Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Parkettnotizen

Unsicherheit vor dem Halbfinale

Von Christoph Böckmann | 23. März 2017 | Ausgabe 12

Die Börse präsentierte sich kürzlich in Feierlaune. Zum einen waren Anleger hocherfreut, dass die US-Notenbank so gehandelt hat, wie es von ihr erwartet wurde.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Zum anderen freute man sich darüber, dass die Wahlen in den Niederlanden nicht so ausgingen wie befürchtet. Ministerpräsident Mark Rutte hatte die Wahlen in den Niederlanden als „Viertelfinale“ im Kampf gegen den Populismus bezeichnet. Das Halbfinale finde in Frankreich, das Finale in Deutschland mit der Bundestagswahl statt, so Rutte beim Fernsehduell mit seinem Konkurrenten Wilders.

Die erste Hürde im Superwahljahr 2017 ist geschafft. In den Niederlanden kann Mark Rutte weiter regieren, weil seine Partei weniger Stimmen als erwartet verlor und Populist Geert Wilders weniger stark zulegen konnte als befürchtet.

Aus Sicht der Finanzmärkte ist das eine gute Nachricht. Es wäre schon ein verheerendes Signal gewesen, hätte die Handelsnation auf dem europäischen Kontinent schlechthin gegen die eigene Weltoffenheit votiert. Doch viel wichtiger ist freilich die Präsidentschaftswahl in Frankreich, die noch lange nicht entschieden ist. Front-National-Chefin Marine Le Pen hat den „Frexit“ ins Spiel gebracht, den Austritt Frankreichs aus dem Euro. Ein solcher Schritt hätte dramatische Folgen. Experten sehen eine riesenhafte Pleitewelle über Frankreich hereinbrechen, wenn es denn dazu kommen sollte.

Ein „Überraschungssieg“ des unabhängigen Kandidaten Macron könnte dagegen die Achse zwischen Deutschland und Frankreich stärken, die stets ein Stabilitätsanker für die EU war. Das sehen rechtspopulistische Politiker naturgemäß anders. Sie profitieren von der Unzufriedenheit der Menschen mit der aktuellen Situation und von ihrer Furcht vor Veränderungen. Die Arbeitslosigkeit bestärkt den Trend in Frankreich. Die Quote ist zwar unter 10 % gefallen, liegt aber nur knapp darunter und damit deutlich höher als beispielsweise in Deutschland.

Hierzulande dürfte man so gesehen keinerlei Probleme mit den Verkündern schlichter Botschaften haben. Doch es gibt eine Vielzahl an Menschen, die sich abgehängt fühlen. Die daraus resultierenden Unsicherheiten spiegeln die Märkte ziemlich deutlich.

Dass Spaltung nicht unbedingt die richtige Lösung ist, können eurokritische Marktteilnehmer gerade beim Brexit beobachten, der ja nun am 29. März auch offiziell in die Wege geleitet werden soll. Schottland und Nordirland drohen mit ihrem Brexit, also dem Austritt aus Großbritannien, um in der EU bleiben zu können. Die Spaltung könnte also weitere Spaltungen erzeugen.

Für die Finanzmärkte bedeutet das alles erst einmal Unsicherheit. Das alte Sprichwort, welches politischen Börsen kurze Beine attestiert, dürfte in diesem Jahr nicht greifen. Politik bleibt das bestimmende Thema. Es überlagert den gesamten Rest.  

stellenangebote

mehr