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Freitag, 15. Dezember 2017

Chemie

„Wie ein Tiger vor dem Sprung“

Von Peter Schwarz | 23. Februar 2017 | Ausgabe 08

IBU-tec, erfolgreicher Spezialist für anorganische Pulver und Granulate in Weimar, arbeitet mit eigenentwickelten, patentierten Pulsationsreaktoren. Vater des Erfolgs ist ein Ingenieur.

Unternehmen BU oben(2)
Foto: Harald Lachmann

Pulsationsreaktor bei IBU-tec: Der Rohrreaktor wird zur thermischen Behandlung gasgetragener Stoffe genutzt.

Acht Jahre oder zumindest über eine Laufleistung von 100 000 km bleibt der Energiegehalt der Batterie konstant hoch – das garantiert ein großer deutscher Automobilbauer den Käufern seines neuesten Elektroautos. Ein entscheidender Speicherwerkstoff für solche Superakkus entsteht bei einem Mittelständler, der sich in diesem Segment der Elektromobilität einen guten Namen gemacht hat: die IBU-tec advanced materials AG in Weimar. Bereits seit fünf Jahren entwickeln die Thüringer im Auftrag eines Kunden Batteriewerkstoffe für Elektroautos und Speichermedien. Als Kathodenmaterial für den Energiespeicher von Elektroautos trägt etwa Lithiumeisenphosphat maßgeblich zu der langen Funktionalität bei.

IBU-tec AG

Zugleich leistet IBU-tec als Entwicklungs- und Produktionsdienstleister auf dem Gebiet der thermischen Behandlung anorganischer Stoffe seinen Beitrag, um Benzinmotoren umweltverträglicher zu machen. So existiere schon lange eine Partnerschaft mit einem weltweit tätigen Großkunden, „den wir mit katalytisch aktivem Material für Verbrennungsmotoren beliefern“, berichtet Vorstandschef Ulrich Weitz. Allein das Jahr 2015 habe ihnen hier durch einen exklusiven Großauftrag für Euro-6-Katalysatoren einen zusätzlichen deutlichen Umsatzschub gebracht.

Foto: Harald Lachmann

Vorstandschef Ulrich Weitz: „Wir agieren auf Augenhöhe mitunseren Kunden.“

Den Namen dieses Kunden hält er – wie auch die der meisten anderen Auftraggeber – geheim. Die Konkurrenz schläft nicht, gerade auf Wachstumsmärkten, zu denen für IBU-tec neben dem Bereich Automotive auch Segmente gehören, die man heute als Green Economy und Life Science bezeichnet. Weitz nennt etwa Funktionskeramiken wie Zirkoniumoxid: Ein Pulver, das unter hohem Druck und hoher Temperatur zu Zahnfüllungen oder künstlichen Hüftgelenken geformt wird. Oder auch alternative Werkstoffe auf Basis kalzinierter Tone, um so den CO2-Ausstoß in der Zementherstellung zu reduzieren.

Damit landet das Unternehmen gewissermaßen bei seinen Wurzeln. Denn hervorgegangen ist es 1993 aus der Entwicklungsabteilung einer Zementanlagenbaufirma, für die der neue Besitzer nach deren Privatisierung keinen Bedarf mehr sah. So machten sich die Ingenieure und Verfahrenstechniker als Institut für Baustoff- und Umwelttechnologie selbstständig. Obwohl sie damit in der im Osten noch wenig vertrauten Marktwirtschaft zunächst in schweres Fahrwasser gerieten, konnten sie sich auf innovative Technologien stützen. Diese sichern bis heute den Erfolg des Unternehmens.

Zum einen handelt es sich dabei um Drehrohröfen, zum anderen um „global einzigartige, eigenentwickelte und patentierte“ Pulsationsreaktoren, so Ulrich Weitz. Mit beiden Technologien ließen sich auf Basis thermischer Beeinflussung wichtige Materialeigenschaften wie Homogenität, Oberfläche, Kristallstruktur und Partikelgröße von Werkstoffen modifizieren und damit optimieren, erläutert der 58-jährige Hauptaktionär. Als er im Jahr 2000 über persönliche Kontakte zu der Tüftlerschmiede stieß, fehlte es hier indes noch an Finanzierungskontakten, Vertriebserfahrung, Marketing, Außendarstellung – „kurz: an Management“, erinnert sich der Maschinenbauingenieur, der zuvor in leitenden Positionen für den Aufzugsbauer Otis sowie den Sondermaschinenbauer Winkler+Dünnebier tätig war.

Schnell erkannte Weitz überdies, woran es den Thüringern trotz ihres Technologiepotenzials ebenso mangelte: an kontinuierlichen Einnahmen. Deshalb begann er sehr zügig, den bisherigen F&E-Dienstleister zu einem Anbieter von Entwicklungs- und Produktionsdienstleistung im weitesten Sinne umzubauen. Er etablierte auf Grundlage der vorhandenen Technik eine Auftragsfertigung, deren Umsatzanteil ständig wuchs.

Für Kunden, die einen Prozess entwickelt haben wollten, ohne die eigenen Produktionsanlagen zu stoppen, stellte IBU-tec auch das benötigte Probematerial her. Seit man jedoch ab 2007 die Produktionsfläche verdreifachte und sich zugleich in eine AG umwandelte, agiere man „auf Augenhöhe mit den Kunden“, so Weitz.

Nahezu 30 Mio. € investierte die Gesellschaft seither in Weimar, um das Geschäftsmodell zu verfeinern. Inzwischen finden sich in den weißen Hallen im lauschigen Ortsteil Ehringsdorf zwölf Drehrohröfen und sieben Pulsationsreaktoren unterschiedlicher Kapazität. 13 eigene Patente sowie drei weitere in der Prüfungsphase festigten zudem den technologischen Vorsprung.

Dass die Strategie aufgeht, verdeutlichen die Zahlen: Im Schnitt stieg der Umsatz seit 2000 Jahr für Jahr um 19,7 %: von knapp 1 Mio. € auf zuletzt 17,6 Mio. €. Selbst im weltweiten Krisenjahr 2008 machte man noch Gewinn. Parallel dazu wuchs die Belegschaft von 20 auf 148 Mitarbeiter – 40 % von ihnen sind Akademiker.

Weitz rechnet bereits in naher Zukunft mit einem weiteren Wachstumsschub. „Wir stehen wie ein Tiger vor dem Sprung“, sagt er. Denn inzwischen sei man vor allem auf Wachstumsmärkten aktiv. Den bisherigen Standort hält der Vorstandschef für „weitgehend ausinvestiert“. Weitz Strategie reicht weit über Weimar hinaus. IBU-tec will etwa in große Chemiestandorte expandieren und möglicherweise auch Firmen übernehmen, die „in unser Portfolio passen, sodass wir unsere Technologien besser platzieren können“.

Zugleich möchte man sich internationaler aufstellen – zum Beispiel im Gefolge einiger weltweit agierender Kunden. Dazu werde man gegebenenfalls auch stärker mit externen Finanzierungspartnern zusammenzuarbeiten – teils bis in den Eigenkapitalbereich hinein, lässt der Unternehmer durchblicken.

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