18.11.2011

Energieersparnis finanziert Neuinvestitionen

Automation: Effizienzsteigerung war schon immer ein Thema für die Automatisierungstechnik. Nun rückt die Energieeffizienz in den Vordergrund, die im Idealfall Neuinvestitionen schnell bezahlt macht. Auf der Messe SPS/IPC/Drives vom 22. bis 24. November in Nürnberg werden daher verstärkt Produkte und Lösungen im Fokus stehen, die Unternehmen helfen, den Energieverbrauch über den Betriebszeitraum zu erfassen, zu analysieren und zu reduzieren.

VDI nachrichten, Düsseldorf, 18. 11. 11. ciu

Das Thema Energieeffizienz in industriellen Prozessen nimmt inzwischen Fahrt auf. Sowohl bei Neuinvestitionen als auch bei der Instandhaltung bestehender Anlagen werden nun verstärkt auch Lebenszykluskosten betrachtet. „Der ganzheitliche Ansatz wird vom Markt immer besser akzeptiert, denn am Ende steht unter dem Strich eine Einsparung, die wir den Kunden belegen können“, hatte Siegfried Russwurm, CEO des Sektors Industry bei Siemens, den VDI nachrichten kürzlich anlässlich des Maschinenbaugipfels bestätigt.

Gleichzeitig treibt die Industrie Konzepte voran, mit denen sich eine Verbrauchsreduzierung durch den Einsatz effizienter Produkte und Prozesse konkretisieren lässt. Ein Beispiel ist der Lebenszykluskosten-Rechner (LCE), den der Industrieverband ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, Frankfurt, seit Anfang dieses Jahres Unternehmen und Kommunen zur Verfügung stellt.

Wesentlich für die Umsetzung in der Praxis ist allerdings die Verankerung von Maßnahmen zur Effizienzsteigerung im Management. Das belegt auch eine aktuelle Studie im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Initiative „Effizienzfabrik“. So heißt es u. a. in der vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), Karlsruhe, durchgeführten Kurzstudie mit dem Titel „Betriebliches Energiemanagement in der industriellen Produktion“, dass das Thema künftig weiter an Bedeutung gewinnen werde und „sich einhergehend mit dem Fortschreiten technischer und organisatorischer Lösungen als interdisziplinärer Ansatz weiterentwickelt“. Dafür dürfte auch die politische Forderung sorgen, dass Industrieunternehmen nach 2012 nur noch Vergünstigungen bei der Ökosteuer erhalten, wenn sie ein Energiemanagementsystem nach EN 16001 einsetzen.

Die Studie stellt fest, dass die Energieproduktivität in der deutschen Industrie in den vergangenen Jahren prozentual langsamer gesteigert werden konnte, als die Kosten für Strom und Gas in dem Zeitraum anstiegen. Für die Industrie gelte dabei ein Einsparpotenzial von 15 % als realisierbar. Allerdings würden die Potenziale in der Praxis nur zögerlich umgesetzt. Folgende Gründe wurden dazu u. a. identifiziert: Energieverbrauch und -kosten sind intransparent, das Thema Energie wird als unattraktiv angesehen, es gibt keinen Energieverantwortlichen und Kosten werden aus unterschiedlichen Budgets finanziert.

Laut den Fraunhofer-Forschern hat sich allerdings das Verständnis des Begriffs „Energiemanagement“ bereits verändert: „In der Vergangenheit wurde der Schwerpunkt des Energiemanagements auf seine ingenieurwissenschaftlichen Dimensionen gelegt damit konnten insbesondere in der energieintensiven Industrie deutliche Erfolge erzielt werden. Durch die steigende Komplexität und Dynamik des Energiemarktes gewinnt allerdings die strategische Dimension des Energiemanagements an Bedeutung.“

Zur Umsetzung heißt es: „Insgesamt gilt bei der Ausgestaltung des betrieblichen Energiemanagements, dass die jeweils gewählte Form, Zielsetzung und Ausgestaltung des Energiemanagements an die spezifischen Erfordernisse des Unternehmens angepasst sein müssen. Dabei müssen sowohl technische wie auch organisatorische Aspekte Berücksichtigung finden.“ Dabei kommen die Studienautoren zu dem selbstkritischen Ergebnis, „dass das Thema aus wissenschaftlicher Sicht weiter vertieft werden muss und eine Erweiterung des Themenfeldes notwendig erscheint.“

In Nürnberg wird auf der Messe SPS/IPC/Drives vor allem die Technik im Vordergrund stehen. Und da sehen sich die Aussteller mit ihren Lösungen vom energieeffizienten Elektromotor bis hin zur bedarfsgerechten Anlagensteuerung sehr gut vorbereitet. Bei den Elektroantrieben bieten Unternehmen wie SEW Eurodrive aus Bruchsal und ABB Automation Products, Ladenburg, seit diesem Jahr bereits Antriebe mit der Effizienzklasse IE4 (Super Premium Efficiency). Seit 16. Juni 2011 ist gemäß der Ökodesign-Richtlinie 2005/32/EG europaweit für die Leistungsklasse 0,75 kW bis 375 kW zunächst mindestens IE2 Pflicht. Spätestens ab dem 1. Januar 2017 gilt dann für Motoren in diesem Leistungsbereich die Effizienzklasse IE3 oder IE2 in Verbindung mit einem Frequenzumrichter. Das Vorpreschen der Hersteller zeigt, dass hier technisch längst mehr möglich ist, als der Gesetzgeber vorgibt.

Andere Aussteller beschäftigen sich mit der Netzwerkinfrastruktur, die nötig ist, Energie- und Ressourcenbedarf zu ermitteln und zu steuern. So will u. a. Phoenix Contact, Blomberg, Lösungen zeigen, die darauf abzielen, den Energiebedarf in kleinen Schritten, kostengünstig und effizient zu erfassen, zu analysieren und die Produktivität zu erhöhen.

Clemens Faller vom Messeaussteller Schneider Electric, Ratingen, verdeutlichte im Vorfeld der Messe zudem, dass sich auch die Auswahl der Automatisierungsarchitektur auf den Energieverbrauch des gesamten Steuerungssystems auswirkt. „Abhängig von der Größe der Anwendung sowie Sicherheits-und Leistungskriterien beeinflusst die Wahl zwischen einer zentralen und einer dezentralen Architektur die Energiebilanz“, sagte er. Sein Unternehmen wird in Nürnberg Lösungen vom sparsamen Schütz über Messgeräte bis hin zu effizienten Antrieben und Steuerungen anbieten.

Siemens-CEO Russwurm brachte die Bemühungen auf den Punkt: Für ihn schaffen energieeffizienzsteigernde Investitionen dann einen offensichtlichen Nutzen, wenn sie „sich aus der Energieeinsparung finanzieren“. M. CIUPEK


Das bremst die Verbesserung der Energieeffizienz aus 

Strategien zur Steigerung der Energieeffizienz werden laut einer Studie des Fraunhofer ISI, Karlsruhe, nur zögerlich umgesetzt, weil

-Energieverbrauch und -Kosten intransparent sind;

- das Thema Energie als unattraktiv angesehen wird;

- es keinen Energieverantwortlichen gibt;

-Kosten aus unterschiedlichen Budgets finanziert werden. CIU

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