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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Fernsehempfang

Zweite Chance für das terrestrische TV

Von Rainer Bücken | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Nach nur 15 Jahren steht das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T vor dem Aus. Jetzt kommt DVB-T2 HD.

DVB-T-Zuschauer können es nicht übersehen haben – das terrestrische Fernsehen steht vor einem heftigen Wandel. Mit Laufbändern, Schrifttafeln und jeder Menge Fernsehbeiträgen – selbst in den Hauptnachrichten – wird auf den in der Nacht zum 29. März anstehenden Wandel in der ältesten TV-Übertragungstechnik hingewiesen. Der Wechsel von DVB-T hin zu DVB-T2 HD passiert zunächst vor allem in den Ballungsgebieten, so dass rund 70 % der Bevölkerung von der neuen Technik profitieren könnten. Dann wird sich die Zahl der empfangbaren TV-Programme auf rund 40 verdoppeln, wobei jeweils die Hälfte von öffentlich-rechtlichen und privaten Veranstaltern bestritten wird. Der andere große Vorteil ist der Sprung ins hochauflösende Fernsehen HDTV. Bei Satellit, Kabel und IPTV ist diese Technik mittlerweile die Regel, bei DVB-T2 HD soll es jetzt erst dazukommen.

Gründe für den Umstieg von DVB-T auf DVB-T2 HD

Wer darauf vorbereitet sein will, braucht neue Gerätschaften, z. B. ein Fernsehgerät mit DVB-T2-Empfangs- und einer entsprechenden Decodiertechnik, High Efficiency Video Coding (HEVC) oder H.265 genannt. „Normale“ HDTV- oder Uralt-TV-Geräte müssen künftig mit einer DVB-T2-HD-Settop-Box, auch Receiver genannt, verbunden sein. Deutlich komplizierter wird alles durch das Verlangen der privaten Anbieter, ihre HDTV-Programme künftig kostenpflichtig zu machen, für Standardauflösung fehlen Frequenzen.

Deshalb haben sich die Privaten auf der Freenet-TV-Plattform versammelt, ähnlich wie das beim Satellitenempfang mit HD+ passiert. Die entsprechenden Programme werden ab Juli verschlüsselt übertragen. Für die Wiedergabe gibt es zwei Möglichkeiten: Bei DVB-T2-HD-Fernsehgeräten gibt es einen sogenannten Common-Interface-Schacht (CI+) für die Aufnahme eines Moduls mit integrierter Entschlüsselungstechnik. Das gibt es im Fachhandel für einmalig 79 €.

Zusätzlich wird eine sogenannte Freenet-TV-Guthabenkarte für 69 € nötig, und zwar jährlich. Zu Hause ist dann der darauf befindliche Freischaltcode freizurubbeln und zusammen mit der Freenet-TV-ID-Nummer, auch Service-ID-Nummer oder CDSN genannt, an ein Callcenter durchzugeben. Das kann auch per Internet erfolgen. Die Freischaltung soll dann relativ zügig erfolgen. Bei den Receivern oder USB-Empfangssticks ist das Entschlüsselungssystem gleich integriert. Für die Freischaltung ist ebenfalls der Code einer Guthabenkarte sowie die ID-Nummer erforderlich. Erst dann sind die privaten TV-Programme in HD zu sehen.

Um sicher zu sein, dass das alles entsprechend funktioniert, gibt es gleich zwei Logos. Bekannt ist das grüne DVB-T2-HD-Logo, mit dem TV-Geräte und Receiver gekennzeichnet sind, die nicht nur DVB-T2 HD, sondern auch Freenet-TV können. Zudem gibt es ein eigenes Freenet-TV-Logo, mit dem entsprechend ausgestattete CI+-Module oder Receiver gelabelt sind.

Das Thema HbbTV, mit dem der Zugang zum Internet und den Mediatheken über den „Red Button“ der Fernbedienung möglich ist, spiegelt sich in keinem der Logos wider. Ein „Zwangseinbau“ hätte die Geräte wohl verteuert und die Akzeptanz der gesamten Technik möglicherweise beschädigt. Dafür gibt es mit dem Dienst Freenet-TV connect über das Internet noch Zugang zu vielen weiteren Programmen. Interessenten sollten Verpackung und Spezifikationen besonders gut studieren. TV-Geräte ohne Logo funktionieren auch – wenn sich in den technischen Daten neben dem Stichwort DVB-T2 HD auch ein Hinweis auf die Codiertechnik HEVC bzw. H.265 findet.

