03.02.2012

Autokäufer in Deutschland pfeifen auf alternative Antriebe

Automobil: Trotz aller Werbekampagnen und Klimadebatten entschieden sich 2011 nur 0,82 % der Autokäufer in der Bundesrepublik für alternative Antriebe. Gasantriebe waren ebenso Ladenhüter wie Hybride und die spärlich angebotenen rein elektrisch angetriebenen Pkw. Die konservative Kundschaft könnte zum Problem für die Hersteller werden, denn die für 2020 von der EU-Kommission anvisierten Klimaschutzvorgaben sind allein mit herkömmlichen Antrieben nicht zu schaffen.

VDI nachrichten, Bergisch Gladbach, 3. 2. 12, wop

Für die deutsche Automobilindustrie war 2011 das erfolgreichste Autojahr der Geschichte. Rekordumsätze bei diversen Herstellern und Zulieferern, die bisher höchste Produktion in Deutschland mit nahezu 5,9 Mio. Pkw und ein Export von mehr als 4,5 Mio. Autos kennzeichnen den Erfolg. Doch ein Trend dürfte die Stimmung trüben bzw. die Entscheider der Branche nachdenklich stimmen: Von den rund 3,17 Mio. Kunden, die letztes Jahr ihre Neuwagen zuließen, wählten nur 0,82 % einen Pkw mit alternativem Antrieb.

"Diese Zahl ist ernüchternd", erklärt Stefan Bratzel, Professor an Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach und Direktor des Center of Automotive Management (CAM), den VDI nachrichten. Die Marktanalyse zeigt, dass 2011 in Deutschland den 1,65 Mio. verkauften Diesel-Pkw und fast 1,5 Mio. Benzinern nur 4800 Flüssiggas- und 6200 Erdgasfahrzeuge sowie 2150 Elektroautos gegenüberstanden.

Auch das Angebot an Hybridmodellen von Honda, Lexus, Toyota sowie von deutschen und europäischen Herstellern überzeugte nur 12 622 Käufer. "Alternative Antriebe haben trotz aller Werbekampagnen und Klimadebatten sogar Marktanteile eingebüßt", betont Bratzel.

Besonders wundert den Experten die Zurückhaltung bei Gasantrieben, obwohl diese preislich und ökologisch klare Vorteile böten, dank Turboaufladung herkömmlichen Antrieben ebenbürtig seien und auch das Tankstellennetz inzwischen gut ausgebaut sei. Als Gründe vermutet Bratzel mangelnde Bereitschaft, Umwege zur Tankstelle in Kauf zu nehmen und "Reichweitenangst" - die Sorge, bei leerem Tank nicht rechtzeitig eine Gastankstelle zu finden.

Angesichts der Reichweiten um 700 km und in der Regel bivalent ausgelegter Autos, die auch Benzin tanken können, erscheinen die Gründe bei Gasantrieben irrational. Und sie lassen kaum Gutes für Elektrofahrzeuge ahnen, sofern sie in direkter Konkurrenz zu Benzinern und Dieseln angeboten werden. Denn trotz hoher Mehrkosten sehen die Strategien der Hersteller derzeit nur 100 km bis 200 km Reichweite bei Stromern vor.

Selbst wenn das Segment alternativer Antriebe für die Autoindustrie noch irrelevant scheint, hat es höchste strategische Bedeutung. Denn der ab 2020 von der EU-Kommission besprochene CO2-Durchschnittswert von 95 g/km für die Fahrzeuge eines Herstellers liegt in weiter Ferne.

In Deutschland lag 2011 der Mittelwert aller verkauften Neufahrzeuge bei 146 g CO2/km. Bis auf Chevrolet und Fiat sank bei allen Herstellern der Flottenverbrauch weiter: Vorn liegen neben Smart mit 99 g CO2/km die Marken Fiat, Lancia, Lexus und  Toyota auf dem Niveau um 130 g CO2/km. Ford, Opel und VW bewegen sich nun um 140 g CO2/km. Audi, BMW und Daimler bilden das untere Mittelfeld (CO2: 151 g/km; 151 g/km; 164 g/km); Schlusslicht ist Porsche mit einem Flottenverbrauch von 226 g CO2/km.

