28.04.2006

Begehrte Tickets mit RFID-Chips  

Fußball-WM 2006: Technik soll WM-Tickets fälschungssicher machen - Zusätzliche manuelle Kontrolle weit vor den Toren der Stadien

VDI nachrichten, Berlin, 28. 4. 06, rb - Derzeit wird der erste Schwung der WM-Tickets versandt. Neben dem Namen des Ticketbesitzers ist die Begegnung und der Sitzplatz im Stadion aufgedruckt. Fälschungen sollen Barcode, Hologramm und erstmalig RFID-Chips verhindern.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Dies dachten sich viele, die das kostenlose kleine Computerprogramm "Ticketalarm" auf ihren Rechnern installiert hatten. Damit wollten Fans ein oder zwei der über 11 000 Tickets, die auf der Fifa-Internetseite bis Mitte April zum Weiterverkauf angeboten wurden, schneller abgreifen. Ticketalarm fragte alle 90 s, ganze 24 Stunden lang die Fifa-Internetseite auf begehrte Tickets ab, um sofort zuschlagen zu können. Doch die Fifa reagierte prompt auf die ungeheure Last, die auf ihre Server einprallte, und blockte das Programm.

So bleibt Fans, die ab 1. Mai wiederum ihr Glück versuchen können, nur das mehrmalige Anklicken von www.fi-faworldcup.com. Dann ist das offizielle Ticketportal erneut bis zwei Tage vor dem jeweiligen Spiel aktiviert. Rückt das Spiel näher, werden die RFID-Tickets nicht mehr verschickt, sondern es gibt vor Ort an den Stadien die Möglichkeit sie mobil zu drucken.

Für alle anderen, die in den vergangenen Verkaufsphasen Zuschläge erhalten haben, stellt die Fifa seit rund zwei Wochen die grüngelben WM-Tickets per Logistikunternehmen DHL zu. Die darauf stilisierte grüne Welle soll die "La Ola"-Fangesänge mit Begeisterungsgymnastik im Stadion bereits vorwegnehmen. Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des deutschen Organisationskomitees (OK), hält die Tickets für "nicht zu fälschen".

Erstmalig sind bei der WM 2006 alle 2,7 Mio. Tickets, die im freien Verkauf sind, mit Hologramm, Barcode und RFID-Chips (Radio Frequency Identification) ausgestattet. Zudem sind genaue Angaben zum Spiel, zur Nummer des Sitzplatzes im Stadion und der Name des Fußballfans aufgedruckt, der das Ticket gekauft hat.

Nur zusammen mit Reisepass oder Personalausweis bekommen Fans nach eingehender manueller Taschenkontrolle und Sicherheitscheck überhaupt Zutritt zum äußeren Sicherheitsring und kommen so in die Nähe des jeweiligen Stadions. Von dort aus werden die Fans in verschiedene Sektoren geschleust, um über den inneren Sicherheitsring und die Drehkreuze zu ihrem Sitzplatz zu gelangen. Ohne diese manuelle Kontrolle weit vor den Toren der Stadien würde die Prozedur am Drehkreuz selbst viel zu lange dauern, bis alle Menschen im Stadion sind.

Eines sollten Fans grundsätzlich lassen: Ihr Ticket mit dem Reißnagel oder der Stecknadel an die Pinnwand heften. Cord Bartels, Projektleiter WM-Tickets bei Philips und Berater des OKs, empfiehlt zudem: "Nicht lochen und um den Hals hängen." In beiden Fällen könnte die integrierte Antenne in den RFID-Tickets Schaden nehmen.

Elektronikkonzern Philips, zugleich Sponsor der WM, hat den Zuschlag für die RFID-Chips auf den WM-Tickets bekommen. Für die WM werden bewährte RFID-Chips eingesetzt. Vor über einem Jahrzehnt hat Philips dafür den so genannten Mifare Standard maßgeblich geprägt. "Für die WM-Tickets greifen wir auf Chips zurück, die seit zwei bis drei Jahren im Stadionbereich im Einsatz sind." In allen 12 WM-Stadien sind nun rund 60 bis 100 Drehkreuze je Stadion installiert, die die kontaktlosen Chips mit Verschlüsselung lesen können. Solche Chips nutzen die 13,56-MHz-Frequenz. Rein technisch können sie nur auf eine Distanz zum Lesegerät von 10 cm ausgelesen werden. Auf dem Chip sind keine Personendaten gespeichert, versichert Bartels. Vielmehr ist darauf eine Kennnummer, die am Drehkreuz ausgelesen und an das jeweilige Stadionsystem übermittelt wird. Vor jedem Spiel werden die Systeme der 12 WM-Stadien über eine "hochperformante DSL-Leitung mit den hinterlegten Personendaten samt Ausweisnummern der Ticketbesitzer vom Frankfurter Zentralsystem gefüttert", erläutert Gerd Graus, Pressesprecher beim OK. Auch der Abgleich mit in- und ausländischen Hooligan-Datenbanken finde im jeweiligen Stadionsystem statt.

Am Drehkreuz selbst sendet das Lesegerät ein Funksignal zum Transponder mit Chips und Antennen, der daraufhin seinen Zahlencode an das Lesegerät übermittelt. "Von dort geht der Code zu unserem Stadionsystem", sagt Detlef Reichenbacher, technischer Leiter der Olympiastadion Berlin GmbH. Der Abgleich der Kennnummer auf dem Chip mit den Referenzdaten erfolge über eine Leitung mit 10 Mbit/s in nur 200 Nanosekunden, so Graus. Das sind ganze 0,0000002 s.

Sollte diese Verbindung gekappt sein, liegen alle Daten auch im Drehkreuz selbst vor. Dann entscheiden Software und Rechner im Drehkreuz, ob der Ticketbesitzer Zutritt zum Stadion erhält. Detlef Reichenbacher versichert, dass alle Daten nach dem Spiel im Stadionsystem gelöscht werden.

Das bestgehütete Geheimnis der Republik ist, mit welchem Code die Chips versehen werden. Sie kommen aus der Hanseatischen Philips-Chipproduktion. Dort wurden die Chips vorab getestet und die Wafer ausgedünnt, damit sie überhaupt in einem Papierticket Platz finden.

Zwei Testläufe, wie die Tickets mit den Drehkreuzen und den Datenbanken reagieren, fanden bereits im Olympiastadion statt. "Überaus positiv", kommentiert Reichenbacher den Verlauf. Weitere Tests finden bis Mitte Mai im Olympiastadion statt. NIKOLA WOHLLAIB

www.fifaworldcup.com
www.philips.com


RFID-Technik zur WM

  • Die WM-Tickets sind alle mit RFID-Chips ausgestattet. Auf den Chips lassen sich 4 kByte speichern. Sie sind in der UHF-Frequenz von 13,56 kHz auslesbar.
  • Auf dem Chip sollen keine Personendaten gespeichert sein, sondern eine Kennnummer, die am Drehkreuz ausgelesen und dem Stadionsystem übermittelt wird.
  • Vor jedem Spiel werden die Stadion-systeme mit den hinterlegten Personendaten samt Ausweisnummern der Ticketbesitzer vom Frankfurter Zentralsystem gefüttert.
  • Der Abgleich der Kennnummer auf dem Chip mit den Referenzdaten soll über eine 10-Mbit/s-Leitung in nur 200 Nanosekunden erfolgen. niwo/rb

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