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Dienstag, 12. Dezember 2017

Parkettnotizen

Übergestülpte Revolution

Von Stefan Wolff | 25. Mai 2017 | Ausgabe 21

Bislang sind es gerade mal vier Unternehmen. Doch der von der Deutschen Börse betriebene Fintech-Hub soll stetig weiter wachsen.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Fintechs sind kleine Finanzdienstleister, die einzelne Bank- oder Versicherungsgeschäfte anbieten, ohne selbst Bank oder Versicherung sein zu müssen. Sie gelten als die Gründerbranche schlechthin. Die Vier vom Frankfurter Fintech-Hub haben eigenen Angaben zufolge ein gutes Jahr hinter sich. Erste Finanzierungen seien abgeschlossen worden, die Mitarbeiterzahl habe sich verdoppelt, heißt es. Die Deutsche Börse will jedenfalls dabeibleiben. Frankfurt solle führender Standort für die Branche werden.

Ein nicht ganz einfaches Unterfangen wird das werden. Schließlich schießen solche Gründerzentren wie Pilze aus dem Boden. Auch Berlin hat den Anspruch formuliert, führende Fintech-Metropole sein zu wollen. Währenddessen geben sich die Verbraucher eher zurückhaltend. Gerade die älteren Semester können sich nicht vorstellen, eine App anstelle eines Versicherungsmaklers zu konsultieren, mit dem Handy Überweisungen zu erstellen oder ihre Altersvorsorge zu regeln. Das ist allerdings nicht der Grund, warum in den deutschen Zentren wohl so bald kein Unternehmen vom Kaliber Ebay oder Apple entstehen wird. Unter den größten 20 Internet-Konzernen dieser Welt befindet sich kein einziger mit Sitz in Deutschland oder in Europa. Das heißt, die digitale Revolution wird von außen übergestülpt. Das liegt nicht daran, dass Europäer etwa nicht innovativ genug seien. Ganz im Gegenteil spielt der deutsche Maschinenbau bei der Industrie 4.0 genannten Digitalisierung eine der ersten Geigen. Nur im Geschäft mit dem Endverbraucher hapert es.

Experten gilt Europa als zu reguliert. Für die Politik bedeutet das einen schwierigen Spagat. Zu viel Regulierung kann Innovationen stoppen. Zu wenig Regulierung öffnet monopolistischen Datenkraken Tür und Tor. Ein Beispiel ist der Buchhandel. Eine Buchpreisbindung für E-Books soll Buchhändler vor der Internetkonkurrenz schützen. So weit, so gut gedacht (wenn auch nicht im Sinne jener Verbraucher, die günstigen Lesestoff suchen). Experten zufolge könnte der Schuss aber nach hinten losgehen. Sie glauben, dass Amazon mit einer Bücherflat reagieren könnte. Gegen eine Monatsgebühr könnten Leseratten so viel Literatur konsumieren, wie sie möchten, ähnlich, wie das bei Filmangeboten im Netz ja auch schon funktioniert. Videotheken sind deshalb fast ausgestorben.

Wohin die Reise geht, haben zwei Börsenjubiläen der jüngeren Vergangenheit gezeigt. Vor fünf Jahren debütierte Facebook am Aktienmarkt. Amazon hat bereits seit 20 Jahren seine Papiere am Start. Beide Unternehmen veränderten die Welt. Amazon revolutionierte den Einzelhandel. Das etwas angestaubte Versandhauskonzept erfuhr durch das Internet eine neue Blüte. Facebook veränderte die Art unserer Kommunikation grundsätzlich. Diese Änderung scheint unumkehrbar zu sein.  

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