Foto: Grafik: www.dvb-t2hd.de

Hier gibt es DVB-T2 HD: In den grün markierten Regionen wird das neue digitale terrestrische Fernsehen ab dem Stichtag 29. März zu empfangen sein. Am Start sind dann 44 private und 60 öffentlich-rechtliche Sender. Nur die letzteren gibt es dauerhaft zusatzkostenfrei und in HD-Qualität.

In der Nacht zum 29. März werden 44 Freenet-TV-Sender durch den Dienstleister Media Broadcast eingeschaltet, die Öffentlich-rechtlichen starten mit jeweils 60. Die weitere Entwicklung erfolgt dann in Stufen. Freenet-TV wird den Ausbau nach derzeitigen Planungen im Herbst 2018 mit 61 Senderstandorten abschließen und will damit 80 % der Bevölkerung erreichen – wobei es drei Empfangssituationen gibt, nämlich mit Zimmer-, Außen- oder Dachantenne. Auf gibt es einen Empfangscheck via Postleitzahlen.

Die öffentlich-rechtlichen Sender haben auch in ländlichen Regionen einen gewissen Versorgungsauftrag und wollen bis Frühjahr 2019 jeweils rund 130 Sender am Netz haben. Das ZDF hätte damit 14 weniger als bei DVB-T. Wegen der höheren Effektivität soll dennoch die Abdeckung nahezu vergleichbar sein und insgesamt zu Kosteneinsparungen von 15 % führen. Die Signale der Öffentlich-Rechtlichen sind für stabilen Empfang auch unter schlechten Bedingungen ausgelegt – die Privaten bringen dagegen mehr Programme pro Kanal unter.

Mit der Umstellung kommt nun erstmals – von einer Testphase abgesehen – auf dem „Luftweg“ mit HDTV eine Bildqualität zu stationären, mobilen und portablen Geräten, die sich nicht nur mit der von Kabel, Satellit und IPTV messen kann, sondern sogar ein wenig besser sein dürfte. Der Hintergrund: Alle TV-Programme werden nach dem Zeilensprungverfahren aufgenommen, also zwei Halbbilder mit der halben Zeilenzahl – einmal die geraden, einmal die ungeraden Zeilen. Für die Übertragung gibt es zwei Varianten: mit der vollen Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten und 50 Halb- bzw. 25 Vollbildern pro Sekunde. ARD und ZDF übertragen 50 Vollbilder pro Sekunde, jedoch nur mit 1280 x 720 Bildpunkten. Die HDTV-Flachdisplays rechnen das alles brav auf die größte Auflösung hoch. Für die zweite Terrestrikgeneration haben sich die Programmveranstalter nun etwas Neues einfallen lassen – sie übertragen echtes Full-HD im Format 1920 x 1080 Bildpunkten, zeilensprungfrei mit 50 Vollbildern pro Sekunde. Das bringt aber wohl nur marginale Verbesserungen, denn am Aufnahmemodus mit 50 Halbbildern hat sich nicht geändert. Nur ist die senderseitige Technik, die aus Halb- Vollbilder macht, eine deutlich bessere als die in den Flachdisplays eingebaute.

Die Akzeptanz der neuen Technik scheint noch überschaubar. Laut der Deutschen TV-Plattform, die das grüne Gerätelogo vergibt, sind bis Ende Januar 2017 insgesamt 503 000 DVB-T2-HD-Set-top-Boxen verkauft worden. „Die absoluten Verkaufszahlen zeigen aber auch, dass die meisten DVB-T-Haushalte Ende Januar noch nicht umgestellt haben“, muss Carine Chardon, Geschäftsführerin der Deutschen TV-Plattform zugeben. Und: „DVB-T-Haushalte, die noch umstellen müssen, sollten jetzt aber wirklich aktiv werden. Sonst ist der Bildschirm am 29. März schwarz!“

Für Veit Olischläger, Leiter des bei der Bayerischen Medientechnik angesiedelten Projektbüros DVB-T2 HD Deutschland, ist der Wechsel von DVB-T nach DVB-T2 HD so etwas wie ein frequenztechnisch bedingter Umzug von einer Fünf- in eine Dreizimmerwohnung (s. Kasten). „Da muss man sich auch von den meisten Möbeln trennen und neue anschaffen.“ Dumm nur, dass einige „Möbel“ einen Haken haben: sie lassen sich nur gegen Münzeinwurf öffnen. Ob es aber genügend Neugierige gibt, die das akzeptieren und jährlich 69 € bezahlen, bleibt abzuwarten. Wenn es mit der Marktakzeptanz hapert, könnte RTL wie vor einigen Jahren bei DVB-T auch das Ende von DVB-T2 HD einläuten.jdb

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