Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Parkettnotizen

Verschieben wir‘s auf morgen

Von Stefan Wolff | 27. Juli 2017 | Ausgabe 30

So wie es derzeit aussieht, könnte 2018 das Jahr der Zinserhöhungen werden. Für dieses Jahr scheint jedenfalls der Zug abgefahren zu sein.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Mit Nullzins und ohne Andeutung konkreter Schritte, die expansive Geldpolitik einzuschränken, verabschiedete sich die Europäische Zentralbank (EZB) in den Sommer.

Viele Beobachter, vor allem Anhänger steigender Zinsen, hatten sich mehr erhofft. Deutete doch Mario Draghi auf der EZB-Tagung im portugiesischen Sintra vor wenigen Wochen noch einen Kurswechsel an. Das lasen zumindest die Beobachter zwischen seinen Zeilen, weil der Notenbankchef die Wirtschaft des Euroraums über den grünen Klee gepriesen hatte.

Draghis Kritiker werfen ihm jetzt Wankelmut vor. Oder haben sie ihn einfach nur falsch interpretiert? Klar ist: Europas Wirtschaft erlebt eine Renaissance. In vielen Ländern boomen Industrie, Konsum und Export. Die Arbeitslosenzahlen sinken. Höhere Zinsen wären hier nicht nur auszuhalten – sie sind angebracht.

Aus anderer Perspektive, nämlich der der südeuropäischen Banken, ist allerdings noch lange nicht alles im Lack, was die letzte staatliche Rettung italienischer Häuser hinreichend bewiesen haben dürfte. Trotzdem wächst der Druck auf die EZB. Die Kritik an den Währungshütern wird lauter und direkter.

Die große Sorge ist, dass der Euroraum seine Zinswende zu spät einläuten könnte. Als Negativbeispiel dient hier die Zinspolitik des ehemaligen Fed-Chefs Alan Greenspan. Nach dem Platzen der Hightechblase und der anschließenden Wirtschaftskrise drehte der US-Notenbanker nur zögerlich an den Zinsen. Längst hatte sich da schon die Immobilienblase aufgepumpt. Der Grundstein für die Finanzkrise war gelegt.

Dass die Krisenbekämpfer selbst eine Krise auslösen werden, ist das Hauptargument der Niedrigzinskritiker. Allerdings haben sich sämtliche Kassandrarufe bislang nicht bewahrheitet. Vor allem die befürchtete Teuerungswelle ist ausgeblieben. Dennoch wird die Beanstandung an der EZB laut bleiben, da niedrige Zinsen gegen die Interessen der hiesigen Finanzwirtschaft und gegen die der Sparer laufen.

Der Anschluss an die USA könnte verpasst werden, lautet eine weitere Sorge. Steigende Zinsen im Dollarraum würden den Euro in die Defensive drängen. Das ist zwar schön für manche Exporteure, verteuert aber die Importe von Rohstoffen und bringt Finanzhäuser in Not, die mit

ansehen müssen, wie bei ihnen geparkte Gelder der Karawane des steigenden Zinses folgen.

Vieles deutet aber darauf hin, dass auch die US-Notenbank Fed den Fuß vom Gas nehmen wird und eventuell sogar erst nach dem Jahreswechsel an weitere Zinsanhebungen denkt.

Vor wenigen Monaten schien der Nullzins noch in Stein gemeißelt zu sein. Diese Einschätzung hat sich überholt. Trotzdem wird mehr und mehr klar, wie schwer sich die EZB mit einer Zinswende tut. 

stellenangebote

mehr