mit Kunden um, die ohne eine klare Vorstellung von der digitalen Industrie auf Sie zukommen?

Moret: Oft wissen sie zwar nicht wie eine Digitalisierungsstrategie aussieht, aber sie wissen meist wo sie Ressourcen verschwenden. Diese Unternehmen starten dann oft damit, wie sie ihre Maschinenauslastung und ihre Produktivität erhöhen oder ihre Qualität verbessern können. Sie starten also mit sehr grundsätzlichen Wünschen. Daraus können wir einen Ansatz konkretisieren, mit unserer Expertise und unseren Partnern. Die Partner spielen hier eine wichtige Rolle für uns.

Können Sie das bitte genauer erklären?

Moret: Wir denken, dass kein Zulieferer – unabhängig wie groß er ist – über alle notwendigen Kompetenzen und Technologien verfügt. Deshalb arbeiten wir mit leistungsfähigen Partnern zusammen. Mit diesem Ansatz glauben wir ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt zu haben. Hunderte von Partnern tragen mit ihrer Expertise dazu bei, überzeugende Lösungen zu realisieren. Große Partner sind beispielsweise Microsoft, Cisco sowie Endress und Hauser.

Das ist ein deutlicher Unterschied zu Automatisierungsanbietern die Technologien kaufen, um sie in eine durchgängige Lösung zu integrieren. Warum gehen Sie diesen Weg?

Moret: Wir erleben, dass sich unsere Kunden nicht in eine Lösung drängen lassen wollen und lieber Produkte unterschiedlicher Hersteller integrieren möchten.

Sie sprachen über die Vielfalt Ihrer Partner. Bei der Cloud-Technologie haben Sie sich aber auf Microsoft Azure festgelegt. Wieso?

Moret: Ja, wir konzentrieren uns bei unseren Cloud-Applikationen auf Microsoft Azure und realisieren vieles gemeinsam. Sie haben ein gutes Verständnis und eine gute Leistungsfähigkeit. Sie stellen uns Ressourcen zur Verfügung, um unsere Entwicklung zu beschleunigen.

Wir schließen andere Lösungen in Zukunft aber nicht aus. Unsere Kunden wollen sich nicht mit spezifischen Cloud-Lösungen beschäftigen, sie erwarten von uns Lösungen wie sie z. B. ihre Ausfallzeiten in der Produktion reduzieren können. Wir konzentrieren uns darauf, das zu gewährleisten.

Wie sieht es mit anderen strategischen Partnern aus?

Moret: Cisco hilft uns beispielsweise beim Aufbau der Infrastruktur, um smarte Maschinen und Anlagen in Fertigungsumgebungen einbinden zu können, quasi um eine Autobahn für den sicheren Datenaustausch mit übergeordneten Systemen zu realisieren. Da geht es um Echtzeitsteuerung und Cisco hilft uns da die Brücke zu schlagen zu der operativen Ebene und der Informationstechnologie.

In der Prozesstechnik arbeiten wir eng mit Endress+Hauser zusammen. Deren Sensoren für Durchfluss, Druck und Temperaturen liefern viele der Daten die wir in Smart-Factory-Anwendungen nutzen. Sie sind wichtig für unsere Kunden in der Öl- und Gasbranche sowie der Chemieindustrie, wo Zustände in den Prozessen überwacht werden müssen.

In welchen Branchen und Märkten sind Sie am stärksten vertreten?

Moret: Aktuell sind das die verbrauchernahen Märkte. Beispiele sind hier die Getränke- und Lebensmittelindustrie, aber auch Haushalts- und Pflegeprodukte wie Papiertaschentücher. Danach folgt der Transportbereich mit der Automobilindustrie. Besonders stark wachsen wir gerade bei Antriebskonzepten für die Automobilindustrie, wo eine immer höhere Effizienz erwartet wird und bei elektrischen Antriebssträngen. Das löst starke Investitionen in Automatisierungstechnik aus.

Der Softwareanteil in der Automatisierungstechnik nimmt stetig zu. Bisher haben sie eher Komponenten verkauft. Wie wirkt sich das auf Ihre Geschäftsstrategie aus?

Moret: Wir haben bereits vor einiger Zeit festgestellt, dass Software das wesentliche Differenzierungsmerkmal wird. Ich meine damit Software im weiteren Sinne, also Firmware und Middleware die upgedatet und gepflegt werden muss, genauso wie das Informationsmanagement auf den höheren Ebenen – ich nenne das mal „Decision-Support-Software“.

Heute kommen etwa 7 % unseres Umsatzes von Produkten mit Software. Das wird zur Differenzierung aber künftig immer wichtiger. Deshalb ist es für uns wichtig Mitarbeiter zu haben, die Software entwickeln können. Es ist wichtig für uns entsprechende Partner zu haben, mit denen wir hier eine Hebelwirkung erzielen können. Genauso brauchen wir aber auch Vertriebsmitarbeiter, die die Vorteile von Software beschreiben können.

