04.11.2011
Basel III: Für Mittelständler werden Kredite teurer
Finanzierung: Unter dem Schlagwort „Basel III“ hat die internationale Finanzaufsicht schärfere Eigenkapitalregeln und Liquiditätsstandards aufgestellt. Diese treten zwar erst ab 2013 schrittweise in Kraft, aber schon heute zeichnet sich ab, dass Bankkredite für Mittelständler nicht nur knapper, sondern auch teurer werden.
VDI nachrichten, Düsseldorf, 4. 11. 11, ps
Andreas Münster hat eine Mission. Wenn der selbstständige Ratingberater aus Ratingen quer durch die Republik in Vorträgen über die Folgen von Basel III für Unternehmen aufklärt, hören vor allem Mittelständler zu. „Es wird immer wichtiger, den Banken zu zeigen, dass man ein guter Kunde ist und dass das eigene Geschäftsmodell Zukunft hat“, lautet Münsters Credo. „Denn der Brotkorb mit Bankkrediten hängt künftig höher.“ Unternehmen seien daher gut beraten, sich schon jetzt auf die höheren Anforderungen der Banken einzustellen. Denn nach wie vor sind Kredite von der Hausbank für kleine und mittlere Unternehmen die wichtigste Kapitalquelle.
Allerdings müssen die Banken ihrerseits bald deutlich strengere Auflagen erfüllen, um künftige Krisen selbst zu meistern und nicht wie bisher auf Staatshilfen angewiesen zu sein. Dazu gehört, dass Banken ab 2013 ihre Kredite mit mehr Eigenkapital unterlegen müssen. So verlangen es die neuen Regeln der internationalen Finanzwächter.
Daneben gibt es Vorschriften, ein Kapitalpolster und Liquiditätsreserven zu bilden. Beschlossen wurden diese Maßnahmen vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht. Dieser Ausschuss, in dem die Finanzmarktwächter und Notenbanken der großen Wirtschaftsnationen sitzen, ist bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – sozusagen der Zentralbank der Zentralbanken – in Basel angesiedelt. Die Stadt in der Schweiz gibt diesem Regelwerk, wie übrigens auch schon dessen Vorgängern, seinen Namen (siehe Kasten).
„Die Banken haben die Wahl: Entweder erhöhen sie ihr Eigenkapital, oder sie reduzieren risikoreiche Geschäfte wie beispielsweise Kredite an Unternehmen“, erklärt Münster. „Auf jeden Fall haben sie weniger Spielraum für Kreditrisiken, deshalb werden sie schon heute anfangen, ihren Kreditbestand zu optimieren und genauer hinzuschauen, wem sie einen Kredit geben und wem nicht.“
Denn je höher die Ausfallwahrscheinlichkeit für einen Kredit sei, desto mehr Eigenkapital müsse eine Bank für diesen Kredit hinterlegen. Da Eigenkapital jedoch für die Bank teuer sei, habe sie ein geringes Interesse an schlechten Krediten, fügt er hinzu. Die Folge: Unternehmen mit schlechter Bonität müssten sich darauf einstellen, Kredite nur noch zu schlechteren Bedingungen zu erhalten – oder im schlimmste Fall gar nicht mehr.
Zwar steht bislang nur der Rahmen für Basel III, an den Feinheiten wird noch gewerkelt. „Die Weichen für das neue Regelwerk sind noch nicht endgültig gestellt“, bestätigt Ernst Burgbacher, Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und Beauftragter für Mittelstand und Tourismus.
So versuchen derzeit verschiedene Interessengruppen vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) über den Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW), dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bis zum Verband der Familienunternehmer ASU negative Folgen von Basel III für die Kreditversorgung des Mittelstands abzuwenden.
Eine Forderung beispielsweise lautet, dass sich die erforderliche Eigenkapitalunterlegung für Mittelstandskredite nicht erhöht. Dennoch berichten schon heute einzelne Unternehmen, dass sie neue Kredite nur dann bekommen, wenn alles dreifach abgesichert ist, sie eine solide Wirtschaftsplanung und eine detaillierte Einschätzung ihres Finanzbedarfs abgeben.
Auch eine aktuelle Umfrage unter 125 Banken und Sparkassen der FH des Mittelstandes in Bielefeld zusammen mit Allianz Global Investors vom September dieses Jahres hat ergeben, dass die meisten mit Blick auf Basel III bereits heute Handlungsbedarf sehen.
Wer einer Finanzierungslücke vorbeugen will und sich auch künftig zu guten Konditionen Bankkredite sichern will, sollte also die Übergangszeit ebenfalls zum Handeln nutzen. Dazu gehört, die Eigenkapitalquote zu stärken, denn Unternehmen mit soliden Eigenmitteln erhalten günstigere Kredite als Unternehmen, deren Finanzdecke dünn ist.
Wichtig ist weiterhin, die Liquidität zu optimieren. So können beispielsweise durch die Verkürzung von Zahlungszielen oder ein verändertes Mahnwesen Liquiditätsengpässe vermieden werden. PETRA HOFFKNECHT
Basel I bis Basel III: Strengere Vorgaben für Banken
-Basel I: 1988 einigten sich die zehn größten Industrienationen auf eine angemessene Ausstattung der Banken mit Eigenkapital, um deren Insolvenzrisiko zu verringern.
-Basel II: 2004 beschloss der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht eine Eigenkapitalrichtlinie, um die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Finanzsystems weiter zu stärken. Banken sollten nun Kreditgeschäfte entsprechend der Bonität ihrer Kunden durch eigene Mittel absichern.
-Basel III: 2010 wurde das Regelwerk unter dem Eindruck der internationalen Finanzkrise erweitert: Banken sollen in wirtschaftlich guten Zeiten vorsorgen, um in Krisen genügend Liquidität zur Verfügung zu haben. Von 2013 bis 2019 sollen die Vorschriften schrittweise in Kraft treten. phk