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Dienstag, 12. Dezember 2017

IAA 2017

Verunsicherte Protagonisten

Von Heike Freimann | 21. September 2017 | Ausgabe 38

Die Automobiler setzen auf Mobilitätsdienste. Doch sie sind noch nicht so recht von ihrer Innovationskraft überzeugt, so eine Bitkom-Studie.

Für Achim Berg steht fest: „Wir besitzen in Zukunft kein eigenes Auto mehr.“ Sein Szenario: „Wir werden uns via Smartphone ein autonomes Shuttle bestellen, das uns zum Ziel bringt.“ Der Bitkom-Präsident steht mit seiner Meinung nicht allein da, denn auch 68 % der 177 Vorstände und Geschäftsführer von Unternehmen der Automobilindustrie, die der Bitkom repräsentativ befragt hat, sehen Carsharing und On-demand-Shuttles in Zukunft vorn. Berg bringt das auf der IAA in Frankfurt so auf den Punkt: „Unsere Kinder werden sich nicht mehr die Frage stellen ,Was fährst du?‘, sondern ,Wie fährst du?‘.“

Foto: H. Freimann

„Wir glauben, dass die Person, die keinen Führerschein mehr braucht, bereits geboren ist.“ Achim Berg, Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom.

Die Automobilbranche zeigt sich in der Bitkom-Umfrage entsprechend verunsichert. Nur 23 % der Firmenchefs trauen der Automarke 2030 noch eine entscheidende Rolle beim Autokauf zu. Stattdessen sieht man Themen wie den Verbrauch (75 %), die Antriebstechnik (74 %), Technologien fürs autonome Fahren (80 %) und die Kompatibilität mit gängigen Smartphones (82 %) auf dem Vormarsch. Als zentralen Vorteil des autonomen Fahrens haben 79 % der Befragten das Thema Fahrkomfort ausgemacht. Aus Bitkom-Sicht ein überraschendes Ergebnis, hatte eine Umfrage des Digitalverbands in der Bevölkerung Anfang 2017 doch gerade ein ganz anderes Bild ergeben. Hier nannten gerade mal 18 % mehr Fahrkomfort als bedeutenden Vorteil. „Die Hersteller sollten prüfen, ob sie auf der richtigen Welle sind“, empfiehlt Berg. Nicht minder überraschend die Einschätzung der Branche zur Verkehrssicherheit. So glauben 91 % der befragten Hersteller nicht, dass der Verkehr der Zukunft ohne Verkehrstote auskomme. Ein Ergebnis, das Berg in Frankfurt entschieden zurückweist. „Die Vision Zero wird wahr.“

Ein eher düsteres Bild zeigt die Umfrage auch beim Thema Wettbewerbsfähigkeit. Dass Deutschland als Technologieanbieter fürs autonome Fahren heute die Nase vorn hat, glauben aktuell nur 26 % – allen Patentstudien zum Trotz (s. VDI nachrichten Nr. 36/17). Eine künftige Führungsrolle der klassischen deutschen OEMs sehen gar nur 18 %. Dass IT- und Internetunternehmen wie Google, Apple und Uber das Rennen machen, glauben allerdings auch nur 13 %. Für 66 % stehen künftig neue Automobilhersteller wie Tesla auf der Gewinnerseite.

Neben vielen Sorgen zeigt die Befragung aber auch etwas Licht am Ende des Tunnels. So sehen immerhin 80 % die Chance für ein neues Geschäftsmodell der Autohersteller in der Mobilitätswelt von morgen: Sie werden sich zu Anbietern von Mobilitätsdienstleistungen entwickeln.

Dass der Markt hier gerade kräftig in Bewegung ist, zeigten jüngst die Fusionsgespräche von Daimler und BMW zu ihren Carsharingdiensten Drive Now und Car2Go, aber auch das jüngste Engagement des Volkswagen-Konzerns mit seiner neuen Plattform We. Mit IBM sollen hier Cloud-Dienste und künstliche Intelligenz für Mobilitätsdienste zum Einsatz kommen.

Auch Bitkom-Präsident Berg setzt unterm Strich auf Optimismus: „Noch ist Zeit, die Strategie zu beschleunigen und dafür zu sorgen, dass das Rennen anders ausgeht.“ Dazu müsse die Automobilbranche jetzt allerdings Gas geben. „Wir glauben, dass die Person, die keinen Führerschein mehr braucht, bereits geboren ist.“ 

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