25.11.2011
Olympia kommt mit 33 Megapixeln ins TV
HDTV: Hochauflösendes Fernsehen ist heute selbstverständlich. 25 Jahren nach den ersten analogen Versuchen sind Qualität und Preise längst massenmarkttauglich. 33,5 Mio. HDTV-Fernseher wurden seit 2004 laut der Gesellschaft für Konsumelektronik in Deutschland verkauft. Doch richtig Geld verdient damit kaum ein Hersteller mehr, der Wettbewerb ist gnadenlos. In Japan wird deshalb schon sehr konkret an noch höheren Bildauflösungen gearbeitet.
VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 11. 11, jdb
Der Weg in die Zukunft des Fernsehens folgt derzeit vielen Pfaden: Einerseits werden mobile Geräte wie Smartphones oder iPads fernsehtauglich, andererseits kommen jetzt Displays mit Diagonalen von 60 Zoll, 70 Zoll oder gar über 80 Zoll auf den Markt. Darüber hinaus entwickelt sich das Hybridfernsehen – TV mit Internetanschluss – zum Megathema und dann ist mit dem jetzt in Deutschland etablierten hochauflösenden Fernsehen (HDTV) noch nicht das Ende in Sachen Bildqualität erreicht.
Wohin die Reise geht, zeigte Paul Molyneux, Präsident von Sharp Europa bereits während der IFA im September: den „85 Inch Super Hi-Vision“-LCD-Monitor mit einer Auflösung von 7680 x 4320 Bildpunkten, oder kürzer „8K x 4K“. Molyneux: „8K x 4K wird das nächste High-Definition-Format“. Derzeitige HDTV-Geräte bringen es nur auf einen Bruchteil davon, nämlich bestenfalls auf 1920 x 1080 Pixel oder kurz 2K x 1K.
In Japan ist HDTV bereits seit 1988 in der Luft, nachdem es erstmals 1964 beim dortigen Sender NHK auf der Tagesordnung der Entwickler stand. Zunächst erfolgte die HD-Übertragung noch analog, seit 2000 dann auch digital. Und seit 1995 geht es dort bereits um die Zukunft des Fernsehens jenseits von HDTV. Damals haben die zur NHK gehörenden Science & Technology Research Laboratories, kurz STRL, das Ziel gesetzt: Aus „Hi-Vision“ sollte „Super Hi-Vision“ werden. Von den 220 Forschern und Ingenieuren des Labors arbeitet inzwischen über die Hälfte an SHV, so das Kürzel für den HD-Nachfolgestandard.
Mittlerweile kann die Technik in der Öffentlichkeit gezeigt werden. Wie das 2,16 m breite und 1,05 m hohe Super-Display, das Sharp in vierjähriger Entwicklungsarbeit mit NHK hergestellt hat und auf der IFA demonstrierte. 15 Stück sind bislang in der Fabrik in Kameyama produziert. „Sie sind alle fehlerfrei, von den über 33 Mio. Pixeln ist keines dunkel oder ständig an“, so Yasuhiro Yoshida, Sharps General Manager der AV-Technology Laboratories gegenüber den VDI nachrichten.
Wer mag, kann sich recht dicht vor das Superbild hocken. Selbst in 75 cm Entfernung, dem von NHK vorgeschlagenen Abstand, ist kein einziges Pixel zu sehen, denn jedes ist genau 0,245 mm breit – so breit wie drei Haare. Die auf der IFA und später auf der IBC in Amsterdam gezeigten Bilder mit der 16-fachen HDTV-Auflösung kommen von NHK. Die Reaktion der Betrachter: „atemberaubend.“
„Im nächsten Jahr setzen wir das komplette System in London während der Olympischen Sommerspiele ein“, verspricht Keiichi Kubota, Leiter des NHK-Forschungslabors. Dann werden bestimmte Sportarten zusammen mit OBS, dem Olympic Broadcasting Services, der BBC und NHK zusätzlich in Super Hi-Vision aufgenommen und in einigen englischen und japanischen Kinos sowie wichtigen Gebäuden gezeigt. Kubota: „Wir werden dann zwei Displayarten im Einsatz haben – das 85-Zoll (2,15 m)-LCD von Sharp und das 152-Zoll(3,86 m)-Plasma-Display von Panasonic, beide mit 8K x 4K-Auflösung.“ Die Kameras kommen von Hitachi und Ikegami, die Kinoprojektoren von JVC. Fertig sind auch Mischer, Schnitt- und Zeitlupengeräte sowie diverse Aufnahme- und Übertragungssysteme. Für den dreidimensionalen Ton sind 24 Lautsprecher in drei Etagen vorgesehen.
