25.11.2011

Hochgelobte Hilfe für Hightech-Gründer

Hochschule: Von der Sensibilisierung der Studienanfänger bis zur Anschubfinanzierung der Geschäftsidee: Die TU München tut viel dafür, dass aus Studierenden und Wissenschaftlern eines Tages Unternehmer werden. Im diesjährigen Ranking der akademischen Gründungsförderung nimmt sie den ersten Platz ein.

VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 11. 11, ws

Die Erstsemester bekommen gleich zur Begrüßung ein Entrepreneurship-Handbuch. „Damit zeigen wir auf, wie wichtig unternehmerisches Denken und Handeln ist und wie Studierende diese Kompetenzen bei uns erwerben können“, sagt Helmut Schönenberger, Geschäftsführer von UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung an der Technischen Universität München. „Ziel ist, dass jeder Absolvent die Existenzgründung als attraktive Karriereoption auf seinem Radar hat.“

An der TU forschen und lehren mehrere Professoren, wie man ein Unternehmen gründet und zum Erfolg führt. In manch eine Vorlesung kommen auch Leute aus der Praxis. Felix Haas etwa machte hier vor einiger Zeit seinen Abschluss. Vor einem Jahr hat er seine Online-Ticketing-Firma Amiando für mehr als 10 Mio. € an Xing verkauft. „Ein motivierendes Beispiel für unsere Studenten“, glaubt Schönenberger. Gestandene Unternehmer und Business Angels geben ebenfalls in den Businessplan-Seminaren der UnternehmerTUM ihre Erfahrungen weiter. Die rund 1000 Teilnehmer pro Jahr dürfen sich die Kurse mit zwei bis vier Credit Points je nach Fach anrechnen lassen.

An jeder Fakultät gibt es zudem einen „Gründungsbotschafter“: Das sind Professoren und Professorinnen, die meist schon selbst ein Unternehmen ausgegründet haben. Sie sollen die Kollegen für die Kommerzialisierung ihrer Forschungsergebnisse sensibilisieren, Tipps über Patentschutz und Marktanalyse geben oder den Kontakt zur Industrie herstellen.

Im sechsten Ranking „Vom Studenten zum Unternehmer: Welche Universität bietet die besten Chancen?“ nimmt die TU München 2011 Platz 1 ein. Sie wird ihrem Leitspruch „Unternehmerische Universität“ „im vollen Umfang gerecht“, bescheinigten die Autoren der Studie von der benachbarten Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die TU München hatte in allen untersuchten Bereichen – so etwa Ausbildung potenzieller Gründer, externe Vernetzung, Anzahl der Gründungen im Umfeld – Punkte gewonnen. Für Schönenberger ein Zeichen dafür, „dass ein umfassendes Programm angeboten wird, das differenziert auf die Anforderungen der verschiedenen Zielgruppen der Studierenden und Wissenschaftler eingeht. Im Entrepreneurship-Curriculum werden strategische Fragen genauso gut abgedeckt wie Marketings-, Finanzierungs- und Organisationsthemen.“

Mit einem Durchschnitt von 210,5 Punkten bei 400 möglichen schnitten die Universitäten bei der Untersuchung insgesamt besser ab als beim letzten Mal. Nur noch eine unbedeutende Anzahl bietet keine oder nur wenig gezielte Förderung künftiger Unternehmer an. Mit Entrepreneurship-Lehrstühlen, Technologietransferstellen und Gründerzentren wollen sich immer mehr Hochschulen auf dem Gebiet profilieren. Die Technischen Hochschulen punkten besonders mit ihrer „externen Vernetzung“ in den institutionalisierten Gründungsnetzwerken und der regionalen Gründungsinfrastruktur.

