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Donnerstag, 19. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 42

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Parkettnotizen

Von Rekord zu Rekord

Von Stefan Wolff | 11. Mai 2017 | Ausgabe 19

Die Finanzmärkte scheinen derzeit nur eine Richtung zu kennen. Die Aktienindizes eilen von Rekord zu Rekord.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Erst knackte der Deutsche Aktienindex (Dax) die 12 500-Punkte-Marke, und ein paar Tage später, zum Wochenschluss, stieg er erstmals über 12 700 Punkte. Nach der Wahl in Frankreich stand er schon über 12 800 Punkten. Auch die sogenannten „Nebenwerte“ im M-Dax und S-Dax schweben quasi im Chor auf Allzeit-Höchstständen.

Erstaunlich ist das angesichts der vielen politischen Unsicherheiten, doch der Erfolg hat viele Väter. Vor allem aber spiegeln die Aktienkurse die Lage der Wirtschaft. Die läuft vor allem in Deutschland rund. Die Arbeitslosenzahl schrumpft immer weiter. Mehr Jobs bedeuten mehr Geld. Mehr Geld bedeutet mehr Konsum. Besonders Export und Konsum bilden gemeinsam gerade ein ziemlich erfolgreiches Doppel.

Denn auch die deutschen Exportmärkte entwickeln sich weiter gut. Trotz aller Schwierigkeiten bleiben deutsche Autohersteller und Maschinenbauer in der Erfolgsspur. Zur guten Stimmung tragen folgerichtig auch die Wirtschaftsdaten aus China bei. Zuletzt konnten die Zahlen vom US-Arbeitsmarkt überraschen. Die deutschen Unternehmensbilanzen können sich vor diesem Hintergrund sehen lassen. Berechnungen der Beratungsgesellschaft EY zufolge haben alle Dax-Konzerne, die bislang Quartalsberichte vorgelegt haben, ihre operativen Gewinn im Schnitt um 27 % steigern können.

Auch die Wahl in Frankreich hat ihren Teil dazu beigetragen. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der Euroraum nach diesem Wochenende einen Stabilitätsschub bekommen sollte. Es ist sogar die Rede davon, dass die Europäische Zentralbank (EZB) wieder an den Zinsen drehen könnte. Die Inflationsraten stehen dem nicht im Wege. Damit könnte die EZB zur US-Notenbank aufschließen.

Frankreichs Notenbankchef François Villeroy de Galhau ist vehementer Gegner von Minuszinsen. Er liegt damit voll auf Bundesbanklinie. Emmanuel Macrons Wahlsieg erhöht auch das französische Gewicht im EZB-Direktorium. Villeroy de Galhau gilt als heißer Kandidat auf die Nachfolge von Mario Draghi, dessen Amtszeit im Oktober 2019 endet.

Die Börse weiter beflügeln könnten also die robusten Wirtschaftsdaten und schwindende politische Unsicherheiten. In Situationen wie diesen wiegen sich Anleger gern in Sicherheit; wohl wissend, dass keine Rallye ewig geht, verhalten sie sich jedoch genau so. Dabei ist Vorsicht durchaus angebracht. Als günstig können Aktien aus Deutschland und dem restlichen Europa nicht mehr gelten. Sämtliche gängigen Bewertungszahlen lassen auf hohe Preise – zum Teil sogar auf Übertreibungen – schließen. So langsam wird die Luft dünn.

Auf der anderen Seite ist der Aufwärtstrend noch ungebrochen. Wer will, kann die Welle weiter reiten, sollte aber nicht überrascht sein, wenn sie bricht.  

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