Auch wenn der Trend laut Bratzel in die richtige Richtung weist, müssen die Hersteller das Tempo forcieren. Denn ihnen bleiben nur acht Jahre und damit kaum zwei Modellgenerationen, um den geforderten Zielwert von 95 g CO2/km zu erreichen.

Fünf Jahre später will die EU-Kommission sogar 70 g CO2/km als Zielwert festschreiben. Dann müsste das "3-l-Auto" Standard sein. Die Zulieferer Bosch und Continental halten das  für machbar, jedoch nur, wenn alle Register gezogen werden: Weniger Hubraum, erhöhte Einspritzdrücke, Aufladung, Leichtbau etc. - bis hin zur Antriebselektrifizierung.

Start-Stopp-Technik allein reicht zum Erreichen der Zielwerte nicht mehr. Laut Bratzel müssen Elektromotoren und Batterien als Energiepuffer den optimierten Verbrennungsmotoren zur Seite springen. In Konsequenz heißt das, dass Hybridautos in wenigen Jahren den Markt dominieren müssen, damit die Fahrzeughersteller Milliardenstrafen an die EU vermeiden.

"Für die Automobilhersteller", so Branchenexperte Bratzel, "wird die zentrale Aufgabe sein, die Kosten der Hybridtechnik schnell auf das Niveau konventioneller Antriebe zu senken."   P. TRECHOW/WOP

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Meinungen: 2
Bernhard Hülsmann-Emden gab folgende Meinung ab

Samstag, 11. Februar 2012

VDI Nachrichten mit Bildzeitungs Schlagzeilen Niveau. "Autokäufer in Deutschland pfeifen auf alternative Antriebe"
Da liest man "die konservative Kundschaft könnte zum Problem für die Hersteller werden"
Konservativ sind für mich nur die Hersteller und die sind auch mein Problem. Schon vor zwei Jahren wollte ich ein Elektroauto kaufen. Also einen richtigen Kleinwagen. Keine Chance als Privatmann, nur für Feldversuche gab es Fahrzeuge. Erst Ende letzten Jahres bot man mir einen i-MiEV mit Lieferung im Q1/2012 an für 35.000 ?. Bin ich jetzt konservativ wenn ich folgendes rechne:
1. Grob überschlagen kostet 100 km mit einem Elektroauto ca. 3,22 ? reine Energiekosten also Strom. (14 kWh/100 km * 0,23 ct/kWh)
2. Ein PKW mit Verbrennungsmotor bei 5 l/100 km 7,50 ? (Annahme 1,5 ?/l)
3. Einsparung bei Jahresfahrstrecke 10000 km -> 428 ?
4. Die Diskussion über Umweltbelastung lasse ich mal weg da eigentlich unerheblich. Im Endeffekt geht es ja nur um die geschickte Festlegung der Nebenbedingungen um ja nach Wunsch zur einen oder anderen Seite auszuschlagen.
5. Dem Staat entgehen erhebliche Steuereinnahmen. Bei meiner Hochrechnung komme ich auf 330 Mio.? Steuerausfall bei 1 Mio. Elektrofahrzeugen nur durch den Steuerunterschied zwischen 1 Liter Benzin und 1 kWh für Strom.
Jetzt werden mich alle falsch verstehen oder?
Als Elektroingenieur fallen mir nur Vorteile ein die für den Elektroantrieb sprechen.
Keine rostenden Auspuffanlagen, Katalysatortechnik, Rußfiltertechnik,
Einspritztechnik, Getriebe, Benzoldämpfe bei tanken....usw. alles überflüssiger Ballast.
Klar gibt?s nur erste zarte Ansätze die Herausforderung Batteriekapazität für mehr Reichweite zu meistern aber es gibt keine Alternative.
Sehr interessant dazu sind die Foren in den USA dort werden viele von Privatpersonen durchgeführte Umbauten herkömmlicher Autos auf Elektroantrieb beschrieben. Ein komplettes Umbaukitt bekommt man für 7500 $. Dazu kommen noch einmal ca. 7000-10000 $ für die Batterie je nach Kapazität. Nach meinen ausführlichen Recherchen ist ein Umbau ohne größere Probleme für jeden herkömmlichen PKW möglich. Würde man die konservativen EU Bestimmungen zur Fahrzeugzulassung verbessern würde sicher ein lukrativer Markt entstehen in dem ältere PKW auf Elektroantrieb umgebaut werden. Macht schon deshalb Sinn da der Wertverlust vernachlässigbar ist.
Noch ein paar Gedankensprünge vielleicht nachvollziehbar für den einen oder anderen.
Meine bitte an die Redaktion ist, verzichtet künftig auf Artikel über die großen Ziele der Automobilindustrie bei Elektromobilität. Die Fördergelder an die Automobilindustrie sind völlig überflüssig. Liebe Bundesregierung gebt diese Gelder lieber kleinen Innovativen Startups nur so können die dafür Sorgen das ein fairer innovativer Wettbewerb entsteht.
Ich pfeife nicht auf alternative Antriebe . Ich würde sofort einen nehmen wenn das Angebot
dann wirtschaftlich ist.
Unsere Automobilindustrie lebt nicht von ihren Innovationen sie lebt vor allem durch ihre Marketingabteilungen. Diese halten uns Kunden auf dem konservativen Pfad.

