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Dienstag, 12. Dezember 2017

Messen

Wegbereiter in China

Von Ken Fouhy | 20. April 2017 | Ausgabe 16

Die Nürnberg Messe organisiert seit zehn Jahren Messen in China. Viele deutsche Hersteller profitieren davon.

S25 Aus den Unternehmen (2)
Foto: Nürnberg Messe

1200 Aussteller und 60 000 Besucher erwartet die Nürnberg Messe Group auf Veranstaltungen in China in diesem Jahr. Mehr als 6000 chinesische Besucher waren 2016 zu Gast in Nürnberg.

Darren Guo ist ein ungewöhnlicher Grenzgänger. Der 33-jährige Geschäftsführer der Nürnberg Messe China (NMC) fühlt sich bei seinen Eltern im Würzburger Vorort Heidingsfeld genauso wohl wie in seiner Wahlheimat – der 24-Mio.-Einwohner-Stadt Schanghai, von wo aus er die Aktivitäten der Nürnberg Messe Group in China leitet.

Nürnberg Messe Group

Denn Guo ist in beiden Kulturkreisen beheimatet. Mit fünfeinhalb Jahren ist er mit seinen Eltern von Schanghai nach Deutschland gezogen. Sein Vater studierte nach der Einwanderung in Würzburg und arbeitet seitdem in der Automobilindustrie. Guo selbst ist in Würzburg aufgewachsen und hat Wirtschaft, Sinologie und Anglistik in der unterfränkischen Hauptstadt studiert. Danach sollte es in die Unternehmensberatung gehen, bis er vor drei Jahren merkte, dass ihm der enge und persönliche Austausch im Messegeschäft liegt. Statt Berater zu werden, trat er eine Stelle im Asienteam der Nürnberg Messe an und zog vor zwei Jahren nach Schanghai.

Foto: Nürnberg Messe

Darren Guo (li.) unterzeichnet mit einem Vertreter der Stadt Shengyang ein Kooperationsabkommen. Im Hintergrund: Nürnberg-Messe-Geschäftsführer Roland Fleck (li.) und Peter Ottmann.

Seit zehn Jahren ist die Nürnberg Messe mit einer eigenen Niederlassung in China aktiv. Für Roland Fleck, CEO der Messe, ist die Entwicklung der NMC beispielhaft für die internationale Erweiterung: „Nach zehn Jahren werden wir nun 2017 mehr als 1200 Aussteller und bis zu 60 000 Fachbesucher auf unseren Veranstaltungen in China begrüßen.“

Gleichzeitig profitieren von dieser Entwicklung aber auch die internationalen Fachmessen in Nürnberg, wie Geschäftsführer Peter Ottmann betont: „Im heimischen Messezentrum belegen unsere chinesischen Kunden im Ausstellerranking den zweiten Platz und besucherseitig konnten wir im vergangenen Jahr fast 6000 chinesische Gäste als Aussteller und Besucher bei uns in Nürnberg begrüßen.“

Wichtigste Veranstaltung der Nürnberg Messe in China ist die Lebensmittelmesse Biofach, die Ende Mai mit knapp 350 Ausstellern in Schanghai wieder an den Start geht. Weitere Themen, die aus dem heimatlichen Portfolio entstanden, sind die China Diecasting, China Foundry Congress & Exhibition oder der Powtech-Ableger IPB. Sämtliche Messen wurden auf die landesspezifischen Märkte und Bedürfnisse angepasst. So findet 2017 zum zweiten Mal auch die Craftbeer China als Ableger der BrauBeviale statt. Die Greenery & Landscaping China als Pendant zur GaLaBau feiert in diesem Jahr in Schanghai Premiere.

Guo und sein Team in China arbeiten auch an Themen aus Industriesparten, die in Deutschland nicht zum Portfolio gehören. Die Automobilindustrie haben sie bereits fest im Visier.

In keinem anderen Land weltweit verkaufen sich so viele Autos wie in China: Allein 2015 lag die Zahl der abgesetzten Neuwagen bei über 20 Mio. Fahrzeugen. Dabei werden immer mehr Fahrzeuge in China selbst gefertigt. Mit 24,5 Mio. Pkw erreichte die chinesische Automobilproduktion 2015 einen neuen Rekordwert.

Vor fünf Jahren entwickelte NMC mit der Society of Automotive Engineers of China (SAE-China) eine neue Fachmesse für die Automobilindustrie. Seitdem findet die Veranstaltung unter dem Namen „SAE China Congress & Exhibition“ als Branchenplattform für die gesamte Automobiltechnikwertschöpfungskette in China statt. Sowohl die Fachmesse als auch der Kongress versammeln Experten und Entscheider der wichtigsten Automobilhersteller und -zulieferer – zuletzt mit rund 7800 Besuchern.

Auch die Elektromobilität steht im Fokus. Das von NMC organisierte EVI-Tech (E-Vehicle Technology China Forum) widmet sich diesem Thema. Nach Aussage des Geschäftsführers gibt es eine große Zahl von Veranstaltungen für Elektromobilität in China, aber bisher konnte sich keine als nationale Plattform etablieren.

Um sein Vorhaben im Automobilsektor zu forcieren, pflegt Guo enge Kontakte zu wichtigen Zulieferern wie Leoni oder Schaeffler aus Deutschland. Als Schlüssellieferant für Kabelsysteme in der Automobilindustrie ist Leoni seit 1999 in China aktiv. Für die Elektromobilität betreibt der Nürnberger Produzent eine neue teilautomatisierte Hightech-Produktionsanlage in Schanghai.

Aber auch zu den Unternehmen in der etwa 40 km von Schanghai entfernten Shanghai International Automobile City (SAIC) hat Guo gute Kontakte. Dort sind Firmen wie der chinesische Elektroautohersteller NIO, aber auch viele Forschungsaktivitäten rund um das Thema autonomes Fahren präsent. Der Zulieferer Schaeffler betreibt dort ein Entwicklungszentrum.

Ein wichtiges SAIC-Projekt für die Elektromobilität ist die im Jahr 2011 initiierte EV-Zone. Das Carsharing-Programm verleiht nach Aussage von SAIC bereits 8400 Autos an 450 000 registrierte Nutzer in 20 Städten. In diesem Jahr soll die Anzahl der Mietwagen auf 20 000 und das System auf 50 Städte in China ausgeweitet werden. Die Autos können zurzeit mit einer App an etwa 3400 Positionen ausgeliehen und zurückgegeben werden.

Der Zugang zu Netzwerken wie SAIC ist für die erfolgreiche Etablierung von neuen Messeschwerpunkten wichtig, meint Guo. Ob sein Vorhaben mit neuen Messethemen von Erfolg gekrönt sein wird, kann er heute noch nicht sagen. „Wir sind uns allerdings sicher, dass B2B-Messen nach wie vor ein fester Bestandteil des Kommunikationsmix von Unternehmen bleiben werden“, sagt der Messemacher.

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