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Dienstag, 12. Dezember 2017

Messe Bau

Zukunft des Bauens – barrierefrei und digital

Von Fabian Kurmann | 26. Januar 2017 | Ausgabe 04

Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), bestätigte die gute Stimmung in der Baubranche zum Messeauftakt vergangene Woche noch einmal. „Die Baubranche brummt“, fasste sie die Aussagen der Branchenverbände zusammen.

S18 BU
Foto: Messe München

Ein Druck: Die Bundesbauministerin Barbara Hendricks auf dem Stand „Zukunft Bau“ vor dem Modell einer für 3-D-Druck modifizierten Betonpumpe.

Zumindest aus wirtschaftlicher Sicht steht es um die Zukunft des Bauens so gut wie schon lange nicht mehr. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) haben für 2017 die Erwartung des „besten Ergebnisses seit 20 Jahren“ verkündet. Die Zahl der Arbeitsplätze soll in diesem Jahr um 10 000 auf dann etwa 790 000 wachsen.

„Oft wird ja noch mit gesunden Knochen geklagt, aber das tut hier niemand mehr“, sagte Hendricks. Die Bundesbauministerin gab sich optimistisch, dass das anvisierte Ziel von jährlich 350 000 fertiggestellten Wohnungen 2017 erreicht werden kann. Die genauen Zahlen sind noch nicht bekannt, aber voraussichtlich wurden 2016 etwa 300 000 Wohnungen fertiggestellt.

Nicht nur die Zahl der Wohnungen ist für Hendricks entscheidend, sondern auch die Ausstattung: „Die Themen Barrierearmut und Barrierefreiheit werden für die Bauwirtschaft immer wichtiger werden“, sagte sie und stellte auf der Messe den digitalen „Leitfaden Barrierefreies Bauen“ vor. Bis 2030 soll die Zahl barrierefreier Wohnungen von 700 000 im Jahr 2013 auf fast 3 Mio. anwachsen.

Eine weitere Herausforderung ist der begrenzte Raum in Städten, der zur Veränderung von Wohnkonzepten führt. Der Beschlaghersteller Häfele und die Architekturbüros PAB Architekten und Dr. Blassy stellten auf der Messe kompakte Apartmentkonzepte vor. Der Clou ist, dass die meisten Möbel ihre Funktion durch Umklappen ändern oder an Orten verstaut sind, die sonst wenig genutzt werden. So ist unter der Spüle eine Spülmaschine eingebaut, Sofa oder Schreibtisch klappen zum Bett um, die Kommode faltet sich zum Esstisch aus und eine zusätzliche Arbeitsfläche an der Wand wird bei Platzbedarf nach unten verstaut.

Hinzu kommen technische Extras wie eine Lichtsteuerung per Smartphone, ein beheizter Badezimmerspiegel oder dass Spiegel und Möbelflächen zum Schwingen angeregt werden und damit als Lautsprecher dienen. Inklusive des modular gefertigten Bads entsteht auf 3 m x 6,60 m, also rund 20 m2, eine komplette Wohnung.

Ein weiterer Aspekt des zukünftigen Bauens ist die Digitalisierung. Eine komplette Halle war dem Thema Bau-IT gewidmet. Für die meisten Tätigkeiten von Planern und Architekten sind mittlerweile Software-Werkzeuge verfügbar, die oft noch nicht oder nur schlecht zueinander kompatibel sind.

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) stellte dazu eine neue Version der Richtlinie 2552 Blatt 3 vor, die für die Ausschreibung und die Abrechnung den Umgang mit Daten aus sogenannten Bauwerks-Informations-Modellierungs- oder kurz BIM-Modellen erläutert. Diese sind digitale Pläne des Gebäudes, teilweise auch des Bauablaufs. „Wir haben bei Großprojekten erlebt, was baubegleitendes Planen anrichten kann“, sagte Samy Kröger, Leiter des BIM-Lean-Teams der Zechbau Holding und Mitglied des Richtlinienausschusses. Mit BIM werde dagegen allen Beteiligten früh deutlich, was gebaut werden solle, so Kröger. BIM soll seiner Ansicht nach nicht beim Neubau haltmachen, sondern auch beim Bauen im Bestand Anwendung finden. Hier werden zur Digitalisierung der Gebäudegeometrie bereits Laserscans eingesetzt.

Welche neuen Möglichkeiten digitale Gebäudemodelle bieten, zeigte der Softwarehersteller Trimble auf seinem Stand. Mit einer holografischen Brille ausgerüstet, bewegte man sich mittels Fingergesten durch das Gebäude. Ein Fingertipp in die Luft, auf ein virtuelles Gebäudeteil, zeigte detaillierte Informationen, etwa zu Dimensionen und Material, an. Laut Trimble können auch mehrere Nutzer gleichzeitig an einem holografischen Modell arbeiten.

Auf dem Stand des BMUB präsentierte die Forschungsinitiative Zukunft Bau neue Ansätze des Hausbaus. Mit einer schalungsfreien Bauweise wollen etwa Wissenschaftler der Technischen Uni Dresden einen Rohbau im 3-D-Druckverfahren erstellen.

Gebaut worden sei mit dieser Methode zwar erst im virtuellen Raum, aber es gebe bereits erste Wandprototypen mit diesem Verfahren, erklärte Martin Krause, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekts. Am Ende einer Betonpumpe befindet sich eine Art Schlitten, der entlang der Mauergrundrisse gleitet und Schicht für Schicht einen schnell härtenden Beton aufträgt.

Ein Projekt der Uni Kassel beschäftigt sich mit der energetischen Aktivierung von Fassadenflächen. Auf diese Weise trägt der Roboter Plotbot-Crawler als mobiler Drucker stromerzeugende, photovoltaische Beschichtungen auf Betonoberflächen auf. So trägt dann auch die Baubranche ihren Teil zur Energiewende in Deutschland bei.

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