16.12.2011
China baut Solar-Binnenmarkt nach deutschem Vorbild
Photovoltaik: Der wachsende chinesische Binnenmarkt für Solarstromanlagen bietet deutschen Firmen neue Absatzchancen. Das Land fördert seit Kurzem die Photovoltaik mit einem nationalen Einspeisetarif. Jeodch herrscht wegen der Überkapazitäten ein enormer Kosten- und Preisdruck. Dies wurde auf dem ersten China-Ableger der Solar-Leitmesse Intersolar letzte Woche in Beijing deutlich.
VDI nachrichten, Beijing, 16. 12. 11, swe
„Wir stehen hier zwar erst am Anfang, doch der wachsende chinesische Binnenmarkt bietet enorme Chancen“, betonte Markus Elsässer, Geschäftsführer der Solar Promotion International, die die Intersolar China veranstaltete. Denn die Regierung in Beijing setzt neben dem Ausbau der Exportaktivitäten für Chinas Solarindustrie auch auf ein Wachstum des inländischen Marktes.
Entsprechend gilt seit Mitte dieses Jahres ein nationaler Einspeisetarif für Solarstrom in Höhe von 1,15 Renminbi/kWh (0,13 €/kWh), ab 1. Januar 2012 sind es 1,0 Renminbi/kWh (0,12 €/kWh).
Ergänzt wird dieser durch die Einspeisevergütungen der Provinzen, führend ist hierbei Jiangsu. Marktforscher wie die britische IMS Research rechnen deshalb mit einem Anwachsen der jährlichen neu installierten Photovoltaikleistung in China von 520 MW im vergangenen Jahr auf rund 1,9 GW in diesem Jahr.
Treibende Kraft hinter der Initiative Pekings sind die enormen Überkapazitäten der chinesischen Solarindustrie und die Abschwächung der internationalen Nachfrage. Mittlerweile wurden laut IMS Research über 50 GW an Produktionskapazitäten für Solarmodule aufgebaut, über 80 % davon in China.
IMS Senior Research Director Photovoltaics Ash Sharma erwartet, dass der weltweite Zubau von Solarstromanlagen in diesem Jahr nochmals um fast 25 % auf 24 GW zunimmt (2010: 19 GW), doch damit ist die Nachfrage nur halb so groß wie die Produktionskapazität.
Entsprechend hart sind der globale Wettbewerb und der Preis- und Kostendruck für alle Photovoltaikkomponenten. Dies spüren vor allem auch deutsche Unternehmen, die mit höherpreisigen Produkten einen Fuß in den chinesischen Markt bringen wollen, wie sich nun auf der Intersolar in Peking zeigte.
„Die erste Frage ist immer, wie teuer ist das Produkt“, sagte Johannes Salzeder, Senior Manager Technical Department bei der chinesischen Niederlassung des bayerischen Montagesystemherstellers Schletter. „Qualität wird bislang oft wenig geschätzt, viele Leute denken nicht langfristig“, so Salzeder, entsprechend niedrig seien die Einspeisetarife angesetzt.
Von ähnlichen Erfahrungen berichtete Gert Lang-Alischer, General Manager der chinesischen Niederlassung des schwäbischen Wechselrichterherstellers Refusol, auf der Intersolar China: „Die Einkaufspreise werden gnadenlos gedrückt“, ob die Anlagen dann nach einigen Jahren noch reibungslos funktionieren würden, werde oft als zweitrangig angesehen. Zudem sei der chinesische Solarmarkt bisher vor allem ein Markt für Großanlagen und funktioniere auch ansonsten in vielen Aspekten anders als in Europa.
Firmen wie Refusol oder Schletter setzen deshalb einerseits auf den schrittweisen Aufbau eines Qualitätsbewusstseins im Reich der Mitte sowie andererseits auf eine Kostensenkung durch eine Fertigung bzw. eine Endmontage vor Ort. „Durch eine lokale Produktion können wir circa 35 % an Kosten einsparen“, so Refusol-Manager Lang-Alischer. Sein Unternehmen nimmt im kommenden Jahr eine Fertigung in Shanghai in Betrieb. Schletter fertigt bereits seit vergangenem Jahr für sein Projektgeschäft in Shanghai.
SMA, Weltmarktführer bei Wechselrichtern und bereits seit 2003 mit einer Niederlassung in China vertreten, möchte nun in dieselbe Richtung gehen. Um „preislich besser konkurrieren zu können“ und auf diese Weise besser auf dem chinesischen Wachstumsmarkt Fuß fassen zu können, so Sales Manager Wang Zhiqiang, wolle man künftig ebenfalls Komponenten vor Ort zukaufen.
Man darf jedenfalls gespannt sein, ob die Strategie der deutschen Unternehmen aufgeht und wie sich der chinesische Solarmarkt weiter entwickelt. Die Intersolar China blieb zwar mit rund 5000 Besuchern, 135 Ausstellern und rund 350 Konferenzteilnehmern etwas hinter den Erwartungen zurück, doch Veranstaltungs-Vertreter Markus Elsässer zeigte sich trotzdem zufrieden. Eine Fortsetzung wird es 2012 demnach geben. HANS-CHRISTOPH NEIDLEIN