27.01.2012

Google revolutioniert und personalisiert seine Suche

Internet: Googles Algorithmen spielen bei der Suche eine immer geringere Rolle. Die Treffer werden persönlicher und "sozialer". Mehr noch: Künftig werden bei der mobilen Suche via App Ort und Uhrzeit berücksichtigt.

VDI nachrichten, Düsseldorf, 27. 1. 12, pek

Googles Suche wird immer persönlicher. Vor wenigen Tagen führte der Suchkonzern die "soziale Suche" ein, die jedoch vorerst nur für Nutzer in den USA freigeschaltet wurde.

Hier können Nutzer, die auch über einen Google-Account und ein Google-Plus-Profil verfügen, entscheiden, welche Art von Suchergebnissen sie angezeigt bekommen: die Ergebnisse der globalen Suche, so wie sie bislang angezeigt wurden, oder die Ergebnisse der sozialen Suche, die auch Links zu Personen und Seiten beinhalten, die aus dem eigenen Google-Plus-Profil stammen.

Dabei wertet Google die Inhalte aus, die die Kontakte des Google-Plus-Profils mit anderen geteilt haben. Die Google-Suche verschmilzt damit nahtlos mit Google Plus. Deutsche Nutzer sehen in ihren Suchergebnissen heute schon, wenn sie in ihrem Google-Account eingeloggt sind, welche Seiten von ihren Kontakten empfohlen oder geteilt werden. Unterschiede gibt es auch in der Reihenfolge der Suchergebnisse, die leicht anders aussehen.

Die Reaktionen in den USA fielen bislang sehr gemischt aus. Das IT-Magazin CNet sieht darin eine konsequente Ergänzung der bisherigen Suchergebnisse, die auf den Berechnungen von Algorithmen beruhten. Es verweist darauf, dass der PageRank-Algorithmus schon seit einigen Jahren immer schlechtere Ergebnisse produziere, da zu viele der sogenannten Suchmaschinenoptimierer daran arbeiten, ihre Seiten im Suchindex nach oben zu drücken. Er spielt außerdem eine zunehmend geringere Rolle, seitdem Google Wert auf eine minutengenaue Aktualität Wert legt: Denn der PageRank-Algorithmus benachteiligt die Webseiten, die über wenige eingehende Links verfügen. Dazu zählen vor allem Seiten mit aktuellen Nachrichten.

Das Onlinemagazin ReadWriteWeb begrüßte, dass Nutzer zwischen der persönlichen und globalen Suche hin- und herschalten können und auch die persönliche Suche deaktivieren können. Harsch kritisierte es jedoch, dass Google-Nutzer, die einen neuen Google-
Account anlegen, automatisch auch ein Google-Plus-Profil erhalten und in der Grundeinstellung nur noch persönliche Suchergebnisse präsentiert bekommen. Zudem berücksichtige die neue soziale Suche lediglich Ergebnisse aus Google Plus, ignoriere jedoch Links, die von
Facebook- oder Twitter-Nutzern geteilt werden. Damit sei die Google-Suche nicht mehr neutral, sondern nehme Partei für das eigene Unternehmen.

Ein Team von Entwicklern für Facebook, Twitter und Myspace nahm daher die neue soziale Suche von Google mit einer Browser-Ergänzung aufs Korn, mit der Googles Suchergebnisse durch Ergebnisse aus Twitter und Facebook sowie der Filmdatenbank IMDB ergänzt werden. Erhältlich ist die Software über die Website www.focusontheuser.org, wobei sie vorerst nur für US-Nutzer sinnvoll ist, die die neue soziale Suche bereits nutzen können.

Googles neue Suchpolitik ist letztlich eine Reaktion auf die Entwicklung in den letzten Jahren: Immer mehr Menschen wandten sich sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter zu, da hier vor allem Links angezeigt werden, die von Personen mit anderen Personen geteilt wurden. Die Forderung der Experten lautete daher schon seit Längerem, dass die Suche von Google nur dann besser werden könne, wenn sie "sozialer" werden würde.

Google veränderte daher in den letzten zwei Jahren seine Suche auf unterschiedliche Weise: Es machte die Suche persönlicher und direkter. Die Suche gestaltete Google persönlicher, indem es die Suchhistorie seiner Nutzer aufzeichnete und diese dazu verwendete, individuellere Ergebnisseiten zu produzieren. Bei eingeloggten Google-Nutzern erfolgt dies etwa über das Suchprotokoll, bei nicht eingeloggten Nutzern über Cookies und andere individuelle Kennungen wie die IP-Adresse, die Auskunft über den Ort des Nutzers gibt.

Dies nutzt Google in einem weiteren Schritt dafür, auf Suchanfragen nicht nur Links zu produzieren, sondern gleich Antworten zu liefern. Google-Manager Eric Schmidt sagte: "Wir versuchen mehr Suchergebnisse zu produzieren, die eher aus algorithmenbasierten denn aus linkbasierten Antworten bestehen." Wer heute etwa den Namen eines aktuellen Kinofilms eingibt, erhält als erstes Such-
ergebnis eine Liste der Filme, die in den Kinos des mutmaßlichen Wohnorts gerade laufen.

In den kommenden zwei Jahren will Google sich besonders der lokalen Suche widmen: Erst im Dezember kaufte der Konzern das Start-up Clever Sense. Clever Sense hatte die mobile App "Alfred" entwickelt, die auf den Nutzer zugeschnittene Empfehlungen für nah gelegene Restaurants, Cafés oder Orte von Interesse liefert. Startet man die App, stellt Alfred ein paar Fragen über Lieblingsrestaurants und andere Orte, an denen man sich gerne aufhält. Diese Informationen nutzt Alfred dann, um im Internet zu suchen und Empfehlungen zu geben. Die Empfehlungen, die Ort, Zeit und Kontext berücksichtigen sollen, basieren auf künstlicher Intelligenz und bereits gesammelten Daten des Nutzers.   CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

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