20.01.2012

"Der Produktionsingenieur von heute verbindet die Fachbereiche"

Kompetenzen: Stihl, einer der weltweit größten Hersteller von Motorsägen, hat eine hohe Fertigungstiefe. Daher arbeiten viele Ingenieure unterschiedlicher Fachrichtungen in der Produktion. Deren wichtigste Aufgabe ist es, die einzelnen Fachbereiche zu verbinden, sagt Christian Köstler, als Bereichsleiter Technologie und Gebäude auch für Teile der Produktion verantwortlich.

VDI nachrichten, Aalen, 20. 1. 12, has

VDI nachrichten: Herr Köstler, wie viele Ingenieure beschäftigt Stihl insgesamt und wie viele davon arbeiten in der Produktion?

Köstler: In Deutschland haben wir rund 600 Ingenieure, von denen jeder Dritte in der Produktion beschäftigt ist. Dieses Verhältnis zeigt auch, wie wichtig der Produktionsstandort Deutschland für uns ist.

Wie ist der Trend bei den Ingenieuren in der Produktion: werden es mehr oder weniger?

Man könnte vermuten, dass durch zunehmende Automatisierung und Standardisierung weniger gebraucht würden. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Komplexe Produktionsanlagen mit dazugehörender Flexibilität erfordern ein hohes Maß an Qualifikation. Deshalb steigt bei uns die Anzahl der Ingenieure in der Fertigung.

Was sind typische Aufgaben für Ingenieure in der Produktion?

Die Produktion ist ein vielschichtiges Gebiet. Sie beginnt mit der Übergabe der Produktionsdaten und endet mit dem fertigen Produkt. Stihl hat eine hohe Fertigungstiefe, um Kosten und Qualität in den eigenen Händen zu halten. Das wiederum bedingt viele unterschiedliche Fertigungsabläufe. Im einen Fertigungscenter produzieren wir Kurbelwellen und Pleuels, dann gehen sie in die Härterei, in einem anderen Center spritzen wir Kunststoffe, um nur drei Beispiele zu nennen. Letztendlich kommen die Einzelteile in der Montage an, wo die Produkte zusammen gebaut werden.

Nahe liegend wäre nun, dass in der Produktion vor allem Ingenieure arbeiten, die Produktionstechnik studiert haben. Ist dem so?

Nein, in der Produktion werden unterschiedliche Disziplinen gebraucht, von Ingenieuren des Maschinenbaus, der Verfahrens-, Werkstoff und Kunststofftechnik, bis hin zum Klassiker, dem Produktionstechniker. In der Härterei brauchen wir ebenso zwangsläufig Materialspezialisten wie im Kunststoffbereich eben auch. Doch die einzelnen Bereiche sind keine isolierten Silos.

Sondern?

Übergreifend, und der Ingenieur von heute verbindet die Fachbereiche. Der Fachmann des einen Centers diskutiert mit Kollegen vor- und nachgelagerter Produktionsschritte, um Abläufe optimal zu gestalten. So findet man Synergien, hat seine Kosten im Griff und steigert die Qualität.

Diese Spezialisten sind wohl entlang der Wertschöpfungskette der Produkte eingebunden?

Ja und sie arbeiten darüber hinaus auch mit der Entwicklung zusammen. ‚Design for Manufacturing’ will ich an dieser Stelle als Schlagwort einbringen. Um das zu erreichen, muss die Produktion in Vorleistung gehen um gemeinsam mit der Entwicklung ein machbares Produkt zu konstruieren. Produktionsingenieure sind in diesem Fall intern beratend tätig. Sie müssen akademisch unterwegs sein, genau so gut aber mit den Werkern am Band klar kommen.

Wer sorgt letztendlich dafür, dass über alle Fachbereiche hinweg die Maschinen in der Produktion laufen?

Das machen bei uns Fertigungsplaner, die ebenfalls aus den unterschiedlichsten Ingenieurdisziplinen kommen. Sie sorgen nicht nur dafür, dass die Maschinen laufen, sie beschaffen auch neue.

Welche Fähigkeiten sind unerlässlich, um als Ingenieur in der Produktion glücklich zu werden?

Dazu ist eine Kombination aus mehreren Faktoren notwendig. Bei den Soft Skills sind es Umgang mit Kollegen und Mitarbeitern, sowie Flexibilität. Dies muss gepaart sein mit dem technisch-fachlichen Know-how.

Wie schätzen Sie die Karrierechancen für Ingenieure in der Produktion ein?

