10.02.2012
Rein nationale Energiewende greift im EU-Binnenmarkt zu kurz
Energie: Die deutsche Energiewirtschaft stellt sich aktiv auf die Energiewende ein. Doch diese Transformation wird nur der erste Schritt sein. Das machte EU-Energiekommissar Günther Oettinger diese Woche in Essen im Vorfeld des jährlichen Branchentreffs E-World of Energy & Water deutlich.
VDI nachrichten, Essen, 10. 2. 12, swe
Günther Oettinger, der deutsche Energie-Kommissar in Brüssel, ist angetreten, um den EU-Binnenmarkt für Strom und Gas "zu vollenden", wie er es am Vortag der Messe E-World in Essen beschrieb. "Wir stehen jetzt vor dem Aufbau eines paneuropäischen Netzes", betonte er und ergänzte: "Wenn es einen EU-Binnenmarkt gibt, wird nationale Energiepolitik immer schwieriger."
Oettinger machte klar: Was die deutsche Energiewirtschaft zurzeit mit der hiesigen Energiewende erlebt, könnte der Auftakt sein für die Transformation hin zu einem kontinentalen, ja, globalen Markt. "Wir sind in der Globalisierungsphase von Strom und Gas", ist er sich sicher. Und Steag-Chef Joachim Rumstadt sekundierte: "Die Energiewirtschaft denkt schon heute europäisch und muss immer mehr europäisch handeln, denn wir wollen den Energiebinnenmarkt vollenden."
Zumindest der Gasmarkt ist längst global, auch wenn es - im Gegensatz zum Öl - noch keine weltweite Preisbildung gibt. "Auf der Angebotsseite hat sich die weltweite Verfügbarkeit von Flüssiggas (LNG) deutlich ausgeweitet", weiß E.on-Ruhrgas-Chef Stefan Vogg. "Als Folge ist ein globaler Gasmarkt mit Konsequenzen für alle regionalen Gasmärkte entstanden."
Oettinger sieht am Horizont schon den globalen Strommarkt. Dies sei vor allem der Höchstspannungs-Gleichstromübertragung zu verdanken, die über 1000 km Strom mit Verlusten von wenigen Prozent übertragen kann: "Die Technik macht es möglich, dass man auch beim Strom in den nächsten Jahrzehnten von der Globalisierung ausgehen kann."
Jürgen Tzschoppe, Deutschland-Chef des norwegischen Energiekonzerns Statkraft, beobachtet in Europa aber, dass zurzeit im Strombereich wieder vermehrt national gedacht wird. "Die spannende Frage ist: Will jedes Land für sich einen nationalen Kraftwerkspark haben, der im Notfall jederzeit die Versorgungssicherheit gewährleistet?" So gehe das der deutschen Energiewende zugrunde liegende Konzept davon aus, Notsituationen nur mit den eigenen verfügbaren Ressourcen zu bewältigen, erinnerte er. Dann müsse aber auch vermehrt in entsprechende Notfallkapazitäten investiert werden. "Man sollte den Menschen dann auch sagen, was dieser nationale Weg kostet."
Nationale Energiewende und EU-Binnenmarkt kollidieren in der Praxis. So profitierte der staatliche, niederländische Netzbetreiber Tennet vom Energiebinnenmarkt, als er das E.on-Übertragungsnetz kaufte. Daher ist er in Deutschland jetzt einer der vier Übertragungsnetzbetreiber.
Als solcher soll Tennet im Rahmen der deutschen Energiewende viele Mrd. € in den Netzausbau investieren. Nur hat Tennet das Geld nicht. Deswegen, so Oettinger, müsse jetzt aus dem Haushalt der Niederlande das Eigenkapital von Tennet erhöht werden, um die deutsche Energiewende zu finanzieren.
Johannes Remmel, Umweltminister in Nordrhein-Westfalen, beklagte Ungereimtheiten in Sachen Energiewende. Er verwies auf Pumpspeicherprojekte, die nicht realisiert würden, weil sie sich unter den aktuellen Bedingungen nicht rechneten. Während Übertragungsnetze über Netzentgelte finanziert werden könnten, sei dies bisher für Kapazitäten zur Stromspeicherung und Netzstabilisierung nicht der Fall. "Was gehört zum Netz dazu?", fragte Remmel provokativ und regte eine andere Ausgestaltung bisheriger Regelungen an.
Die Stimmung in Essen war trotz Unsicherheiten positiv gefärbt. "Die Branche begreift die Energiewende als Chance", glaubt Niels Ellwanger, Chef des Energiedienstleisters Con-energy.
Wichtig sei es, jetzt aktiv zu werden. Das forderte E.on-Manager Vogg. Es gebe eine große Nachfrage der Industriekunden jetzt zu handeln und etwas zu tun. Diese Chance werde der Markt nutzen und den industriellen Stromverbrauchern die Lösungen bieten, die sie bräuchten. Das machte Hildegard Müller als Sprecherin für den Branchenverband BDEW deutlich: "Die Mehrheit der Anbieter von Energieeffizienzdienstleistungen wird die Palette in Zukunft noch ausweiten."
Zu den Anbietern von Energie-
sparkonzepten gehört die EnBW-Tochter Watt Deutschland, die vor allem mittelständische Kunden mit Energie beliefert. "Was viele Unternehmen oft noch nicht haben, ist eine Energieeinkaufsstrategie", beobachtet Watt-Deutschland-Chef Otto Klatte. Hier sieht er Nachholbedarf.
STEPHAN W. EDER
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Meinungen: 15
Nikolaus Geus gab folgende Meinung ab
Freitag, 10. Februar 2012
Es fehlt eine Koordination der Vorhaben.
Die HGÜ-Leitungen aus der Nordsee sollen über eine neue 380kV Drehstomleitung an das Ruhrgebiet angeschlossen werden. Bei Beibehaltung der HGÜ bis zum Ziel könnte die höhere Leitungseffizienz der HGÜ und der Vorteil der einfacheren Erdverlegung ohne Mehrkosten für zusätzliche Umrichtstationen errreicht werden.
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Die HGÜ-Leitungen aus der Nordsee sollen über eine neue 380kV Drehstomleitung an das Ruhrgebiet angeschlossen werden. Bei Beibehaltung der HGÜ bis zum Ziel könnte die höhere Leitungseffizienz der HGÜ und der Vorteil der einfacheren Erdverlegung ohne Mehrkosten für zusätzliche Umrichtstationen errreicht werden.
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Die HGÜ-Leitungen aus der Nordsee sollen über eine neue 380kV Drehstomleitung an das Ruhrgebiet angeschlossen werden. Bei Beibehaltung der HGÜ bis zum Ziel könnte die höhere Leitungseffizienz der HGÜ und der Vorteil der einfacheren Erdverlegung ohne Mehrkosten für zusätzliche Umrichtstationen errreicht werden.
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Die HGÜ-Leitungen aus der Nordsee sollen über eine neue 380kV Drehstomleitung an das Ruhrgebiet angeschlossen werden. Bei Beibehaltung der HGÜ bis zum Ziel könnte die höhere Leitungseffizienz der HGÜ und der Vorteil der einfacheren Erdverlegung ohne Mehrkosten für zusätzliche Umrichtstationen errreicht werden.