21.10.2011

EU-Kommission plant massiven Ausbau von Verkehrs-, Energie- und Datennetzen

Energienetze: Die EU fördert ab 2014 Infrastrukturprojekte aus den Bereichen der Energie-, Verkehrs- und Breitbandnetze mit 51 Mrd. €. Große Gas- und Stromleitungen sollen nach Willen von EU-Energiekommissar Günther Oettinger künftig binnen drei Jahren genehmigt werden. Das sei „allemal ausreichend“.

VDI nachrichten, Brüssel, 21. 10. 11, swe

Gaspipelines, Stromüberlandleitungen und Windpark-Offshore-Anlagen von gemeinsamem europäischen Interesse sollen schneller als bisher Wirklichkeit werden. Zogen sich Verfahren von der Planfeststellung, über die Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) bis hin zur Baugenehmigung eines Projektes bisher oft über Jahrzehnte hin, sollen EU-Großprojekte künftig innerhalb von drei Jahren abgewickelt werden. Möglich werden soll dies durch eine EU-weite Verfahrensbeschleunigung grenzüberschreitender Projekte.

„Viel früher als bisher sollen betroffene Anlieger, Investoren, Netzbetreiber und kommunale Behörden durch größtmögliche Transparenz und Öffentlichkeitsbeteiligung schon in der Planungsphase einbezogen werden“, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Mittwochmittag vor der Presse in Brüssel bei der Vorstellung des „Connecting Europe“ genannten Finanzierungsprogramms.

So beschloss die EU-Kommission ein Paket von insgesamt 51 Mrd. € für den Finanzzeitraum 2014 bis 2020. Der bisherige Infrastruktur-Flickenteppich im Verkehrsbereich (Straße, Schiene, Schifffahrt, Flughäfen) erhält 31,7 Mrd. €. Für die stärkere Durchdringung ultraschneller Breitbandnetze sollen 9,1 Mrd. € bereitgestellt werden. Und für die Co-Finanzierung von Offshore-Windparks, Kohlendioxidspeichern oder großräumigen Starkstromverbindungen beziehungsweise Gaspipelines stehen weitere 9,1 Mrd. € im gleichen Zeitraum zur Verfügung

In den kommenden zehn Jahren, so rechnet die EU-Kommission vor, werden rund 200 Mrd. € allein für den Bau von Gasfernleitungen und Stromnetzen benötigt. „Der Großteil dieser Investitionen und Renditen müssen durch privatwirtschaftliches Kapital bewerkstelligt werden“, betont Oettinger.

Bis 2013 werde die EU-Kommission eine europäische Liste mit Projekten von gemeinschaftlichem Interesse verabschieden. Nur bei Projekten, die sich privatwirtschaftlich nicht rechneten, aber von vitalem europäischen Interesse seien, werde sich die EU durch Co-Finanzierung von bis zu 20 % an den Projektkosten beteiligen. Als Beispiel nannte Oettinger die Erschließung europäischer Randstaaten wie die der Baltischen Staaten, beziehungsweise von Malta oder Zypern. Ab 2014 stehen aus dem europäischen Topf für Energieinfrastrukturprojekte demnach jährlich 1,3 Mrd. € bis 2020 zur Verfügung.

Ab 2014 soll ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren in allen EU-Mitgliedstaaten greifen. Jeder EU-Staat soll binnen sechs Monaten eine Behörde benennen, die sich im nationalen Rahmen der Projekte von europäischem Vorrang annimmt und das gesamte Genehmigungsverfahren abwickeln soll. Diese sollen dann, so Oettinger, „auf die Überholspur“ gesetzt werden.

Binnen zwei Monaten sollen die nationalen Behörden einen Ablaufplan für die Genehmigung derartiger EU-Vorhaben vorlegen. Das gesamte Verfahren – inklusive Bürgerbeteiligung, Anhörung der Träger öffentlicher Belange und UVP – soll höchstens drei Jahre dauern. Die EU-Kommission definierte auch schon sieben große regionale Infrastrukturregionen, in denen grenzüberschreitend Projekte realisiert werden sollen. THOMAS A. FRIEDRICH


EEG-Umlage für 2012 leicht erhöht  

Die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, EnBW Transportnetze und Tennet prognostizieren zum 15. 10. die Ökostromerzeugung im Folgejahr und errechnen daraus die EEG-Umlage*.

-EEG-Umlage 2012: steigt um 0,062 Cent/kWh (1,8 %) auf 3,592 Cent/kWh. Stromrechnung eines Vier-Personen-Haushaltes (4500 kWh Jahresstromverbrauch) steigt dann um 3,32 €/Jahr.

-Hauptursache für die moderate Steigerung ist der geringere Zubau von Solarstromanlagen. swe

*in Abstimmung mit der Bundesnetzagentur

www.eeg-kwk.net

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