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Hülsmann-Emden


Reiner Püschel gab folgende Meinung ab

Freitag, 3. Februar 2012

Der Bürger denkt noch konventionell, die Hersteller aber auch. Die neue B-Klasse von Mercedes gibt es zur Zeit weder mit Euro 6 ( Diesel) noch mit Gasantrieb. ( Euro 6 beim Diesel wäre wichtig im Hinblick auf die Stickoxydreduktion ). Und ein Hybrid macht Sinn im Stop und Go Verfahren. Auf der Autobahn dürfte er im Vergleich zu einem modernen Diesel kaum Vorteile sondern fast nur Nachteile haben, mehr Technik und mehr Kosten und kaum weniger CO2.
Ein E-Fahrzeug mit Strom zu betanken, der durch Verbrennen von Öl und Kohle erzeugt wurde, dürfte technischer Unfug sein. Ein solches E-Fahrzeg hätte letztendlich auf die gesamte Kette bezogen von der Stromerzeugung bis zur Fahrzeugachse einen noch höheren CO2 Wert/km aufzuweisen als ein konventionelles. Und wenn man jetzt plötzlich nur das Fahrzeug betrachtet und die Stromerzeugung aber außer Acht läßt, dann ist es Augenwischerei. Dann betrügt man sich selber.
Das E-Fahrzeug macht richtig Sinn mit umwelltfreundlich erzeugtem Strom ( Wind, Solar usw.). Erst wenn dieses Angebot gewährleistet ist beim Betanken eines Fahrzeuges, dann kann Herr Trechow mit seinen Vorwürfen kommen.
Wobei dann hoffentlich auch Batterien vorliegen, die keine 20.000? kosten und auch entsprechend lange halten.
Mir scheint, die Käufer in Deutschland liegen gar nicht so falsch, wenn sie im Augenblick noch eine gewisse Zurückhaltung üben.
Wir haben mit der neuen modernen Technik ein Problem. Seltene Erden zur Herstellung der E-Motore fehlen. In die Entwicklung von Batterien hat man nicht investiert und ist jetzt auf fernöstliche Hersteller angewiesen. Und der richtige Strom ist auch noch nicht da.

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