23.12.2011

Gewinner der Energiewende will kräftig investieren

Energie: Die beschlossene Energiewende bereitet Deutschlands großen Energieversorgern manche Kopfschmerzen. RWE und E.on haben einen straffen Konsolidierungskurs eingeleitet. Ganz anders die nacheigenen Angaben Nummer fünf der deutschen Energieversorger, die MVV Energie aus Mannheim. Vorstandschef Georg Müller sieht sein Haus „auf der richtigen Seite der Energiewende“.

VDI nachrichten, Mannheim, 23. 12. 11, swe

Die Kraftwerkstochter des Energiekonzerns RWE will in den kommenden fünf

Jahren in Deutschland 1000 ihrer knapp 17 000 Stellen streichen. „Das wird sozialverträglich passieren“, sagte ein Sprecher von RWE Power am Freitag letzter Woche. Gründe seien die Stilllegung des KKW Biblis und die Inbetriebnahme neuer Kohlekraftwerke. Diese benötigten weniger Personal als die alten Blöcke, die vom Netz genommen werden. RWE will in den nächsten Jahren bis zu 8000 der 72 000 Konzernstellen streichen. Die Essener wollen vor allem Geschäftsbereiche verkaufen.

Beim Düsseldorfer Konkurrenten E.on sorgen die Pläne von Vorstandschef Johannes Teyssen für Unruhe. Er will bis zu 11 000 der knapp 80 000 Jobs streichen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt er – im Gegensatz zu RWE-Pendant Jürgen Großmann – nicht aus.

Beide Konzerne verkündeten vor gut vier Wochen deutliche Gewinneinbrüche für das dritte Quartal. Bei E.on sank der bereinigte Konzerngewinn in den ersten drei Quartalen 2011 um 64 % auf 1,6 Mrd. € im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bei RWE sank das nachhaltige Nettoergebnis im gleichen Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr um 44 % auf 1,8 Mrd. €.

Ganz anders der Mannheimer Energieversorger MVV Energie, nach eigenen Angaben die Nummer fünf der deutschen Energieversorger. Er sieht die Energiewende als Chance. „Die MVV Energie steht auf der richtigen Seite der Energiewende“, erklärte Vorstandschef Georg Müller bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag letzter Woche in Frankfurt/Main.

Allerdings könne es, was das Großprojekt der Energiewende angehe, „so nicht mehr weitergehen“. Müller beklagt unkoordiniertes Vorgehen der politisch Verantwortlichen und der Marktteilnehmer. „Wir brauchen eine ‚Plattform Systemtransformation‘, an der alle Stakeholder teilnehmen“, fordert er. Keiner dürfe die Hände in den Schoß legen und die anderen mal machen lassen.

Das abgelaufene Geschäftsjahr (Ende: 30. 9. 11) verlief für die MVV zufriedenstellend. Der Außenumsatz (ohne Strom- und Erdgassteuer) kletterte um 7 % gegenüber dem Vorjahr auf 3,59 Mrd. €. Das bereinigte Nettoergebnis legte um 13 % auf 125 Mio. € zu.

Müller setzt auf erneuerbare Energien und will kräftig investieren. Von 2010 bis 2020 nimmt MVV 3 Mrd. € in die Hand. Die eine Hälfte davon fließt in erneuerbare Energien und Energieeffizienz, die andere in Pflege und Wartung bestehender Anlagen und Netze.

Allein in den Geschäftsjahren 2011/12 und 2012/13 sind rund 700 Mio. € eingeplant. Rund zwei Drittel davon sollen in Wachstumsinvestitionen fließen. Die wichtigste: die Abfallverwertungsanlage im südenglischen Plymouth. 250 Mio. € steckt MVV bis 2014 in das Heizkraftwerk. Dann sollen 245 000 t Abfall jährlich Strom und Wärme für die örtliche Marinebasis liefern.

Eine weitere Großinvestition ist der Windpark Kirchberg im Hunsrück, mit 84 Mio. €. der „größte Windstandort im Südwesten Deutschlands“, so Müller. „Wir wollen die wirtschaftlichen Chancen der Energiewende für weiteres profitables Wachstum nutzen“, sagte er. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 investierte der Konzern 247 Mio. €.

Bei der Fernwärme sieht Müller Zukunftschancen. Zusammen mit der Petroplus Raffinerie und der Audi AG investierten die Stadtwerke Ingolstadt – eine MVV-Minderheitsbeteilugung (49 %) – bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr 23 Mio. € in eine 5,3 km lange Fernwärmeleitung. Bis 2013 wird die Wärmeabgabe langsam auf 300 GWh hochgefahren werden.

„Das Biomethangeschäft ist ein neues Geschäftsfeld, das wir weiter ausbauen wollen“, betonte Müller. Im Sommer 2012 soll die erste Beteiligung von MVV, die Biomethananlage in Klein Wanzleben, in Betrieb gehen, in die MVV 9,4 Mio. € investiert. swe

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