13.05.2011

Die Universalmethode Wertanalyse

Wertanalyse: Schlecht abgestimmte Abläufe treiben in Unternehmen die Kosten in die Höhe. Abhilfe verspricht das Value Management. Dr. Marc Pauwels, Vorsitzender des VDI-Fachbeirats Value Management/Wertanalyse der VDI-Gesellschaft Produkt- und Prozessgestaltung (VDI-GPP), stellt das Managementsystem vor.

VDI nachrichten, Düsseldorf, 13. 5. 11, jul

VDI nachrichten: In der kommenden Woche findet zum nunmehr elften Mal der Anwendertag "Wertanalyse Praxis" statt. Welche Themen stehen im Fokus?

Pauwels: Das Thema lautet dieses Jahr "Mit Wertanalyse den Aufschwung sichern". In den aus der Praxis kommenden Vorträgen wird daher insbesondere gezeigt, wie mit Value Management und Wertanalyse wettbewerbsfähige Produkte und Prozesse entstehen.

Gastgeber der Tagung ist die Deutsche Bahn. Warum?

Unsere Tagung findet jedes Jahr in Unternehmen statt, die Wertanalyse erfolgreich anwenden.

So ist es auch in diesem Jahr - schließlich wendet die Deutsche Bahn die Wertanalyse fast in allen Bereichen von der Produktentwicklung bis zur Betriebsführung an.

Inwiefern unterscheidet sich die Wertanalyse vom Value Management?

Das Value Management ist die natürliche Weiterentwicklung der Wertanalyse, die ursprünglich von der Verbesserung eines einzelnen Produktes ausging. Im Lauf der Zeit haben sich aber sowohl die Anwendungsfelder als auch die Ansätze entwickelt.

Value Management behandelt Themen, die auf der Führungsebene zum Ansatz kommen und die ganzheitliche Sicht der Unternehmensführung unterstützen. Wertanalyse ist nach wie vor der schlagkräftige Ansatz auf operativer Ebene.

In welchen Branchen werden Value Management bzw. Wertanalyse eingesetzt?

Das ist das Schöne an dieser Methodik: Die Anwendung ist universell, das heißt sie kann in jeder Branche angewendet werden. Ein Schwerpunkt ist der klassische Maschinenbau.

Und wo sehen Sie Potenzial für den zukünftigen Einsatz in Branchen?

Viele Branchen eignen sich für den Einsatz, darunter die Medizintechnik, der Automobilbereich und die Elektronik. Dazu kommen die öffentlichen Bereiche und der Baubereich. Aus diesem wird auch bei der Tagung berichtet.

Ein Thema der Tagung ist, wie Unternehmen Value Management erfolgreich in ihr Managementsystem integrieren können. Die Frage gebe ich an Sie weiter.

In vielen Unternehmen gibt es die unterschiedlichsten Methoden, die nicht immer aufeinander abgestimmt sind. Auch wechseln die Intensitäten der Anwendung häufig analog zu Änderungen in der Führungsmannschaft. Das führt zu Unruhe und Ineffizienz.

Value Management ist ein ganzheitliches, offenes Managementsystem und kann daher sehr flexibel auf den jeweiligen Bedarf der Unternehmen angepasst werden. Zudem ist es durchgängig von der Strategieableitung bis hin zu der Anwendung auf operativer Ebene. Dies gilt sowohl für nationale als auch für internationale Managementaufgaben.

Noch immer ist es schwierig, innerhalb der Unternehmen Verständnis für Value Management zu schaffen. Wie kann hier gegengesteuert werden?

Aufmerksamkeit kann durch Erfolge generiert werden. Und die Erfolge stellen sich ein, wenn man Value Management anwendet - das ist garantiert. Aber so einfach ist es natürlich nicht. Wir müssen die erfolgreichen Anwendungen noch besser publik machen.

Dazu gehören zum Beispiel diese Tagung, aber auch Veröffentlichungen über Projekte, die lokale Arbeit in den VDI-Arbeitskreisen und nicht zu vergessen die VDI-Richtlinien der Reihe 2800.

Ein weiteres Thema der Tagung ist Wertanalyse im Lehrplan von Universitäten. Welche Projekte gibt es bisher und was muss Ihrer Meinung nach getan werden, um Wertanalyse und Value Management auf den Lehrplan der Hochschulen zu bringen?

Das ist wie bei jedem anderen Thema auch: Je früher man die Leute aufmerksam macht - und noch besser: begeistert - desto besser. Das war übrigens bei mir selbst der Fall: Ich habe die Wertanalyse vor zirka zwanzig Jahren während meines Maschinenbaustudiums in Siegen kennengelernt und sie hat mich nie wieder losgelassen.

Heute gibt es schon einige Hochschulen, an denen die Wertanalyse im Lehrplan verankert ist und wo die Methode praxisnah angewendet wird. Dies spiegelt sich auch in Bachelor- und Masterarbeiten oder sogar in kleinen Industrieprojekten wider. Aber wie immer könnte man die Verbreitung in der Lehre noch intensivieren. Damit beschäftigt sich auch eine Arbeitsgruppe im Fachbereich Value Management/Wertanalyse innerhalb des VDI.

In Kürze erscheint das Werk "Wertanalyse - das Tool im Value Management" in der neu bearbeiteten sechsten Auflage. Wie unterscheidet sich das Buch von seinen Vorgängern?

Es ist nach wie vor ein Werk vieler Autoren (alles Spezialisten für Value Management bzw. Wertanalyse).

Das aktuelle Buch zeigt die neuesten Entwicklungen, insbesondere die zum Value Management und auch die zum europaweiten Trainings- und Zertifizierungssystem. Es präsentiert daneben neue, aktuelle Anwendungsbeispiele.

  JULIA SCHLINGMANN

www.wertanalyse-praxistage.de

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