Jürgen Schmude, Mitverfasser der Studie, führt die Erfolge auf das staatliche Förderprogramm Exist zurück. Seine dritte Phase habe besonders in diesem Jahr gegriffen. Damals wurde unter dem Motto „Lücken schließen“ in der Fläche gefördert. Exist IV dagegen richtet sich an einen kleinen Adressatenkreis von 20 „Gründungshochschulen“.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) stellt für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren rund 46 Mio. € zur Verfügung. Der verlängerte Förderzeitraum gebe den Ausgewählten mehr Planungssicherheit, so Schmude. Für den Rest sei die Neuausrichtung von Exist allerdings ein empfindlicher finanzieller Einschnitt, der kurz- bis mittelfristig die etablierten Strukturen und Prozesse der Gründungsförderung unter Druck setzen würde.

Gefährdet sieht er vor allem die „kleineren und meist peripher gelegenen“ Universitäten Westdeutschlands: Sie könnten gegenüber ihren Leitungsgremien tendenziell nur schwer auf die positiven Auswirkungen der Gründungsförderung auf den Etat oder den Ruf der Hochschule verweisen. Den Wegfall der BMWi-Gelder könnten sie kaum aus anderen Quellen ausgleichen. Ostdeutsche Hochschulen in den strukturschwachen Regionen seien weniger darauf angewiesen: Sie finanzierten ihr Angebot vor allem aus EU-Mitteln.

Mit Exist-Hilfe will sich die TU München in den nächsten Jahren auf die Ausgründung wachstumsstarker Hightech-Start-ups konzentrieren: aus den Bereichen IuK-Technologie, Medizintechnik, Cleantech und Life sciences.

UnternehmerTUM soll als zentrale Anlaufstelle die Jungunternehmer beim Abnabelungsprozess begleiten. Ein neues Forschungsinstitut, das Entrepreneurship Research Institute, soll ihnen Best-Practice-Werkzeuge mitgeben.

Die Universität schafft auch spezielle Anreizsysteme, so ein Gründungsfreisemester für Wissenschaftler. Mehr noch: Seit Juli hat UnternehmerTUM einen eigenen Risikokapitalfonds für die Frühphase der Hightech-Gründer. Gegenwärtig ist er mit mehr als 12 Mio. € gefüllt und dabei, die ersten Investments abzuschließen. Schönenberger: „Das zeigt, dass wir an unsere Teams glauben.“  MATILDA JORDANOVA-DUDA


TU München: Drei Plätze geklettert 

-Das Ranking „Vom Studenten zum Unternehmer: Welche Universität bietet die besten Chancen?“wird alle zwei Jahre im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) durchgeführt. 2011 beteiligten sich 63 staatliche Universitäten daran. Der TU München gelang es, sich im Vergleich zu 2007 und 2009 um drei Plätze zu verbessern. mjd

Artikelbewertung

lesenswert   nicht lesenswert

Gerne können Sie der VDI nachrichten Redaktion zu diesem Artikel einen Leserbrief schreiben. Ihr Leserbrief wird ggf. in den VDI nachrichten erscheinen, online wird er nicht veröffentlicht.

Leserbrief schreiben

Rangliste

Meinungen zum Thema aus unserem Netzwerk INGENIEUR.DE

Hochgelobte Hilfe für Hightech-Gründer

Mitglieder des Netzwerkes ingenieur.de können hier ihre Meinung zu diesem Artikel veröffentlichen. Werden auch Sie kostenfrei Mitglied im Netzwerk für Ingenieure und diskutieren Sie mit. Sind Sie bereits Mitglied, melden Sie sich einfach an.

Meinung schreiben



Meinungen: 0

Extras von A - Z

Heiko Mell

Heiko Mell

Seit vielen Jahren schätzen VDI nachrichten-Leser seine präzisen Antworten rund um die Themen Berufsplanung und Karriere.
Stellen auch Sie Ihre Fragen an Dr.-Ing. E. h. Heiko Mell, recherchieren Sie in der Datenbank nach passenden Karrierebegriffen oder machen Sie kostenfrei den Heiko Mell Karrieretest.

Heiko Mell

Publikations-Service

Veröffentlichen Sie Ihre ingenieur- oder naturwissenschaftliche Arbeit in der renommierten Reihe Fortschritt-Berichte VDI.

Fortschritt-Berichte VDI
weitere Infos