Problematisch ist indes noch die hohe Datenrate. Die SHV-Kameras produzieren einen Datenstrom von 24 Gbit/s. Die Speicherung der unkomprimierten Signale ist derzeit nur mit Festplatten (HDDs) und Halbleiterspeichern (SSDs) möglich – 16 TByte reichen gerade mal für 20 min. Erst die Kompressionstechnik MPEG-4/H.264 macht aus 24 Gbit/s recht übersichtliche 260 Mbit/s. Die können später sogar über Satellit im 21-GHz-Bereich übertragen werden. Wann es über Olympia hinaus mit der SHV in Japan losgeht, steht noch nicht fest. „Unser Präsident Masayuki Matsumoto wünscht, dass wir schon 2015 mit einem öffentlichen Testbetrieb beginnen, es könnte aber auch 2020 werden“, erklärt STRL-Chef Kubota.
Später sind auch Kabelkanäle und terrestrische Frequenzen vorgesehen. Doch das dürfte noch von neuen Kompressionstechniken abhängen, High Efficiency Video Coding, kurz HEVC, steht als Nachfolger von MPEG-4 bereits auf der Tagesordnung von Fraunhofer & Co. und könnte Anfang 2013 den Segen eines internationalen Standards erhalten. Bis dahin will NHK auch ein weiteres Problem gelöst haben – die Zahl der aufgenommenen Bilder soll sich mindestens verdoppeln, von 60 Vollbildern pro Sekunde auf 120 bzw. sogar auf 240.
Bereits auf der nächsten IFA wird Sharp einen Zwischenschritt zeigen – die ersten Displays mit „höherauflösender“ Technik von 4K x 2K, also mit 3840 x 2160 Pixeln, sollen danach in den Handel kommen. Da es dafür von den Rundfunkanstalten keinen passenden Inhalt geben wird, hat Sharp vorgesorgt: „Wir haben zusammen mit I-cubed in Japan einen Chip entwickelt, der aus Helligkeits- und Tiefeninformationen zusätzliche Bildinformationen generiert, die zu noch besseren Bildern als das gegenwärtige HDTV führen“, erklärt Sharp-Manager Joachim Neils und nennt das Integrated Cognitive Creation, kurz ICC.
Interne Vorführungen zeigen Bilder mit deutlich besseren Strukturen, einer erkennbar größeren Tiefe und hinterlassen einen realistischeren Bildeindruck als das derzeitige HDTV. Das gibt übrigens auch Fotofreunden eine bessere Abspielplattform als bisherige TV- oder Computermonitore. Denn digitale Kameras bringen es leicht auf 18 und mehr Megapixel. RAINER BÜCKEN
Hoch-, höher und höchstauflösendes TV
-Ein HDTV-Fernsehbild hat maximal 1920 x 1080 Bildpunkte, ARD und ZDF übertragen derzeit 1280 x 720 Pixel.
-Sharps Zwischenlösung soll mit 3840 x 2160 Bildpunkten ein besseres Bild liefern. Originalmaterial gibt es nicht von Fernsehsendern, sondern nur von Digicams oder künftigen 4K-Camcordern.
- 4K-Fernseher kommen demnächst auch von Toshiba für einfach hochkonvertiertes HDTV.
-Super Hi-Vision zeigt Bilder mit 7680 x 4320 Pixeln, dem 16-fachen von Standard HDTV. Die europäische Rundfunkunion arbeitet daran mit. jdb