Das bedeutet aber nicht, dass wir die ganze Software selbst machen wollen. Bei manchen Produkten sprechen wir Empfehlungen aus oder bieten Schnittstellen für verschiedene Anwendungen an. Das wichtigste dafür ist, dass sich unsere Produkte dafür leicht konfigurieren lassen. Wir wollen es Kunden so einfach wie möglich machen, damit sie Zeit und Geld sparen.

Wo finden Sie Softwarespezialisten?

Moret: Wir haben ein Campus-Konzept. Gerade haben wir in Kattowitz in Polen einen Campus dafür eröffnet. Wir haben so etwas im Silicon Valley, in Austin/Texas sowie ein Entwicklungszentrum in Prag. Es hilft uns, viele Standorte zu haben, so haben wir die Chance die besten Talente auf der ganzen Welt zu finden.

Wir geben jungen Softwareentwicklern die Möglichkeit selbst den Unterschied zu machen. In San Diego haben es Unternehmen wie Google teilweise schwer, interessante neue Projekte zu finden. Bei Rockwell können die Softwareingenieure dagegen große Fische sein in sehr großen Teichen. Sie sind eingebunden in sehr interessante Anwendungen. Es geht uns nicht darum sie auszusaugen und sie dann auf die Suche nach einem neuen Job zu schicken.

Welche Rolle spielen Europa und besonders Deutschland in der globalen Strategie von Rockwell?

Donato: Viele Innovationen und Trends kommen aus Europa. Spezifisch ist hier die Sicherheitstechnik zu nennen, weil in Europa die Anforderungen dazu strenger sind als im Rest der Welt. Andere Nationen, wie Nordamerika oder Lateinamerika folgen in dem Bereich oft den europäischen Standards.

Darüber hinaus gibt es in Europa viele innovative Maschinen- und Anlagenbauer, die in ihren Segmenten oft Marktführer sind. Das gilt speziell für Unternehmen im deutschen Mittelstand. Mit diesen Unternehmen möchten wir zusammenarbeiten, weil wir viele Endkunden haben, die gerne Projekte mit deutschen und europäischen Maschinen- und Anlagenbauern realisieren.

Wir können diese Kunden weltweit mit Ersatzteilen und Service unterstützen, wenn sie z. B. mit ihren Produkten und Produktionswerken nach Übersee gehen.

Auch Ihre großen globalen Wettbewerber verstärken die Aktivitäten in Deutschland. Wie können Sie sich da differenzieren?

Donato: In Deutschland haben wir dazu unser Connected Enterprise Center in Karlsruhe, in das wir etwa 600 000 $ investiert haben. Da zeigen wir, wie wir uns Smart Manufacturing, Industrie 4.0 oder „China 2025“ vorstellen.

Da zeigen wir unseren Kunden quasi live vom Standort in Karlsruhe, wie sich so etwas in der Produktion in den USA oder an anderen Standorten umsetzen lässt. Wir zeigen wie sich Maschinen überwachen lassen und wie wir mit Echtzeitinformationen Geschäftsentscheidungen treffen können.

Da kann ich dann auch mehrere Standorte vergleichen und feststellen, unter welchen Bedingungen ich die höchste Produktivität habe. Diese Möglichkeiten bietet unsere Technologie an.

Gibt es ähnliche Aktivitäten in anderen Europäischen Ländern?

Donato: Ja, beispielsweise in Polen. Dort haben wir bereits ein sehr großes Produktionswerk für Mittelspannungsantriebe und ein großes Servicezentrum in Kattowitz, in dem wir alle Finanzdienstleistungen unseres Konzerns bündeln. Wir haben inzwischen einen großen Teil unserer europäischen Mitarbeiter in Polen und wachsen dort sehr schnell. Auf einem eigenen Campus entwickeln wir dort Software.

Darüber hinaus haben wir kürzlich in Prag ein neues Gebäude für Vertrieb, Marketing, Produktentwicklung und Engineering eröffnet. Auch hier wachsen wir sehr stark.

Was steckt hinter ihrer Kollaborationsplattform Team One?

Moret: Mit Team One haben wir die Chance Softwareapplikationen auf Standardplattformen wie einem Smartphone aufzubauen. Damit sind wir in der Lage, Informationen, die aus unserer Sicht für Automatisierungsgeräte wichtig sind und die geteilt werden müssen, verfügbar zu machen. Die Applikationen lassen sich einfach erstellen.

Die Plattform funktioniert ähnlich dem Apple-App-Store. Wir stellen darüber Produkte zur Verfügung die nicht unbedingt von uns entwickelt sein müssen. Ich denke, das wird in Zukunft sicher effektiver, wenn immer mehr Ingenieure damit arbeiten, weil sie mit der Technologie aufgewachsen sind. Sie erwarten, dass die Programme einfach zu verwenden ist. Wenn wir da mit etwas anderem kommen, wären sie frustriert.

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