27.01.2012

Markt der IT-Freelancer ist leergefegt

Arbeitsmarkt: Die Personalknappheit führt dazu, dass auch IT-Freiberufler-Agenturen ihr Heil in der Anwerbung im Ausland suchen – mit mäßigem Erfolg. Derweil steigen die Honorarsätze für freiberufliche IT-Experten. Mittelständler sind hier flexibler als Konzerne.

VDI nachrichten, München, 27. 1. 12, ws

„Agenturen für die Vermittlung von IT-Freelancern werden für ihre Kunden immer wichtiger“, so Hartmut Lüerßen, Partner des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Lünendonk, wo man sich anhand einer Studie mit dem Markt der IT-Personalvermittlung inklusive Zeitarbeit beschäftigt hat. Die enge Personaldecke bei Spezialisten für bestimmte Gebiete mache die enge Zusammenarbeit zu einer Notwendigkeit. „Viele vorgesehene Projekte werden wieder abgesagt, weil die nötigen Spezialisten nicht zu bekommen sind. Wir empfehlen deshalb Planungspartnerschaften zwischen Agentur und Kunde“, sagt Lüerßen. Denn nur so lasse sich der Bedarf an Spezialkräften für anspruchsvollere Projekte im Vorhinein planen.

Von derartigen Partnerschaften ist freilich in der Praxis noch nicht viel zu entdecken. „Bei höchstens 2 % unseres Geschäfts bekommen wir Einblick in die strategischen Planungen unserer Kunden“, sagt Oliver Staudenmayer, Vorstand der Reutax AG, Vermittler von Fach- und Führungskräften mit einem Schwerpunkt IT, der viel mit Dax-30-Unternehmen zusammenarbeitet.

Probleme mit längerfristigen Planungen gibt es auch, weil die IT-Projekte in den Kundenunternehmen sich häufig sukzessive verlängern und deswegen nicht klar ist, wann ein Freelancer tatsächlich wieder verfügbar ist. „Man fängt mit drei Monaten an, und dann kommen oft weitere Drei-Monats-Abschnitte dazu“, sagt Thomas Götzfried, Vorstand der Allgeier AG, zu deren Tochterunternehmen die IT-Freelancer-Agentur Goetzfried AG gehört. Auch Freelancer selbst, so die Branchenexperten, scheuten vor langfristigen Bindungen zurück.

Der Mangel hat inzwischen schon zu Preisanstiegen der Stundensätze für begehrte Expertise um 10 % bis 15 % geführt. Mittelständler sind hier flexibler als Großunternehmen, deren Honorarstaffeln meist in aufwendigen internen Prozessen entwickelt wurden und dann nicht so leicht zu ändern sind. Besonders gesucht sind Themen wie SAP oder Web Services: SAP ist so fest in der deutschen Unternehmenslandschaft verankert, dass immer wieder Integrationsbedarf besteht. Das Gleiche dürfte für Web Services gelten.

Ein Ansatz, die herrschende Dürre auf dem Personalmarkt zu beheben, besteht darin, auch im Ausland IT-Freiberufler für deutsche Firmen anzuwerben. „Wir sind gerade dabei, ein derartiges Projekt aufzusetzen“, berichtet Attilo Berni, Geschäftsführer der Elan IT Resource GmbH, einer Manpower-Tochterfirma.

Allerdings ist es der Branche bisher noch nicht gelungen, hier durchschlagende Erfolge zu erzielen, auch nicht durch die mit vielen Hoffnungen bedachte Freizügigkeit zwischen Deutschland und Polen. „Es handelt sich beim IT-Fachkräftemangel um ein internationales Problem“, betont Staudenmayer.

Weiterbildungsangebote seitens der Personalvermittler scheinen nicht als geeignete Strategie der Rekrutierung zu gelten. „Das gehört nicht zu unserem Kerngeschäft“, sagt Thomas Götzfried. Und Frank Schabel, Marketingleiter bei Marktführer Hays, setzt hinzu: „Freiberufler bilden sich ohnehin selbst weiter.“ Dazu kommen rechtliche Probleme: Mögliche Win-Win-Modelle wie eine zeitliche Bindung an eine Agentur für ein Weiterbildungsangebot können bei den IT-Freelancern schnell als Scheinselbstständigkeit gelten.

Deshalb erfolgt in der Praxis der Ausbau des Wissens vor allem während der Arbeit: „Viele IT-Freelancer suchen sich Projekte, deren Qualifikationen sie zu 80 % erfüllen. Die restlichen 20 % lernen sie durch das Projekt neu kennen, sozusagen als bezahlte Weiterbildung“, erläutert Elan-Manager Attilo Berni.

Letztlich entscheide über die Vermittelbarkeit eines Experten die möglichst taufrische und praktisch gewonnene Erfahrung mit dem entsprechenden Themengebiet, nicht etwa der Nachweis von Schulungskursen. Andererseits seien Kompromisse hinsichtlich der verlangten Qualifikationen seitens der Kunden derzeit unabdingbar: „Kandidaten, die alle Fähigkeiten hundertprozentig mitbringen, gibt es kaum“, sagt der Manager. ARIANE RÜDIGER


IT-Agenturen kooperieren meist mit den Großen 

-Gegenüber dem Jahr 2009 hat sich die Zahl der IT-Freelancer um 1000 auf 75 000 erhöht, so eine Lünendonk-Studie. Sie erarbeiteten einen Umsatz von rund 6,7 Mrd. €, was einem durchschnittlichen Jahreseinkommen je Freelancer von knapp 90 000 € entspricht. Marktführend ist mit weitem Abstand Hays, gefolgt vom Allgeier-Tochterunternehmen Goetzfried. Die zehn größten Agenturen vereinigen rund 17,4 % des Marktes auf sich, 2009 waren es 17,7 %. Rund drei Viertel ihres Geschäfts machen die IT-Freelancer-Agenturen mit Unternehmen über 1000 Mitarbeiter. Viele haben zudem ein Bein im Zeitarbeitsmarkt. Die wichtigsten Kriterien, nach denen die Kunden IT-Freelancer-Agenturen auswählen, sind die Fähigkeit, das gewünschte Personal bereitzustellen, Schnelligkeit und gutes Preis-/Leistungsverhältnis. A. R.

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