20.07.2012

"Erspartes stets bei verschiedenen Banken anlegen"

Geldanlage: Im Juni senkte die Europäische Zentralbank den Leitzins auf 0,75 %. Geld zu horten lohnt immer weniger. Neben dem Wunsch nach Sicherheit sollten Sparer die Rendite nicht vergessen, meint Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

VDI nachrichten, Frankfurt, 20. 7. 12, sta

VDI nachrichten: Herr Herbst, der Leitzins ist mit 0,75 % so tief wie nie. Werden Hypothekenkredite jetzt noch günstiger?

Herbst: Die Hypothekenzinsen basieren auf den Zinssätzen meist langfristiger Pfandbriefe und indirekt auch der Bundesanleihen. Wenn die Kapitalanleger wegen der Sicherheit von deutschen Bundesanleihen mit langfristigen Minizinsen zufrieden sind, dann sind sie dies auch mit den nur geringfügig höheren Pfandbriefzinsen. Die EZB-Leitzinssenkung hat keinen Einfluss auf die Hypothekenzinsen, diese werden allein vom Anlegervertrauen bestimmt. Ich gehe im Laufe der nächsten Wochen sogar von leicht steigenden Hypothekenzinsen aus – etwa 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte.

Und was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Wenn die EZB den Leitzins senkt, verbilligt sich auch der Euribor, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Und wenn sich die Banken billiger Geld besorgen können, sind sie in der Lage, auch dem Privatanleger weniger Zinsen anzubieten, damit er bei ihnen Geld anlegt. Folglich werden die Tages- und Festgeldzinsen im Laufe der nächsten Wochen leicht nachgeben. Im Durchschnitt schätzungsweise um etwa 0,1 bis 0,15 Prozentpunkte.

Sind auch Lebensversicherungen betroffen?

Die erneute Zinssenkung dürfte keinen direkten Einfluss auf die Lebensversicherungen haben. Es ist aber so, dass durch die bereits seit einigen Jahren bestehende Niedrigzinsphase, die Lebens- und Rentenversicherungen die versprochenen Renditen nicht mehr erzielen werden – die garantierten Leistungen hingegen schon noch.

Wie lange dauert es, bis Banken ihre Einlagenzinsen senken?

Die Banken beobachten sich zunächst gegenseitig und reagieren daher meist mit ein paar Wochen Verzögerungen. Wer zu schnell senkt, könnte seine Kunden dazu animieren, bessere Zinsangebote der Konkurrenz zu wählen. Folglich geschieht dies sehr vorsichtig und meist in ganz kleinen Schritten. Noch suchen die Anleger eher die Sicherheit als die Rendite. Dennoch werden sich Banken mit 0,5 % oder 0,25 % Tagesgeldzinsen gründlich überlegen, ob sie noch weiter senken sollen. Zum Glück für den Anleger gibt es immer noch genügend sichere Angebote von Banken mit deutscher Einlagensicherung, die Zinssätze über der Inflationsrate bieten. Und dies sollte das erste Ziel sein.

Was empfehlen Sie Sparern?

Gerade in Zeit sinkender Zinsen ist es wichtig, dass noch attraktive Tagesgeldangebote von über 2 % für sechs, noch besser für 12 Monate garantiert sind. Ansonsten könnte es sein, dass kurz nach einem Bankwechsel auch diese ausgewählte Bank die Zinsen nach unten anpasst. Wer sein Erspartes die nächste Zeit nicht benötigt, kann auch Festgeldangebot von drei oder vier Jahre auswählen und hoffen, dass dann das Zinstief überstanden ist. Aber ganz wichtig ist, sein Erspartes, auch wenn es keine großen Summen sind, stets bei verschiedenen Banken anzulegen. Der Grund ist klar: Banken sind heutzutage kein Hort der Stabilität mehr.   

  STEFAN TERLIESNER

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