10.04.2009

Positiv auf die Gesellschaft einwirken  

Frauenanteil: Mädchen für Technik zu begeistern, hält Burghilde Wieneke-Toutaoui für wichtig. Doch es müssen auch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass Ingenieurinnen im Berufsleben ankommen und dort bleiben. Daran mangelt es nach Meinung der Maschinenbau-Professorin an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. VDI nachrichten, Ellwangen, 9. 4. 09, cha

VDI nachrichten: Gibt es Vertiefungsrichtungen im Maschinenbaustudium, in denen Frauen stärker vertreten sind als in anderen?

Wieneke-Toutaoui: Bei Frauen ist die Konstruktionstechnik sehr begehrt. Das hat wohl damit zu tun, dass viele von ihnen zuvor eine Ausbildung zur technischen Zeichnerin gemacht haben. Frauen sind zudem in der Umwelttechnik, erneuerbaren Energien, Lebensmittel- und Medizintechnik überdurchschnittlich präsent. Das sind alles Fächer, die stark interdisziplinär ausgerichtet sind und die gesellschaftliche Relevanz haben: Frauen wollen positiv auf die Gesellschaft wirken. Das könnte ein Grund dafür sein, warum sie in der Produktionstechnik kaum vertreten sind. Umweltschädliche Autos herzustellen, erscheint für die Gesellschaft weniger relevant, als saubere Windkraftanlagen zu planen.

Eignen sich staatliche Aktionen wie die Girls''Days, um Interesse zu wecken?

Die halte ich für wichtig, weil der Horizont der Teilnehmerinnen erweitert wird.

Sie werden darauf aufmerksam gemacht, dass es neben dem Lehramt, Jura und Betriebswirtschaftslehre auch andere für sie relevante Studienfächer gibt. Ich halte es aber mindestens für ebenso wichtig, dass wir uns darum kümmern, was nach dem Studium geschieht. Denn hier läuft es nicht wirklich rund. Ingenieurinnen haben es schwerer, einen Job und im männerdominierten beruflichen Umfeld Akzeptanz und auch für sie zufriedenstellende Rahmenbedingungen zu finden. Wir müssen in der Praxis Vorurteile und Klischees abbauen, damit die Frauen dabeibleiben. Wenn wir erst mal mehr sind, kommen die anderen von ganz allein - weil bekanntlich viele dahin gehen, wo schon viele sind.

Frauen schließen ihr Studium besser und schneller ab als Männer. Auf dem Arbeitsmarkt zahlt sich das aber nicht aus. Warum verdienen Frauen weniger?

Dafür gibt es nach meiner Einschätzung drei wesentliche Gründe: Leider herrscht noch immer der Mythos, dass der Mann das Geld nach Hause bringt und das Einkommen der Frau ein Zuverdienst ist Frauen kämpfen weniger für eine bessere Bezahlung, sie sorgen sich eher um andere und übersehen sich dabei selbst sie wechseln weniger häufig den Arbeitsplatz und wenn doch, dann nicht primär wegen eines höheren Einkommens.

Wie sind Sie zum Maschinenbau gekommen?

Ich bin auf dem Land aufgewachsen, hatte wenig mit Technik zu tun, keine Ingenieure in der Familie. Aber ich wollte einen vielseitigen Beruf, der mich ins Ausland bringt und der mit Teamarbeit zu tun hat. Eine Informationsbroschüre des Arbeitsamts über den Maschinenbauingenieur beschrieb den Beruf genauso. Dem habe ich vertraut und bin auch nicht enttäuscht worden. P. ILG

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