17.02.2012
Deutschland wird zum Innovationsmotor Europas
Forschung: Innerhalb der EU hat Deutschland sich in die Spitzenposition der innovativsten Länder vorgekämpft. Die EU insgesamt liegt jedoch hinter Wettbewerbern wie Korea oder Japan, aber auch den USA deutlich zurück.
VDI nachrichten, Brüssel, 17. 2. 12, moc
Erstmals seit über zehn Jahren rückt Deutschland unter den innovativsten Staaten Europas in die Spitzengruppe auf. Nach Schweden und Dänemark platzierte sich Deutschland bei den Innovationsleistungen im Jahr 2010 auf Platz drei und überholte erstmals Finnland. So der jüngst erschienene Bericht der EU-Kommission zur Innovationsleistung in der EU.
Die technologischen Vorzeigestaaten in den Spitzenpositionen weisen eine Reihe gemeinsamer Stärken auf. Vor allem die enge Verzahnung ihrer Forschungs- und Innovationssysteme mit der unternehmerischen Industrieforschung trägt in den skandinavischen Staaten und im Industriestandort Deutschland Früchte.
Die vier europäischen Innovationsführer Schweden, Dänemark, Deutschland und Finnland warten zudem mit sehr hohen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE), gemessen als Anteil am Bruttoinlandsprodukt, auf.
Am Ende der Liste finden sich vor allem die von der Finanzkrise gebeutelten Mittelmeerstaaten. Griechenland rangiert neben Bulgarien und Rumänien unter den Schlusslichtern bei den FuE-Ausgaben. Auch Spanien, Portugal und Italien warten mit Defiziten bei der industriellen und öffentlichen Innovationsförderung auf. EU-Forschungskommissarin Maire Geoghegan-Quinn unterstrich gegenüber den VDI nachrichten, dass die Sorgenkinder sich vor allem "rund ums Mittelmeer" finden. Die vernachlässigte Innovationskultur räche sich in diesen Staaten.
Im internationalen Vergleich, so der Bericht, hinkt die EU allerdings weiter hinterher. Gerade bei den Forschungsausgaben der Unternehmen schneidet die EU etwa gegenüber den USA schlechter ab. "Wenn wir zu unseren wichtigsten Handelspartnern aufschließen und die aktuelle Krise überwinden wollen, gilt es, unsere ganze Kraft auf die Innovation zu richten", unterstrich EU-Industriekommissar Antonio Tajani bei der Vorstellung des Berichts in Brüssel.
Eine Plattform, die zur Stärkung der Innovationsleistungen beitragen könnte, ist www.iknowfutures.eu. Im Auftrag der EU-Kommission untersucht der Ökonom Rafael Popper seit Jahren mögliche künftige Entwicklungen und zeigt, welche Forschungsvorhaben sinnvoll sein könnten. Das Modell stellte Popper beim 5. Innovationsgipfel vergangene Woche in München vor.
Experten verschiedener Branchen waren sich in München einig, dass oft die Politik ein Innovationshemmer sei. Fördermittel und Leuchtturmprojekte seien etwa beim Ausbau intelligenter und vernetzter Städte ein guter Anstoß, erklärte Alexander Holst von Accenture. "Wir müssen aber weg von Pilotprojekten hin zu skalierbaren Lösungen - die Technologie ist da, doch häufig fehlt die Umsetzung." Dem pflichtete Voda-
fone-Manager Jan Geldmacher bei: "Innovationen müssen beim Kunden ankommen. Ohne Markterfolg bleiben sie Erfindungen." TAF/sf