Ich habe z. B. einen Mitarbeiter, der innerhalb kürzester Zeit über eine Referentenstelle, Centerleiter in einem ausländischen Werk war, dann zurück nach Deutschland kam und zum Abteilungsleiter befördert wurde. Andere Karrieren verlaufen ähnlich. Wenn jemand Leistung bringt, flexibel ist, sich in sein Thema hineinkniet, dann gibt es im Hause Stihl fast schon eine Art Automatismus, dass diese Leute Karriere machen

Warum haben Sie sich für die Produktion entschieden, was reizt Sie an dem Thema?

Weil Produktion sehr befriedigend ist. Es gibt Kenngrößen, an denen der Erfolg gemessen werden kann, man bekommt rasches Feedback durch Lieferfähigkeit der Produkte und man kann Qualität objektiv messen. Ingenieure in der Produktion haben eine hohe Verantwortung und sie können Prozesse erheblich beeinflussen.

Ab April leiten Sie das Stihl-Werk in Virginia Beach, USA. Ist Produktion weltweit identisch?

Egal an welchem Standort, überall wird dieselbe Qualität nach denselben Standards produziert. Das bedeutet: jeder Ingenieur aus der Produktion kann bei uns international arbeiten, wenn er will.

  PETER ILG


Christian Köstler, Bereichsleiter Technologie bei Stihl, 

hat an der TU München Maschinenbau studiert, in den USA ein MBA abgeschlossen und absolviert derzeit ein PHD-Studium in Amerika. Stihl ist der erste Arbeitgeber des 37-Jährigen. Er begann als Projektingenieur in der Produktion in Virginia Beach, USA, und war dort zuletzt technischer Direktor. Mitte 2010 wechselte er als Bereichsleiter Technologie und Gebäude in die Unternehmenszentrale in Waiblingen. Im April geht er als Werksleiter in das amerikanische Werk zurück. PI

Stihl 

-Mitarbeiter: ca. 11 300 weltweit, davon etwa 4000 in Deutschland

-Firmenzentrale: Waiblingen

-Umsatz 2011: voraussichtlich mehr als 2,5 Mrd. €

-Exportanteil: 88 %

-Internationalität: in mehr als 160 Ländern vertreten

-Produkte: Meistverkaufte Motorsägenmarke der Welt. PI

www.stihl.de

Artikelbewertung

lesenswert   nicht lesenswert

Gerne können Sie der VDI nachrichten Redaktion zu diesem Artikel einen Leserbrief schreiben. Ihr Leserbrief wird ggf. in den VDI nachrichten erscheinen, online wird er nicht veröffentlicht.

Leserbrief schreiben

Rangliste

Meinungen zum Thema aus unserem Netzwerk INGENIEUR.DE

"Der Produktionsingenieur von heute verbindet die Fachbereiche"

Mitglieder des Netzwerkes ingenieur.de können hier ihre Meinung zu diesem Artikel veröffentlichen. Werden auch Sie kostenfrei Mitglied im Netzwerk für Ingenieure und diskutieren Sie mit. Sind Sie bereits Mitglied, melden Sie sich einfach an.

Meinung schreiben



Meinungen: 0

Extras von A - Z

Aktuelle Jobs

VALLOUREC & MANNESMANN TUBES V & M DEUTSCHLAND GmbH

Mitarbeit in der Neubauabteilung; Leitung von Projekten

Metallverarbeitung

VALLOUREC & MANNESMANN TUBES V & M DEUTSCHLAND GmbH


Erstellung von Mikrocontroller-Software und Entwicklung digitaler Software

Elektronik / Mess- und Regeltechnik / Halbleiter

wenglor sensoric gmbh


Erstellen, Überarbeiten und Weiterentwickeln von Handbüchern, Bedienungsanleitungen, technischen Katalogen und Datenblättern

Elektrotechnik / Automatisierungstechnik

Pilz GmbH & Co. KG


Continental AG

Entwicklung von Softwaremodulen; Integration von Software-/Subsystemen; Durchführung von Tests

Automobilindustrie / -zulieferer

Continental AG



Zur Stellensuche

Heiko Mell

Heiko Mell

Seit vielen Jahren schätzen VDI nachrichten-Leser seine präzisen Antworten rund um die Themen Berufsplanung und Karriere.
Stellen auch Sie Ihre Fragen an Dr.-Ing. E. h. Heiko Mell, recherchieren Sie in der Datenbank nach passenden Karrierebegriffen oder machen Sie kostenfrei den Heiko Mell Karrieretest.

Heiko Mell

Publikations-Service

Veröffentlichen Sie Ihre ingenieur- oder naturwissenschaftliche Arbeit in der renommierten Reihe Fortschritt-Berichte VDI.

Fortschritt-Berichte VDI
weitere Infos