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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Parkettnotizen

Was vom Gipfel bleibt

Von Stefan Wolff | 13. Juli 2017 | Ausgabe 28

Wenn sich 19 Wirtschaftsnationen plus EU ohne völkerrechtliche Grundlage die Geschicke der Welt bestimmen wollen, dann geht es vornehmlich um wirtschaftliche Interessen. Dabei kämpfen die „alten“ Industriestaaten mit ihrer sinkenden Bedeutung.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Der G20-Gipfel in Hamburg war ein schönes Beispiel dafür. Hatten die G7-Staaten noch vor 20 Jahren knapp die Hälfte der Weltwirtschaft ausgemacht, so werfen sie jetzt „nur“ noch 37 % in die Waagschale. Die größten Aufsteiger sind Indien und vor allem China.

Die USA suchen in dieser Situation ihr Heil in der Isolation. Donald Trump feierte den G20-Gipfel als großen Erfolg. Dabei haben sich die USA weitgehend isoliert, vor allen Dingen, was den Handel und das Weltklima anbelangt.

Die EU hingegen sucht neue Handelsbündnisse und hat mit Jefta ein Freihandelsabkommen mit Japan auf den Weg gebracht. Fallende Zollschranken und Handelshemmnisse sollen die Geschäfte zwischen Europa und Nippon brummen lassen. Als Durchbruch gilt, dass sich Japan für europäische Nahrungsmittel öffnen wird. Auf der anderen Seite werden vor allem japanische Autohersteller profitieren. Die Einfuhrzölle auf Neuwagen werden in der EU fallen. Bislang werden 10 % des Werts erhoben. Sollten Toyota, Honda und Co. diesen Vorteil an die Kunden weitergeben, werden heimischen Wettbewerber unter Druck geraten.

Welche Strategie am Ende aufgehen wird – Öffnung oder Isolation, gilt als offen. Kritiker befürchten, dass Jefta europäische Standards aushebeln könnte. Es ist aber auf der anderen Seite kaum zu erwarten, dass Protektionismus zu einer blühenden Wirtschaft führt. Bislang haben stets Gemeinsamkeiten den Fortschritt angekurbelt. Ein Beispiel dafür ist der Standard-Container, der in den 60er-Jahren den Handel in neue Dimensionen katapultierte. Mit Säcken und unterschiedlich großen Kisten wäre der Welthandel so nicht mehr möglich.

Geschlossenheit sollte auf so einem Gipfel also das richtige Signal sein. Dass dies nicht unbedingt so ist, zeigen die kleinen Beispiele am Rande: Während die anderen Teilnehmer über Wirtschaft, Handel und Klimaschutz diskutierten, klinkten sich US-Präsident Trump und Russlands Staatschef Putin für ein persönliches Treffen aus.

Die Märkte haben sehr sensibel reagiert, vor allem mit Verunsicherung. Die Ölpreise sind abgeschmiert, Staatsanleihen gerieten wegen der aufkommenden Zinsdiskussion in heftige Fahrwasser. Der Euro musste gegenüber dem Dollar Federn lassen, weil weitere Zinsanhebungen in den USA als ausgemacht gelten und eine Zinswende in Europa nur vage diskutiert wird. Die Verunsicherung dürfte die Finanzmärkte durch das gesamte Sommerloch begleiten. 

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