13.01.2012
Internetportal hilft Firmen, energieeffizienter zu werden
Energiemanagement: Energiemanagementsysteme sollen Unternehmen dazu befähigen, energieeffizienter zu wirtschaften. Mit der seit Dezember 2011 geltenden DIN EN ISO 50001 wird auf Dauer die DIN EN 16001 (Einführung von Energiemanagementsystemen) abgelöst. Praktische und unentgeltliche Hilfe in diesen Fragen bietet ein Internetportal, das die Energieagentur NRW innerhalb des letzten Jahres entwickelt hat.
VDI nachrichten, Düsseldorf, 13. 1. 12, swe
"Nein", versichert Gerald Orlik, "unser System ersetzt keine Zertifizierung eines betrieblichen Energiemanagementsystems." Der Diplomingenieur ist Projektleiter bei der Energieagentur NRW des Landes Nordrhein-Westfalen und sein "System" beschäftigt ihn seit über einem Jahr: das Internetportal Modeem. Es soll Unternehmen aller Art und Größe dabei helfen, stufenweise ein Energiemanagementsystem bei sich einzuführen, zu dokumentieren und aufrechtzuerhalten. Das Ganze im Selbstlernverfahren, einfach und ziemlich übersichtlich. Begleitet von einer Art Ampel-Tacho-Funktion, die zeigt, wie weit denn die unternehmenseigenen Bemühungen im Vergleich zu den gängigen Normen gediehen sind.
Mit dem System rennen Gerald Orlik und sein Kollege Thomas Gentzow zurzeit offene Türen ein. Modeem ("Modulares Energie-Effizienz-Modell") war eigentlich ein Projekt der Energieagentur NRW, um Unternehmen des Landes zu helfen. "Das System ist aber inzwischen bundesweit verfügbar", erklärt Orlik. Anfangs konnten sich nur Unternehmen aus NRW in dem Portal registrieren lassen, heute sind bereits Firmen aus 13 Bundesländern beteiligt.
Das Projekt entstammt der nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums. Die Klimaschutzinitiative setzt auf Energieeffizienz und will damit die laufenden Energiekosten senken. Spätestens mit den Meseberger Beschlüssen von 2007 der damaligen rot-grünen Bundesregierung sind Energieeffizienz und Energiemanagement von Unternehmen eng verknüpft. Politisch ist gewollt, dass Firmen energieeffizienter arbeiten und dazu braucht es ein entsprechendes Managementsystem.
Seit dem April 2009 ist die EN 16001 ("Einführung von Energiemanagementsystemen") gültig und bildet die Blaupause für die Praxis. Derzeit prüft die Bundesregierung, inwieweit ab dem Jahr 2013 Energiemanagementsysteme als Voraussetzung für zukünftige Steuerermäßigungen gelten sollen.
"Es ist nicht immer einfach, diese Anforderungen auf einen konkreten Betrieb herunterzubrechen", weiß Orlik. Weil seine Projektgruppe genau bei dieser Transferleistung Hilfestellung leistet, liest sich die Teilnehmergruppe des Projektes wie ein Who's who der nordrhein-westfälischen Unternehmenslandschaft. Vom ostwestfälischen Elektronikspezialisten Phoenix Contact über die Druckhäuser der WAZ-Zeitungsgruppe reicht die Liste bis hin zu ThyssenKrupp VDM und der Warsteiner Brauerei.
Mit dem Projekt Modeem hat die Energieagentur NRW die Sisyphusarbeit geleistet, die Anforderungen der noch bis zum 24. April dieses Jahres geltenden DIN EN 16001 und der seit Dezember 2011 geltenden DIN EN ISO 50001 herunterzubrechen.
Stufenweise wird erst erfasst, was das eigene Haus denn bisher überhaupt in Sachen Energiemanagement unternimmt, der Modeem-Check. Daraus bildet die hinter der Website liegende Software wichtige energiespezifische Kennzahlen wie die Energiekosten und den -bedarf sowie auch die CO2-Emissionen.
Daraus ergibt sich im nächsten Schritt, dem Basispaket, ein Aufgabenkatalog, was noch zu tun ist, um alle Grundlagen für ein Energiemanagementsystem parat zu haben. In zwei Aufbaustufen geht es dann um die Umsetzung, den Betrieb und die Überprüfung des umgesetzten Energiemanagementsystems. Im letzten Schritt, dem Vertiefungspaket, werden dann alle Elemente eines dauerhaften Verbesserungsprozesses in Sachen Energiemanagement entwickelt.
Praktischerweise lässt sich das eigene System mithilfe einer Ampel und eines Tachos gegen die geltenden Normen abgleichen - ohne dass dies einer Zertifizierung entspräche. Wobei es Orlik wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass der Managementsystemabgleich mithilfe der TÜV Rheinland Cert entwickelt wurde. Dies gebe den Anwendern die nötige Sicherheit. Die Ampelfunktion erinnert den Nutzer daran, wie der Stand der Bearbeitung der einzelnen Aufgaben ist. Der Tacho von 0 % bis 100 % zeigt, wie weit das Unternehmen bei der Einführung eines Energiemanagementsystems ist.
Am Ende steht für die Portalnutzer die Fähigkeit, die eigene Firma fit gemacht zu haben für eine Zertifizierung. "Daher ist die Struktur von Modeem auch so ausgelegt, dass es in bestehende Managementsysteme wie die ISO 9001 passt", so Orlik.
In diesem Jahr wird die DIN EN 16001 zurückgezogen und so durch die DIN EN ISO 50001 (Energiemanagementsysteme - Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung) abgelöst werden. Auch diesen Schritt macht das Portal relativ problemlos möglich. Wer bisher sein Energiemanagementsystem nach 16001 ausgerichtet hatte, kann dies ebenfalls vergleichen mit den Anforderungen der neueren Norm. swe
www.modeem.de