09.12.2011

EU will Forschungs- und Innovationsförderung bündeln

Forschung: Die EU-Kommission plant ab 2014 eine massive Aufstockung der europäischen Forschungsförderung und eine Vereinfachung der Antragstellung. Noch aber müssen EU-Parlament und Ministerrat diesen Vorschlägen zustimmen.

VDI nachrichten, Brüssel, 9. 12. 11, moc

Die EU investiert ab 2014 mehr in Forschung und Wissenschaft als je zuvor. Das neue EU- Forschungsrahmenprogramm 2014 bis 2020 - genannt "Horizont 2020" - soll auf Vorschlag der EU-Kommission im kommenden Siebenjahreszeitraum 80 Mrd. € umfassen.

Dies bedeutet eine Steigerung der Mittel um rund 25 Mrd. € gegenüber dem laufenden 7. EU-Forschungsrahmenprogramm mit gegenwärtig 55 Mrd. €.

Anstatt unzählige Einzelprogramme zu fördern, will die EU-Kommission in Zukunft drei strategische Schwerpunkte setzen: Exzellenzforschung, industrielle Technologieführerschaft und große gesellschaftliche Herausforderungen. Damit soll die Forschungs- und Innovationsförderung stärker gebündelt werden.

"Mit einer stärkeren strategischen Ausrichtung wollen wir direkte Anreize für die Wirtschaft geben, um unsere wissenschaftliche und technologische Basis sowie die industrielle Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft zu sichern", so EU-Forschungskommissarin Maire Geoghegan-Quinn in Brüssel bei der Vorstellung von "Horizont 2020".

Unterstützt werden soll Exzellenzforschung mit 24,6 Mrd. €, um die weltweit führende Stellung der EU in einzelnen Wissenschaftsbereichen zu stärken. So sollen für den Europäischen Forschungsrat (ERC) die Fördermittel um 77 % aufgestockt werden.

Mit insgesamt 17,9 Mrd. € soll die industrielle Technologieführerschaft gestützt werden. Hier sollen vor allem Projekte der industriellen Fertigung, die Materialforschung sowie die Nano- und die Biotechnologie gepusht werden. Dies beinhaltet Investitionen in Höhe von 13,7 Mrd. € in Schlüsseltechnologien der Zukunft.

An diesem Förderbetrag sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit 40 % profitieren. "Uns geht es vor allem darum, den KMU einen leichteren Zugang zu Kapital und europäischer Unterstützung zu ermöglichen", ermuntert EU-Industriekommissar Antonio Tajani die Unternehmen, nicht vor den nach wie vor aufwendigen Antragsverfahren für EU-Fördergelder schon im Vorfeld zu kapitulieren.

Die EU-Kommission plant derzeit, eine drastische Vereinfachung des Antragsverfahrens und eine Verkürzung des Bewilligungsverfahrens innerhalb von 100 Tagen zu erreichen. Im laufenden Antragsprozedere dauert ein Bewilligungs- oder Ablehnungsverfahren im Schnitt über 200 Tage. "Damit muss Schluss sein", gibt sich Geoghegan-Quinn energisch.

Gute Kunde für alle Antragsteller: Mithilfe eines vereinfachten Programmaufbaus, einheitlicher Regeln und geringerem Verwaltungsaufwand soll der Zugang zu EU- Fördermitteln von "Horizont 2020" erleichtert werden. Das bedeutet: eine deutlich vereinfachte Erstattung durch Einführung eines einheitlichen Pauschalsatzes für die indirekten Kosten und Beschränkung auf nur zwei Fördersätze - für Forschungs- bzw. für marktnahe Tätigkeiten; eine einzige Anlaufstelle für Teilnehmer; weniger Aufwand bei der Ausarbeitung der Vorschläge. "Keine unnötigen Kontrollen und Audits mehr", verspricht Geoghegan-Quinn.

Darüber hinaus will die EU-Kommission das Projekt eines Europäischen Technologieinstituts (EIT) mit Sitz in Budapest endlich mit Leben erfüllen. So soll das EIT-Budget deutlich aufgestockt werden: Der Budgetvorschlag lautet 2,8 Mrd. € für den Zeitraum von 2014-2020 - gegenüber 309 Mio. € seit Gründung des EIT im Jahre 2008.

Das EIT stützt sich auf grenzüberschreitende öffentlich-private Partnerschaften, bekannt als Wissens- und Innovationsgemeinschaften (KIC), die das Konzept der Pionierforschung verfolgen. Soeben begonnen hat das EIT damit, sich mit den Themen nachhaltiger Energie (KIC InnoEnergy), dem Klimawandel (Climate KIC) und der Informations- und Kommunikationsgesellschaft (EIT ICT Labs) zu befassen,

Der dritte Hauptförderbereich soll den "großen gesellschaftlichen Fragen" mit 31,7 Mrd. € gewidmet werden. Das sind vor allem die Gesundheitsforschung, der demografische Wandel, Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit, marine und maritime Forschung.

Ferner sollen Schwerpunkte auf ökologische Landwirtschaft, saubere und effiziente Energieversorgung, umweltfreundliche und integrierte Verkehrssysteme sowie den Klimaschutz, Ressourceneffizienz und die Rohstoffsicherung gelegt werden.

Das EU-Parlament muss diesen Vorschlägen der Kommission im Jahr 2012 noch zustimmen. Der Ministerrat wird sich bereits in der kommenden Woche mit dem Kommissionsvorschlag beschäftigen.

  THOMAS A. FRIEDRICH

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