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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Energie

Von Abgas bis zu Abwasser

Von Katharina Otzen | 4. Mai 2017 | Ausgabe 18

Der Motorenhersteller Wärtsilä will im Energiesektor mit Hybridanlagen punkten.

w - Wärtsilä BU
Foto: Wärtsilä

Modulare Kraftwerke sind in Europa bisher die Ausnahme. Motorenhersteller liefern sie schon seit Langem, die Märkte liegen aber eher in Asien (Bild: Industrieanlage in Taiwan).

Blockheizkraftwerk, Solaranlage, noch ein Batteriespeicher vor Ort und als letztes Back-up ein normaler Netzanschluss – so könnte das Stromquellenportfolio vieler Unternehmen in Zukunft aussehen. „Der Kunde will künftig wählen können, welche Energiequelle er für welche Aufgabe nutzt“, sagt Jaakko Eskola, Vorstandschef der finnischen Wärtsilä-Gruppe. Im Konkurrenzkampf am Markt für Energieanlagen aller Art könnten sich nur jene behaupten, die in der Lage seien, komplette Hybridlösungen, wie man solch einen Erzeugungsmix nennt, anzubieten, glaubt er.

Wärtsilä Oyj Abp

Für Wärtsilä sieht Eskola dabei die Zukunft in einer Kombination der technischen Expertise als Dienstleister mit der gleichzeitigen Rolle als Berater, der den Kunden hilft, zu entscheiden, wann sie beispielsweise Solarenergie nutzen, wann sie die Speicherkapazität oder wann sie welche Motoren einsetzen.

Der Auftragseingang für die verschiedenen Sparten der finnischen Gruppe gibt Eskola offenbar recht. Im vierten Quartal 2016 stieg der Auftragseingang mit 1,32 Mrd. € erstmals wieder und lag höher als in allen drei Quartalen davor. Dieser Trend setzt sich im neuen Jahr bisher international fort.

Zudem kompensieren energiebezogene Aufträge teilweise die nach wie vor sehr schwierige Lage am Schiffbaumarkt in aller Welt. Hier leidet Wärtsilä als Zulieferer für spezielle Maschinen und Einrichtungen weniger als viele Werften. Trotzdem blieb 2016 der Umsatz der Firmengruppe mit 4,80 Mrd. € unter dem von 2015 mit 5,03 Mrd. €, aber höher als in den Jahren zuvor.

Mut aber macht der Auftragseingang im Energiesektor. So hat Wärtsilä Ende März in Westafrika den Auftrag gewonnen, bei der Goldmine im afrikanischen Staat Burkina Faso ein 15 MW großes Solarkraftwerk zu bauen und mit einer vorhandenen 55-MW-Anlage, die noch Schweröl nutzt, zu Afrikas größtem Hybridkraftwerk zu kombinieren.

In Indonesien soll die finnische Technologiegruppe für den staatlichen Energieversorger nicht nur im Konsortium mit PT PP, dem indonesischen Baukonzern, fünf Gaskraftwerksblöcke mit zusammen 255 MW liefern, sondern übernimmt auch für fünf Jahre den Betrieb und die Wartung des gesamten Kraftwerkkomplexes.

Auch in Europa hat die finnische Gruppe Erfolg. Im März dieses Jahres hat Wärtsilä einen Fünfjahresvertrag mit der norwegisch-zypriotischen Songa-Offshore-Gruppe geschlossen. Es geht um den bestmöglichen Einsatz, die Wartung und Betreuung der Songa-Bohrinseln in der Nordsee und im Nordatlantik.

Lösungen zu entwickeln, statt nur einzelne Komponenten zu liefern, das ist der Weg, den Wärtsilä sucht. Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit der Tankerreederei Minerva Marine. Für sie soll Wärtsilä die Abwasserbewältigung der Schiffe nach den neuesten internationalen Regeln sicherstellen.

In Kenia hat sich Wärtsilä mit dem finnischen Unternehmen Solar Fire Concentration für ein „GoSol.org project“ genanntes Sozialprojekt zusammengetan, um vor Ort zu helfen, saubere Energie zu gewinnen und so in Ostafrika gleichzeitig die Umwelt zu schützen und die Armut zu bekämpfen.

Neue Emissionsregeln rund um das Mittelmeer und weit darüber hinaus verändern die Welt nachhaltig, das habe Wärtsilä schon früh erkannt, glaubt man Tord Johnson, für die Geschäftsentwicklung in Europa und Afrika zuständiger Manager. Die sogenannte Medium Combustion Plant Directive (MCPD) für kleinere Verbrennungsanlagen, ähnlich verschärfte Richtlinien für den Betrieb größerer Kraftwerke sowie neue Bestimmungen für Schiffsabgase, eröffnen nach seiner Ansicht besonders gute Chancen für Flüssiggas, kurz LNG (Liquefied Natural Gas). Dies gelte vor allem für die Entwicklung der nötigen Infrastruktur im ganzen Mittelmeerraum.

Schon 2008 hatten die Finnen erste Dual-Fuel-Anlagen nach Madeira geliefert, die wahlweise konventionelle Kraftstoffe oder LNG verbrennen können. Die Expertise zog Wärtsilä aus der Erfahrung im Motorenbau für den Schiffssektor: So rüstet Carnival, die größte Kreuzfahrtreederei der Welt mit Sitz in den USA, mithilfe der Finnen auf LNG um. Zu Carnival gehören auch die Aida-Schiffe in Deutschland.

Ein jüngster Auftrag betrifft daher speziell LNG: Wärtsilä soll je vier Dual-Fuel-Motoren liefern. Diese sollen zwei LNG-Tanker antreiben, die Samsung Heavy Industries und Hyundai Heavy Industries in Südkorea für die norwegische Höegh-Gruppe bauen. Zusätzlich kommen die FSRU (Floating Storage Regasification Units) von der finnischen Gruppe. FSRU sind Wiedervergasungseinheiten, die bei diesen LNG-Schiffen integriert sind. Wärtsilä gibt einen „typischen Marktwert“ für eine FSRU von 20 Mio. € bis 40 Mio. € an.

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